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August 2021

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Burschenschaften gibt es nicht nur an den Universitäten, sondern auch an den Mittelschulen. Für manche Lehrer sind sie ein Ärgernis, für viele Jugendliche hingegen ein spannendes Abenteuer und eine prägende Charakterschule. Ein Text von Elmar Podgorschek.

Die ersten korporativen Zusammenschlüsse gab es bereits in den Lateinschulen des Mittelalters, und die nach der Gründung der ersten deutschen Universität in Prag 1348 entstandenen Bursen übernahmen das Erbe der Mittel- und Lateinschulen.

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Das wesentlich Gemeinsame aller Pennalverbindungen ist die Zugehörigkeit zu einer Höheren Schule, die aber noch keine Hochschule ist. Der Begriff „Pennalie“  leitet sich von penna (lat. „Feder“) ab, die der „Pennal“ in der Büchse sorgsam an seinem Gürtel mit sich herumtrug.

Doch was bringt junge Schüler heute zu einer pennalen Burschenschaft­? „Ich hatte schon einige Zeit vor meinem Einsprung den Wunsch, in einer Burschenschaft­ aktiv zu werden“, betont Ulrich (17), Mitglied der p.c.B! Arminia Graz. Bereits Vater und Bruder waren Burschenschaft­er, und so wusste er schon vorher über Verbindungen Bescheid. „Besonders gereizt haben mich der Zusammenhalt und das politische Engagement, aber auch das Fechten.“

Andere wiederum kommen zufällig über Freunde und Schulkollegen zur Verbindung. Wie das o­ftmals abläuft­, erklärt Ulrich im Gespräch: „Die meisten meiner Schulkollegen haben recht bald von meinem Einsprung erfahren, ich habe daraus auch kein Geheimnis gemacht. Einen großen Teil meiner Klasse habe ich sogar schon auf unsere Bude mitgebracht und dort mit ihnen gefeiert.“

Gegenüber Lehrern hält er sich jedoch bedeckt. Das Bildungssystem mitsamt der Lehrkräft­e ist aktuell linksgeprägt, und da kommen Burschenschaft­en insgesamt selten gut an.

Es ist eine Konstante und zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Pennalien, dass sie von den jeweiligen staatlichen Behörden, den Obrigkeiten, der Kirche und den politischen Verantwortlichen oft­mals bis aufs Äußerste bekämpft­ wurden. Die gegenwärtige Ablehnung des Verbindungswesens in der öffentlichen Meinung ist daher keine Ausnahmeerscheinung.

Bereits im Mittelalter wurden Schülerverbindungen von den Schulherren bekämpft­. Deshalb wandelten sich viele in Geheimbünde um und nahmen die Form von Orden an. Mönche sahen diese Schülerverbindungen als eine „andere Form der Pest“ an. Weil die Pennäler ein der Obrigkeit äußerst suspektes Eigenleben führten, beschloss der Regensburger Reichstag 1793 ein Verbot aller geheimen Schüler- und Studentenverbindungen. 1819 schlossen die Karlsbader Beschlüsse Schülerverbindungen ausdrücklich in ihr Verbot mit ein.

Trotz der strengen Maßnahmen gab es zu dieser Zeit im Untergrund Schülerverbindungen, denen Persönlichkeiten wie Richard Wagner, Otto Bismarck, Franz Schubert und viele weitere angehörten.

Bis 1918 waren dann Pennalien in Österreich und im Deutschen Reich ausdrücklich verboten. Verstöße wurden mit Karzer und im Wiederholungsfalle mit der Relegation von der Schule bestra­ft. Die Verbote und strengen Strafen zogen eine Auslese nach sich. Nur die standfestesten und wagemutigsten Idealisten riskierten, einer Korporation beizutreten. Der staatliche Druck zwang die Pennalien in die Illegalität. Viele der heutigen Traditionen, wie der Couleur- oder Biername, sind auf diese Zeit zurückzuführen. Die Preisgabe des Klarnamens war oft­mals viel zu gefährlich, denn beim Auffliegen wurden viele von der Schule relegiert.

Dennoch hat die Direktorenkonferenz 1880 bereits darauf hingewiesen, dass in den österreichischen Kronländern über 50 Pennalien entstanden seien. Diese Entwicklung war jedoch von den staatlichen Behörden nicht zu verhindern. 1906 wurde beim Burschentag in Reichenberg der Allgemeine Deutsche Convent (A.D.C.), der in Folge ca. 300 Mitglieder hatte, gegründet. Damit vereinten sich beinahe alle Schülerverbindungen zu einem Dachverband.

Im April 1919 zogen ca. 5000 Pennäler vor den Wiener Stadtschulrat und forderten vehement die Koalitionsfreiheit, da die Schulbehörden die verfassungsmäßige Freiheit verhinderten. Schließlich wurde die Verordnung zur Koalitionsfreiheit durch einen österreichischen, sozialistischen Staatssekretär für Unterricht unterzeichnet. Es folgten darauf Jahre der Freiheit und die Möglichkeit, studentisches Brauchtum in der Öffentlichkeit leben zu können.

Mit der Machergreifung von Engelbert Dollfuß in Österreich und den Nationalsozialisten im Deutschen Reich wurde dem ein jähes Ende gesetzt. Sowohl Ständestaat als auch „Drittes Reich“ hatten kein Interesse daran, das Pennalleben bestehen zu lassen, da man einerseits dadurch keine  Kontrolle über die Schüler hatte und anderseits es der Ideologie des Kollektivismus widersprach. Individualität, wie sie in den Korporationen gepflegt wird, passte nicht in die Gedankenwelt dieser Regime.

Der Neustart der waffenstudentischen Verbindungen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Österreich ebenfalls mit allen Mitteln erschwert, weil ihre nationale Gesinnung der neuen Staatsdoktrin nicht entsprach. Die zunehmende Übernahme des Schul- und Bildungswesens durch die ’68er-Generation führte jedoch zu keiner Verbesserung. Waren es seit dem Mittelalter bis Anfang der 1950er-Jahre eher konservative, klerikale Schulleitungen, denen die Pennalien ein Dorn im Auge waren, so sind es jetzt die „fortschrittlichen“ Kreise, die die Korporationen auf allen Ebenen bekämpfen wollen.

Die veröffentlichte Meinung setzt ebenfalls alles daran, das Verbindungswesen mit Halbwahrheiten und Unwissenheit zu diffamieren. Es sollen vor allem Eltern auf die „Gefährlichkeit“ der Schülerverbindungen hingewiesen und verunsichert werden.

Es stellt sich nunmehr in einer demokratischen Gesellschaft­ die Frage, warum die Schülerverbindungen von den jeweiligen Machthabern mit Misstrauen betrachtet und teilweise verfolgt werden. Egal, wer in einer Gesellschaft­ den Ton angibt – er will Kontrolle über das gesellschaftliche und soziale Leben von Schülern ausüben. Dies kann einerseits aus dem Willen heraus geschehen, den Menschen von jung an formen und bilden zu wollen, und andererseits, um revolutionäre, eigenständige Bestrebungen von vornherein im Keim zu ersticken.

Im Laufe der Jahrhunderte waren und sind Wesensmerkmale aller Korporationen die intern ausgeübte Basisdemokratie, die generationenübergreifende Freundschaft­, das Lebensbundprinzip und vor allem die daraus folgende Individualität ihrer Mitglieder. Junge Schüler werden von Beginn an dazu angehalten, sich selbst zu verwalten und die Gestaltung des Bundeslebens zu übernehmen. Jeder Jugendliche hat in dem Gestaltungsgremium „Convent“ das gleiche Rede- und Stimmrecht wie die älteren Mitglieder. Die Leitung obliegt einem vorher gewählten Aktiven. Früh erlernen die jungen Schüler, sich zu artikulieren und zu überzeugen, um die Mehrheit in diesem Gremium zu bekommen. Diese Basisdemokratie ist eines der Geheimnisse für den langfristigen Erfolg von Schülerverbindungen.

Nach einer kurzen Probe- und Lehrzeit unterziehen sich die jüngsten Mitglieder, die Fuxen, der Burschenprüfung. Bei den schlagenden Verbindungen kommt noch eine Pflichtmensur hinzu. Damit ist für den jungen Schüler eine Art Probezeit beendet, in der er selbst entscheidet, ob er auf Dauer Mitglied dieses Lebensbundes sein will.

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Viele Bräuche und Sitten der studentischen Verbindungen scheinen für Außenstehende antiquiert und geheimnisvoll zu sein. Die Traditionen und die studentische Tracht stammen in der heutigen Form aus dem 19. Jahrhundert und wurden großteils von den akademischen Korporationen übernommen. Auch die Pflege es studentischen Liedgutes, das zu einem Gutteil aus der Zeit der Romantik stammt,  wird hochgehalten.

Ebenfalls ein fester Bestandteil des Bundeslebens ist das Schlagen einer studentischen Kneipe – eine genau geregelte Zeremonie nach überlieferten Regeln. Hintergrund ist, Disziplin zu wahren, auch wenn man dem jugendlichen Bierdurst frönt. Entgegen einer landläufigen Meinung ist der Alkoholkonsum der jungen Bundesbrüder bei Weitem geringer, als man dies bei diversen Veranstaltungen und Partys beobachten kann. Drogen wird man bei den Pennälern vergeblich suchen. Ein fixer Programmpunkt ist dabei der Vortrag eines Bundesbruders zu einem aktuellen Thema. Auf diese spielerische Art und Weise erlernen junge Männer das Sprechen vor einer Versammlung. Das prägt und formt nachhaltig die Bundesbrüder und gibt ihnen ein Rüstzeug für ihr späteres Berufsleben.

Das bestätigt auch Ulrich. Die erste Rede auf einer Kneipe sei ein besonderer Moment für ihn gewesen. „Ich habe mich intensiv darauf vorbereitet – es war ein großartiges Gefühl, vor meinen Bundesbrüdern zu referieren“, erinnert er sich.

Ein wesentlicher Brauch ist auch das studentische echten, das schwer erklärbar ist und einer gewissen Selbsterfahrung bedarf, damit man es verstehen kann. Auf pennalem Boden fechten die meisten Verbindungen mit stumpfem Säbel. Alle gefährdeten Körperteile, wie Kopf, Ellbogen und Unterleib, werden entsprechend geschützt, sodass keine gefährlichen Wunden und Narben entstehen können. Es gibt auch noch regional unterschiedliche Fechtbräuche, in Wien fechten Mittelschulverbindungen mit Schlägern, ähnlich dem akademischen Fechten, jedoch mit Gesichtsschutz.

Wie hat dieser Burschenschaft­eralltag Ulrich geprägt? „Indem ich von Anfang an immer wieder kleinere Auft­räge zugeteilt bekam, lernte ich, mit Verantwortung umzugehen. Durch den Aktivenalltag wurde also mein Pflichtbewusstsein gestärkt.“

Gegenwärtig gibt es Schülerverbindungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Flandern. Die waffenstudentischen pennalen Korporationen in Deutschland sind großteils im APR (Allgemeiner Pennälerring) und in Österreich im ÖPR (Österreichischer Pennälerring) zusammengeschlossen. Nach wie vor pflegen all diese Verbindungen die Pflichtmensur und das Tragen von Band und Mütze.

Für den ÖPR-Vorsitzenden Udo Guggenbichler ist das eine Erfolgsgeschichte. „Die Pennalien geben den jungen Menschen viel positives Rüstzeug für die Zukunft­ mit. Junge Aktive bekommen früh  Verantwortung als Chargen übertragen. Das ist eine Art der Ausbildung, von der jeder Aktive sein Leben lang profitieren kann“, betont er. Viele Manager müssten sich mit teuren Kursen  eiterbilden, um das zu erlernen, was junge Pennäler während ihrer Aktivzeit verinnerlichen. Guggenbichler ist Alter Herr der technischen Verbindung Hollenburg zu Ferlach. Zu seiner Schulzeit habe es für Schüler in Ferlach nur ein Lokal oder eben die Bude der Hollenburg gegeben. „Bei der Hollenburg wars lustiger und wilder, das hat mir als 14-Jährigem zugesagt, und so wurde ich aktiv“, erinnert sich der heutige FPÖ-Landtagsabgeordnete. Das Leben in der Pennalie sei sehr wichtig für ihn gewesen, und  r profitiere heute noch davon. „Ich bin meinem Altherrenobmann und väterlichen Freund Gerhard Egger, aber auch meinen Konaktiven sehr dankbar für viele prägende Momente, korrektive Ratschläge und ausgelassene, schöne waffenstudentische Stunden“, so Guggenbichler.

Derzeit befindet sich das Couleurleben in einem langsamen, jedoch beständigen Wandel. Aufbauend auf den alten Traditionen des Waffenstudententums werden durchaus alte, nicht mehr zeitgemäße Traditionen hintangestellt und verlieren sukzessive ihre Bedeutung.

Andererseits beschäftigen sich junge Pennäler verstärkt mit den Herausforderungen der Gegenwart. Das heißt nicht, dass sich die Schülerverbindungen von ihren Grundwerten verabschiedeten. So, wie sich auch die Gesellschaft­ im Laufe der Zeit verändert, passt sich das Leben auf den studentischen Buden der Gegenwart an.

Der Aktivbetrieb gestaltet sich in erster Linie durch fröhliches Beisammensein, Schulungen in allen Richtungen von der Geschichte bis zu naturwissenscha­ftlichen Themen, gegenseitige Unterstützung beim Studium und dem Pauken, wie das Üben des studentischen Fechtens genannt wird. Es werden aber auch Ausflüge und studentische Reisen organisiert.

Man erlebt einiges im Laufe der Zeit und entwickelt mit den Herausforderungen seine Persönlichkeit. Als Burschenscha­fter versucht man natürlich, sich auch gesellschaftlich einzubringen. So nahm Ulrich während des „Corona-Lockdowns“ im Frühling 2020, als die Schulen in Österreich geschlossen hatten, am Hilfseinsatz der Arbeitsgemeinschaft­ Steirischer Burschenschaften teil. Für mehrere Tage ging es dort u.a. in die Südsteiermark, wo er mit anderen Burschenschaftern ehrenamtlich in einem Weingarten half. „Auch das war eine außergewöhnliche Erfahrung für mich.“

Die sogenannten schlagenden Verbindungen vertreten heute im Wesentlichen ein liberalkonservatives Weltbild, in dem die Freiheit, die Individualität, der Respekt vor Andersdenkenden, der Erhalt des Eigentumes, die Heimat und die Familie im Vordergrund stehen. Sie stehen damit im krassen Gegensatz zur Vereinheitlichung und Globalisierung der Gesellschaft­ und deren selbst ernannten pseudomoralischen Sittenwächtern.

Die Rolle der Politik wird bei den Bünden unterschiedlich gewichtet. Für Ulrich ist der politische Aspekt jedenfalls sehr bedeutend. „Ja, Politik spielt für mich eine große Rolle. Ich lese gern politische Bücher und Zeitschri­ften und nehme auch an einem Lesekreis teil.“

Gesellschaftlich relevante Institutionen, wie Regierungen, Schulbehörden und systemkonforme Medien, können und wollen oftmals mit diesen  nicht kontrollierbaren pennalen Verbindungen nur schwer umgehen. Aus diesem Grund werden sie nach wie vor mit allen gebotenen Mittel bekämpft und diffamiert.

Schüler und Studenten werden sich nie von oben  gängeln lassen, und deshalb haben Schülerverbindungen eine Zukunft. Junge Menschen werden stets aufsässig gegen Schulbehörden und Obrigkeit sein. Dabei ist es unerheblich, in welcher Form sich ein gewisses renitentes Verhalten artikuliert – sei es durch die Übernahme von zeitlich befristeten Modeerscheinungen in der „Jugendkultur“ oder durch die Bewahrung gewachsener studentischer Traditionen.

Beide Formen des Jugendprotestes sind ein notwendiges und nicht ausmerzbares zivilbürgerliches Phänomen, das seine Finger in offene Wunden der Gesellschaft­ legt. Sie sind damit nach wie vor ein schmerzhafter Stachel im Fleisch derer, die unsere Gesellschaft­ kontrollieren und beherrschen wollen.

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Im „Antiterrorkampf“ hat die ÖVP die Symbole der „Identitären“ verboten. Vielleicht, weil die Positionen dieser beiden politischen Bewegungen recht ähnlich sind.

Verteidigung der Identität? Verbot der „Identitären“? Linksextreme „Experten“ für rechte Strömungen versuchen permanent, die FPÖ mit den „Identitären“ in Verbindung zu bringen, und haben das vom Frühsommer 2019 bis jetzt erfolgreich kampagnisiert. Gleichzeitig findet Sebastian Kurz verbotswürdig, was von linker Seite entschlossen angegriffen wird: „Die Identitären kann man widerlich finden, egal wie alt man ist“, hat er altklug gemeint. Obendrein stilisiert er sich als exklusiver Verteidiger einer österreichischen Identität.

Mehr über das Verbot der Symbole der „Identitären Bewegung“ lesen Sie in unserer Studie „Das symbolische Verbot“.

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Nach dem Versagen im Kampf gegen den Terror – der letzte Anschlag in Wien hätte verhindert werden können – überkompensiert die Volkspartei nun: Zum Verbot des politischen Islam kann sie sich nicht durchringen. Zu einem Verbot der Symbole der „Identitären Bewegung“ (IB) aber schon. Eine sehr symbolische Forderung: Die IB wird gleichgesetzt mit der Hisbollah und ähnlichen „zivilgesellschaftlichen“ Bewegungen. Der Witz: Die „Identitären“ wurden in allen Verfahren gegen sie freigesprochen. Sie sind auch nicht verboten …

Wenn wir die oberflächliche Symbolebene verlassen, finden wir aber eine seltsame innere Ähnlichkeit zwischen Türkis und Gelb: Wir haben uns entschlossen, die politische Programmatik und Praxis der „neuen“ Volkspartei näher anzuschauen und mit den Inhalten der „Identitären“ zu vergleichen. Wir halten uns dabei an verschiedene Themenkomplexe wie Migration, Bevölkerungsaustausch, Islamisierung etc. und vergleichen beispielhaft Aussagen, die von namhaften Vertretern oder Organisationen in beiden Bereichen getätigt wurden und die wir zum einfacheren Vergleich nebeneinanderstellen.

Die Übereinstimmungen in der Programmatik könnten durchaus dazu führen, dass man hier eine Debatte führen müsste, ob man nicht über kurz oder lang die  Symbole der neuen Volkspartei ebenfalls verbieten müsste. Vielleicht, auch wenn sie ebenso ganz legal ist. Experten streiten aber noch, was jenseits von Kurz und der Farbe Türkis das Symbol der ÖVP sei. Wir tippen mal auf den Luftballon …

Wir haben die politische Programmatik und Praxis der „neuen“ Volkspartei näher angeschaut und mit den Inhalten der Identitären verglichen.

Das Ergebnis lesen Sie in unserer Studie „Die gelben Flecken der ÖVP“.

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Raus aus der Stadt, hinein in den deutschen Wald, eine Heimstatt fernab aller Verwerfungen – die Sehnsucht ist alt. Was für manche Sinnbild eines eskapistischen Defätismus ist, ist für andere der strategische Rückzug, um ein widerständiges Bollwerk in der Peripherie aufzubauen. Heute lesen Sie den zweiten Teil des Textes von Julian Schernthaner (Teil I finden Sie HIER).

Im Osten und im Süden Europas schaffen es gerade deutsche Aussiedler, von Laibach bis Hermannstadt über Jahrhunderte  wichtige Positionen zu bekleiden, obwohl sie die Menschen im Umland oft ebenso wenig verstanden wie tausende Jahre zuvor die Hethiter und Akkader. Die Städte waren ihr Bollwerk; Machtinstrument und -demonstration zugleich.

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Das Argument greift allerdings insofern zu kurz, als die Städte längst in den Händen des literarischen Landvogtes sind. In vielen großen Städten machen Zuwanderer und deren Nachkommen bereits ein Drittel oder die Hälfte der Wohnbevölkerung aus, Wien und Frankfurt/Main sind traurige Vorreiter.

Linke Parteien sehen in ihnen ein reiches Wählerreservoir und bedienen dieses durch Aufstellung migrantischer Kandidaten aus den „Communities“, die keine genuin linke Politik wollen, sondern aus Sicht ihres Ethnos ziemlich identitäre. Die Männer des linken Landvogtes wiederum sitzen in allen Ämtern, Redaktionsstuben und in der Zivilgesellschaft und lachen sich ins Fäustchen.

Ein Ankämpfen gegen den Zustand scheint ohne sicheres Lager zum Rückzug aussichtslos, wie ein Kampf gegen Windmühlen oder zumindest ein hartes Stück Sisyphosarbeit. Und auch hier hält die Geschichte eine passende Parabel bereit: Denn auch wenn das Byzantinische Reich so lange nicht ­el, wie es noch Konstantinopel befehligte, so gewannen die Osmanen ihren Kampf im Hinterland, und die Sache war mittelfristig verloren, als der Zugang zum Rohöl im Osten als Bestandteil der Wunderwaffe des „Griechischen Feuers“ verloren ging.

Die Konzentration auf die belagerte Stadt hat zwar symbolischen Wert, aber am Ende droht man, neben dieser auch das bislang „sichere Hinterland“ zu verlieren – denn die „Anywheres“ werden, weil sie es sich leisten können, dieses zunehmend besetzen. Weniger aus Sehnsucht denn aus Pragmatismus – und sie werden ihre großstädtische, linke kulturelle Hegemonie mitnehmen. Abstrakte Kunst und Multikulti-Feste verdrängen den Landjugendball, und Villen der Globalisierungsgewinnler die ländliche Struktur.

Der erschwingliche Baugrund schwindet dann und treibt die dortigen „Somewheres“ erst recht in die Plattenbauten der Städte, wo sie Gefahr laufen, in den werdenden Ghettos ausgetauschter Flächenbezirke keine neue widerständige Ortsidentität zu bilden, sondern im einen Fall selbst zu „Anywheres“ zu werden – und im anderen Fall zum neuen Prekariat, das zwischen wirtschaftlichem Lohnsklaventum und weltanschaulicher innerer Emigration in seiner entwurzelten Form eher zu ständiger Duckmäuserei als zum Widerstand mit der Mistgabel taugt.

Selbst wenn dortige Verwerfungen sie mobilisieren, stehen sie einer sich immer weiter multiplizierenden Population Integrationsunwilliger gegenüber, die gleichsam als pseudoheilige Ersatz- Entrechtete weiter das Humankapital der zu diesem Zeitpunkt tatsächlich zum Landvogt gewordenen linken Schickeria bilden. Aus diesem Grund: Unterfucking darf nicht Eichgraben werden und Namlos nicht Sistrans.

Rund um Marmorklippen

Es bleibt also der strategische Rückzug ins Hinterland, der bei weiterer Bedienung der Jünger’schen Metaphern in seinen „Marmorklippen“ doppelt vorhanden ist. Zum einen ist es die Klause selbst, die neben der nötigen Abkehr auch ein Ort der Erkenntnis ist, dessen Exposition einen Ausblick erlaubt, wie man ihn sonst nur noch von Hlidskialf, dem Thron des nordischen Gottes Odin kennt. Sie symbolisiert im Ablauf gewissermaßen sowohl den bestehenden als auch den verlorenen sicheren Hafen.

Sie fi­ndet sich aber erneut im Weggang nach Alta Plana, als die geliebte Klause schon in Brand steht – und in der neuen Heimat der Grundstein für Neues geschaffen wird. Das bekannte Leben in der Marina ist Sinnbild sowohl für die Stadt als auch für das Hinterland und verleiht somit beiden als strategischen Flecken des Kampfes der Ideen eine  Legitimation.

Der Verfechter der Stadt als Bollwerk wird die Marina als selbige deuten und ihre Verteidigung als Notwendigkeit in der Schaffung von Neuem sehen, zumal sich die Vorfälle sonst andernorts ergeben hätten. Er ist sich gewiss, den Oberförster nur in der Stadt stellen zu können.

Und der Verfechter des Hinterlandes wird darauf verweisen, dass die mutigste Verteidigung notwendig in der Zerstörung gipfeln musste und es ein sicheres Hinterland für die Flüchtigen nur deshalb gibt, weil es bereits Jahre zuvor ein widerständiges Bollwerk war, dem ein noch so verheerender Feldzug, in dem die Protagonisten noch für die andere Sache stritten, nichts anhaben konnte.

Streit in Stahlge(z)wittern

Das Paradox ist freilich, dass der Wald hier bedrohlich auftritt – und der eigentliche Wald das Weideland ist. Es ist die Klause, während noch vermessen wird, und das Hinterland, wenn in der Marina schon die Fahne des Oberförsters weht. Heute bedroht der Wald Marina und Weideland zugleich.

Beide Analogien auf die Stadt-Land-Frage vereint aber eines: die Notwendigkeit, selbst im drohenden Untergang seine Werte nicht zu verlieren. Es darf somit im strategischen Rückzug keine naive Hoffnung stecken, dass jede Sorge verschwinde, denn dieser verbrennt im Haus.

Auch sollte der Weggang nicht die Deutung besitzen, dass tatsächliche Emigration eine Lösung sei: Sie bleibt auch in dieser Analogie eine Ultima Ratio – und ist zudem keine Wanderung in völliges Neuland, sondern in die Gefilde eines sorgsam gehegten Verbündeten am wahrhaftigen Lande. Bestenfalls also ein Gang von West- nach Ostdeutschland – oder, wie im Falle meiner Wenigkeit, von Tirol ins Innviertel.

Die sinnvollste Deutung ist also wohl eine Zwitterfunktion, welche die Bewahrung de  Notwendigkeit der Verteidigung sowohl des zunehmend unsicheren städtischen Raumes als auch des Hinterlandes anerkennt. Jedenfalls: Im Kulturkampf lernt man gründlich, aber das Lehrgeld ist teuer.

Ein Rittergut als Leitbild

Entscheidet man sich für dieses Hinterland, so hat man einige Grundentwürfe. Der inhärente Defätismus im Stil einer Wiederbelebung nur zum Selbstzweck dienender Siedlergemeinschaften nach dem Prinzip des späten 19. und frühen 20.Jahrhunderts ist ein Irrweg. Dafür gibt es taugliche Entwürfe für das „strategische Hinterland“– das durchaus auch in Form eines widerständigen Dorfes auftreten kann.

Eine gewisse Größe in diesem Raum stellt seit 19 Jahren etwa das rechtsintellektuelle Ehepaar Kubitschek dar. Als sie mit ihren Kindern auf das Rittergut Schnellroda zogen und die urbane Hektik gegen die strukturschwache Prärie tauschten, liefen sie nicht davon, sondern schufen einen Ort der Erkenntnis.

Aus jener Trutzburg heraus betreiben sie den Verlag Antaios, der im gebildeten rechten Spektrum samt der aus demselben Hause stammenden Zeitschrift „Sezession“ den Goldstandard bildet. Zu den Sommer- und Winterakademien füllen sich die Räume des Rittergutes im konservativen „Osten“ mit jungen Menschen, die sich auch für Theoriearbeit begeistern. Gerade im Bereich der „Neuen Rechten“ gehört es zum guten Ton, irgendwann einmal in Schnellroda gewesen zu sein.

Es ist ein Mythos, der erst durch seine Gesamtheit komplett wird – und als Entität auch für abwartend gesonnene Zeitgenossen besteht und somit nötige Anerkennung fordert. Ein etablierter Journalist schrieb einst in einer Mischung aus Faszination und Horror, es sei ein „großes freundliches Einfamilienhaus, ein wilder wuchernder Garten“.

Und dort sei man subsistent: „Sie machen alles selbst, schlachten Enten, backen Brot, züchten Rote Bete. Kubitschek und Kositza haben sieben Kinder, das gehört ganz fest zur Beschreibungsformel dazu.“

Der Autor des Artikels versucht zwar entgegen eigener Behauptungen, das Ganze zur „deutschen Gruselgeschichte“ zu machen, aber der Versuch misslingt. Am Ende verfängt die „Pachtung des Anscheins der radikalen Ehrlichkeit, des Aussprechens ungemütlicher Wahrheiten, gepaart mit dem militärischen Ethos der Disziplin und einer eigentümlich ins Organische gewendeten Sprache, die klingt, als sei sie von schicksalshaften Gegenständlichkeiten diktiert“.

Statt der Gruselgeschichte schildert er also den widerständigen Ort der patriotischen Sehnsucht. Nicht jeder wird ein Rittergut besiedeln, und es muss auch nicht jeder die Selbstversorgung mit Wissen und alltäglichen Gütern liefern. Aber: Für jene, die sich in dieser Realität wohlfühlen, ist es ein logischer Ort, von dem eine ganze Denkschule pro­fitieren kann. Der Nächste besitzt andere Qualitäten und liefert die Früchte geschickten Handwerkes.

Fest steht: Wer im Streit um Deutungshoheit nicht nur die Wende, sondern die Kehre schaffen will, darf sicheres Hinterland nicht durch Vernachlässigung der Unsicherheit preisgeben.

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Ob Europa in Rüstung investiert, interessiert den Onkel aus Peking nicht. Ob Europa gegenüber Russland robust au­ftritt, interessiert ihn nicht. Ob Europa gegenüber Islam und Afrika robust au­ftritt, interessiert ihn nicht. Heute lesen Sie den zweiten Teil des Kommentars von Gerd Bachmann (Teil I finden Sie HIER).

Der Onkel aus Peking ist stets jovial. Stets zurückhaltend. Stets lächelnd. Stets sitzt seine Brie­asche locker, wenn das eine oder andere Dutzend Airbus-Flieger geordert werden muss, um Verhandlungen weiterzutreiben.

Was für ein Gegensatz zum peinlichen, unangenehmen, ungeliebten Onkel Donald aus Amerika. Immer fragt er nach dem Zeugnis. Immer will er wissen, was, wo, wie weitergegangen ist. Immer nervt er mit mehr Eigenverantwortung. Immer nervt er mit mehr Eigenleistung. Und niemals sitzt die Brie­ftasche locker. Im Gegenteil.

Dieser Artikel ist in FREILICH 7 erschienen. Alle Ausgaben finden Sie HIER.

Was für ein Gegensatz. China strebt nach der „Belt and Road Initiative“. Sechs große Wirtschaft­skorridore zwischen China, Restasien, Afrika und Europa sollen entstehen. Häfen, Straßen, Schnellzugstrecken, Brücken, Kra­ftwerke, Staudämme etc. Es soll sich nicht nur um einen beschleunigten Handel zwischen den Wohlstandszonen Chinas und Westeuropas handeln, sondern um eine Ausweitung der Wohlstandskorridore entlang der Strecken. Konnektivität zu Lande, zu Wasser, in der Lu­ sowie im Cyberspace.

Freihandel und Währungskonvertibilität sollen vorherrschen. Die 60 Anrainerstaaten der Neuen Seidenstraße umfassen 60 Prozent der Weltbevölkerung, 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung sowie 4,5 Milliarden Einwohner.

Der Verfasser dieser Zeilen fühlt sich an das Ende des 20. Jahrhunderts erinnert. Freihandel und Einheitswährung sollen vorherrschen. Es geht nicht nur um erleichterte Handelswege, sondern auch um Wohlstandskorridore bzw. um die Schaffung einer Wohlstandszone. Von Portugal bis Polen, von Schweden bis Zypern etc.

Das Ergebnis spricht Bände. Nun sollen die Wohlstandszonen miteinander verbunden und angeglichen werden. Bis es zu einer fusionierten Wohlstandssphäre kommt.

Der Begründer der Wissenschaft­ der Geopolitik, Halford Mackinder, prägte den Begriff des „Great Game“. Wer Eurasien beherrscht, der beherrscht die Welt. Brzezinski, Sicherheitsberater von Jimmy Carter, formulierte es dem 20. Jahrhundert angemessen: Wer Eurasien kontrolliert, der kontrolliert zwei von drei Hauptregionen er Weltwirtschaft. Sprich: Ostasien und Europa. Amerika verbleibt als Dritter.

Somit treffen zwei Konzepte aufeinander, Herzlandbeherrschung auf Gegenküstenstrategie. Das Herzland darf niemals durch eine Macht dominiert werden, welche dem Herzland selbst entspringt. Amerika darf niemals zulassen, dass die Gegenküsten in Form von Europa und Ostasien unter die Herrscha­ft einer konkurrierenden Macht geraten.

Der Teufel steckt im Detail. China verfügt über eine ungeheure Überkapazität im Bereich der Bauwirtschaft. Bereits zu Beginn des Jahrhunderts beklagten sich afrikanische Staaten darüber, dass sämtliche Projekte nicht nur mithilfe von chinesischem  Geld und chinesischem Know-how vorangetrieben werden, sondern auch mit chinesischen Arbeitskräften sowie chinesischen Baustoffen wie Zement. Kein einziger Einwohner erhielt die Chance auf Fortbildung und Einbindung. Kein einziges regionales Unternehmen profitierte davon. Es wurden lediglich Rohstoffe oder  Landwirtschaftsflächen ausgebeutet.

Im Unterschied zur Herrschaft­ des weißen Mannes ist die Herrschaft­ des gelben Mannes eine reine Einbahnstraße. Der Propaganda ist die Differenz geschuldet.

Ähnliche Verhältnisse entwickeln sich entlang der Neuen Seidenstraße von China über Zentralasien bis Europa. Kredite für Projekte gibt es dreierlei: Schenkung, Kredit ohne Zinsen, Kredit mit geringen Zinsen.  

Die klassische Taktik der Drogenhändler. Die Rache für die Opiumkriege. Wer nicht zahlen kann, bekommt Stundung. Aber er muss für China stimmen. Sei es bei Taiwan, sei es im  südchinesischen Meer, sei es in Hongkong, sei es wegen der Uiguren.

Sei es Kasachstan, sei es die Bundeskanzlerin …

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Der Schriftsteller Thor Kunkel arbeitet als Exilschreiber. Mit FREILICH-Chefredakteur Ulrich Novak spricht er über „rich kids“, praktisches Berufsverbot und AfD. Heute lesen Sie den zweiten Teil unseres Interviews (Teil I finden Sie HIER).

Sie setzen Ihrer Biografie das Zitat von Thomas Mann voran: „Ich bin ein Mensch des Gleichgewichts. Ich lehne mich instinktiv nach links, wenn der Kahn rechts zu kentern droht – und umgekehrt.“ War Ihr AfD-Engagement der Versuch, die politisch linke Schieflage in Deutschland zu korrigieren?

Mit Sicherheit. Die Anfrage der AfD bot mir die Möglichkeit, meinen persönlichen Beitrag zu leisten, um diese Schieflage zu korrigieren; es fehlte so lange in Deutschland an einer echten Opposition.

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Etwas anderes war aber fast noch wichtiger, denn ich bin zwar ein politischer Mensch, aber kein politischer Schrift­steller, schon gar keiner, den es reizen könnte, Plakate zu texten. Ich hatte den Eindruck, dass ich meinem Land – diesem geknechteten, von seiner Obrigkeit verratenen und zu Tode gekränkten Land – etwas zurückgeben konnte.

Immerhin habe ich Deutschland viel zu verdanken – Sprache, kulturelle Prägung und Wesensart. Ich habe mich nie als „Großmeister des Trash“ („Der Standard“) begriffen, sondern als moderner deutscher Klassiker im besten wie im schlechtesten Sinne, auch weil ich von Anfang an einen gesamtkünstlerischen Anspruch verfolgte.

Wie bei Goethe, dessen „Faust“ mich bis heute begeistert, basiert mein Schreiben im Kern auf naturphilosophischen Betrachtungen. Die Natur zu betrachten, ist eigentlich der bessere Religionsunterricht. Doch ich will nicht abschweifen: Mit dem zweistelligen Ergebnis von 2017 wurde eine gute Basis geschaffen, Deutschland wieder auf die Beine zu helfen.

Leider fehlt es aus meiner Sicht noch immer an geeignetem Personal. Wahrscheinlich wird es noch zwei, drei „Häutungen“ brauchen, bis die Partei funktionsfähig ist. Doch schon jetzt darf man sagen, ohne die vielen „kleinen Anfragen“ wäre Merkels unseriöse Art zu regieren der breiten Öffentlichkeit bis heute verheimlicht geblieben. Ich erinnere nur an die Unterzeichnung des Migrationspaktes 2018, dessen Konsequenz erst durch die AfD thematisiert worden ist.

Ich wollte nicht, aber doch: Die sogenannte Corona-Krise. Was hat sich in ihr für Sie gezeigt? Sind wir ein demokratiefernes, Freiheit ablehnendes Volk? Fußen die Staatsgebilde im deutschsprachigen Raum auf einem unerträglichen Untertanengeist willfähriger Denunzianten und Erfüllungsgehilfen?

Der Verlauf der Quarantäne lässt tatsächlich tief blicken – die Weltkanzlerin scheint plötzlich auch eine wissenschaft­liche Koryphäe zu sein. In Talkrunden beziehen sich seriöse Wissenschaft­ler auf „das, was Frau Merkel gesagt hat“. Wir wissen von Kim Jong- Un, dass er ein Universalgenie ist, aber Angela Merkel? Es hat wahrscheinlich wirklich mit diesem vorauseilenden Gehorsam der guten Deutschen zu tun, dass es wieder von  Erfüllungsgehilfen wimmelt, während man die Kritiker als „rechtsextreme Mischpoke“ öffentlich diffamiert. Ich glaube, vor allem zwanghaft­e Persönlichkeiten dürft­en in den Maßregeln die Chance sehen, ihren Mitmenschen eine humanistisch verbrämte Gewalt anzutun.

Sie haben als Werber für die Großen in der Branche gearbeitet: Young & Rubicam, GGK London, Team BBDO, Scholz & Friends, Wunderman Cato Johnson und McCann-Erickson Amsterdam. Sie haben viele Preise gewonnen und wurden in den deutschen Feuilletons mit Ihren Büchern „hochgejazzt“. Wie geht’s weiter? Höhenluft nur noch in den Bergen?

Vor allem auch Höhensonne! Soweit ich das sehe, vollende ich gerade  eine wichtigsten Erzählungen und ein erstes, umfangreiches philosophisches Werk namens „Die Abklärungen“, das sich mit der Kunst des fragmentierten Schreibens (als Resultat unseres im Grunde fragmentierten Lebens) beschäft­igt.

Auf künstlerischer Ebene hat sich eine Freundschaft­ mit dem Regisseur und Musikproduzenten Specter Berlin als höchst produktiv erwiesen. Wir arbeiten gemeinsam an neuen Filmen und einer Graphic Novel. Ein anderer Freund und künstlerischer Mitstreiter ist der bekannte Schweizer Schrift­steller Oskar Freysinger, den ich letztes Jahr kennenlernte und wo es sofort „Klick“ gemacht hat.

Mein nächster Roman, „Superfinster“, der seit dem Skandal um die „Subs“-Verfilmung in der Schublade lag, dür­fte diesen Herbst im Schweizer Brinkhaus- Verlag erscheinen, der auch Freysingers Gedichte und Romane publiziert.

Nochmal zurück zu 2009. In einem Vorgespräch sagten Sie, dass Sie damals in Berlin nach Ihrem „Outing“ in ein Loch fielen. Sie waren quasi allein, dann der Abgang in die Schweiz. Was macht das mit einem, wenn man als Paria, als „Rechter“ wahrgenommen wird?

Es wird zur Belastung. Am Anfang begegnete ich den Animositäten noch mit betonter Normalität. Ich stellte mich ohne Murren den üblichen „Gesinnungschecks“, beteuerte, dass alles nur ein Missverständnis war. Doch irgendwann kommt selbst ein Weltmeister der Verdrängung nicht um die Einsicht herum, dass er inoffizielles Berufsverbot hat.

Nichts geht mehr,  nirgends. Und je länger dieser Zustand anhält, umso mehr begrei­ft man, dass die Deutschen offenbar ihre neuen Juden gefunden haben, eine „Menschengruppe“ also, die sie verfolgen und ungestraft­ in ihren Bürgerrechten beschneiden. Der heute alles durchdringende Sozialneid dür­fte hier die maßgebliche Triebfeder sein.

Die Ausgrenzung Andersdenkender, Andersseiender hat ja in Deutschland unrühmliche Tradition, wie wir häufig genug in der Schule lernen. Wenn man Ihre Geschichte hört oder auch den Umgang mit der AfD in den Medien, im Parlamentsbetrieb usw. verfolgt, bekommt man das Gefühl, wir hätten aus der Geschichte nichts gelernt. Ist das korrekt?

Leider. Vor allem jene Jüngeren, die heute Antifa spielen, haben offenbar nicht das Geringste kapiert.

Ich weiß, Sie sind kein gemeinhin sogenannter politischer Mensch, aber wie erklären Sie sich eigentlich die Umfragewerte der bundesdeutschen Kanzlerin? Die sind seit Januar von 28 auf sagenhafte 40 % gestiegen …

Bei dem massiven Rückenwind durch die Mainstreammedien ist das doch kein Wunder. Merkel durfte sich – über mehrere Monate hinweg – als pragmatische und überparteiliche „Staatsmanagerin“ präsentieren. Diese Performance dürft­e noch 2021 nachhallen, und  es bleibt zu befürchten, dass unsere Weltkanzlerin frei nach dem Motto „Sie kennen mich“ noch einmal antreten wird.

Jetzt sind Sie glücklich in der Schweiz, haben einen totalen Neustart hingelegt, neue Freunde, neue Projekte, ist man in der Schweiz entspannter im Umgang mit solchen Leuten wie Ihnen? Und wenn ja, woran liegt’s?

Vielleicht daran, dass sich die unterschiedlichen politischen Lager in der Schweiz nicht so spinnefeind sind wie in Deutschland. Man geht offener miteinander um. Spricht miteinander. Was meine Arbeit anbelangt, wurde ich nur einmal in zehn Jahren durch eine gewisse Annemarie Mühlemann von „Kulturhotels“ aufgrund von zwei Facebook-Beiträgen beim SRF denunziert. Damit lässt sich leben.

Ich muss nochmal auf Ihr Sachbuch „Das Wörterbuch der Lügenpresse“ zurückkommen. Haben Sie selbst als Werber nicht auch mit Lügen gearbeitet? Werden nicht konstruierte Sujets im Marketing verwendet, die die Leute mit einer unerreichbaren heilen Welt konfrontieren, falsche Bedürfnisse wecken und unglücklich machen?

Werbung ist Täuscherhandwerk, das würde ich nie bestreiten. Es erklärt vielleicht, warum ich auf die dauernde falsche Berichtserstattung überhaupt aufmerksam wurde. Zwischen den Beschönigungen, die sich die reguläre Produktwerbung erlaubt, und dem Vorgaukeln  falscher Tatsachen, wie es zum Geschäft­ der Lügenpresse gehört, gibt es aber einen klitzekleinen Unterschied: Das erste ist Taschendiebstahl, das zweite Völkermord auf Raten.

Dabei dürft­e die ungeheure Tragweite ihres Schwindels den meisten Journalisten, die die Kreolisierung Europas schönreden, nicht bewusst sein. Das Umdenken in der Lebensmitte bekommt kaum jemand hin, vor allem dann nicht, wenn er vom System profitiert.

Ein bekannter Werbefilmer hat mir gegenüber geäußert, und das kann man gut selbst recherchieren, dass Werbung immer bunter, farbiger von der Zusammensetzung der Protagonisten im Bild her wird. Will ganz banal sagen, bilden z. B. heutige Konsumgüterkataloge typische österreichische und deutsche Bevölkerungsschichten ab? Und wenn nicht, was könnte der Hintergrund für diesen kreativen Ansatz sein?

Es ist die Furcht der Konzerne, einen Megatrend zu verpassen, denn der gesamtgesellschaft­liche Umbau Europas zu einem multiethnischen Multikulti-Staat bedeutet enormen Reibach, die sogenannten Quality Profits.

Viele Einwanderer – vor allem Muslime – kaufen gezielt ethnisch. Und da sich inzwischen Millionen hier angesiedelt haben, wittern die Marketingabteilungen der Blue Chips Brands das große Geschä­ft. Ich darf Sie erinnern, wie willfährig Lidl und Nestlé 2017 christliche Symbole von ihren Verpackungen entfernten.

Hier gingen Marktuntersuchungen voraus. Die nordafrikanischen Einwanderer waren die ideale Zielgruppe für die griechischen Eridanous-Produkte, also wurde die Abbildung der berühmten Anastasis-Kirche in Santorini retuschiert. Trotz eines heft­igen Shitstorms zahlte sich die Aktion für Lidl nachweislich aus. Der globale Kapitalismus kennt eben keinerlei Spiritualität. Wenn er Kultur und Religion anerkennt, dann  nur, wenn er daran verdient.

Was meinen Sie als Schriftsteller zu den aktuellen Vorgängen rund um den Kollegen und Lyriker Jörg Bernig? Die DDR-Jazzlegende und der ehemalige „Geheime Informator“ für das Ministerium für Staatssicherheit Günter „Baby“ Sommer hat Bernig erfolgreich als einen „Neurechten“ denunziert. Kommt Ihnen sicher bekannt vor … 

Die Angriffe auf Jörg Bernig, einen der besten Lyriker der jüngeren deutschen Gegenwartsliteratur, sind wirklich das letzte. Und dass sich ausgerechnet ein scheintoter musikalisch Impotenter wie Günter Sommer zum Wortführer dieser Menschenjagd macht, um von der linksliberalen Aufmerksamkeitsökonomie zu profitieren, ist ebenso traurig wie peinlich.

Besonders erschreckend fand ich den Vorwurf, Bernig wolle zu einer identitätssti­ftenden Kultur beitragen. Im Umkehrschluss wäre also eine identitätszersetzende Kultur der richtige Weg. Dass jeder echte Kulturschaffende – angefangen vom Dramatiker des deutschen Barock bis hin zum afroamerikanischen Rapper – aus dem „Eigenen“ schöpft­, dass das „Eigene“ die Wurzel bleibt, aus der die besten Werke erblühen, dürft­e einen ehemaligen Stasi-Informanten wie Sommer aber nicht irritieren: In seiner Welt war Lagerzugehörigkeit schon immer wichtiger als Kunst.

Heinrich Heine schrieb im Pariser Exil seine „Nachtgedanken“ und sein „Wintermärchen“. Was werden wir von Ihnen aus dem Exil erwarten dürfen? Wird es neben den vorhin erwähnten literarischen Projekten auch Einmischungen es PR-Beraters Kunkel in die deutsche Politikszene geben?

Ich werde mich in diesen spannenden Zeiten weiterhin einmischen, selbst wenn ich mich in den nächsten Monaten in meine kleine Literaturwerkstatt zurückziehen muss, um zwei Hauptwerke – jeweils so um die 500 Seiten – zu beenden. Das Leben ist im Unterschied  zur Kunst tatsächlich eine endliche Angelegenheit, da muss ich eben auch anfangen, Prioritäten zu setzen.

Zu guter Letzt und neben Ihren Werken: Geben Sie unseren Lesern freundlicherweise drei Lektüreempfehlungen – die müssen nicht aus unserer Zeit sein.

Donald Barthelme: „Unsägliche Praktiken, unnatürliche Akte“, 1969. Ludwig Hohl: „Die Notizen“, 1981. Oskar Freysinger: „Nachtwehen“, 2020. (Neuerscheinung: Nach einer wahren Begebenheit aus den 1930er-Jahren erzählt Freysinger die bisher unbekannte Geschichte eines „Grenzgängers zwischen den Geschlechtern“, der sich in der Bergabgeschiedenheit in eine Frau verwandelte. Belegt mit Originalfotos on anno dazumal.)

Lieber Herr Kunkel, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Dieser Artikel ist in FREILICH 9 erschienen. Alle Ausgaben finden Sie HIER.



Neues Jahr, neue Inhalte. FREILICH startet die Buchreihe POLITIKON. In Band 2 schreibt Irfan Peci über den Ruf der Islamisten. Wer ihn verbreitet, wer ihm folgt und wie man ihn zum Schweigen bringt.

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Wie enorm wichtig der „Kampf gegen Rechts“ für die Grünen ist, zeigt das aktuelle Regierungsprogramm. Hier findet sich zwölfmal das Wort „Rechtsextremismus“, während der Linksextremismus kein einziges Mal erwähnt wird.

Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass Grüne nicht um den Rechtsstaat und die Demokratie besorgt sind und auch politischen oder religiösen Extremismus nicht grundsätzlich ablehnen, ihn nicht als Bedrohung sehen oder als problematisch empfinden, sondern dezidiert und mehr oder weniger exklusiv gegen alle nichtlinken politischen Strömungen Politik machen. „Dass nur Nazis Diktaturen errichten können, mag ja der neuste Clou der deutschen Erinnerungskultur sein, dreist und falsch bleibt es trotzdem.“

Mehr über Positionen und Inhalte der Grünen lesen Sie in der FREILICH Studie „Die Grünen – Konturen einer linksextremen Gruppe“.

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• Ein Aktionsplan gegen Rechtsextremismus und gegen den religiös motivierten politischen Extremismus (politischer Islam) wird ausgearbeitet

• Ausweitung von Schulworkshops (insbesondere Berufsschulen) zur Rechtsextremismusprävention, Vergangenheitspolitik und gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit

• Beratung und Aufklärung (Etablierung und Evaluierung, Digitalisierung, Neue Medien, Neue Rechte, Rechtsextremismus,  Antisemitismus & Islamismus)

• Mobile Kompetenzstelle gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt

• Informations- und Aufklärungskampagne gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

• Schaffung einer offenen Internetplattform zur Information über Rechtsextremismus (Schulungsunterlagen, Workshop-Konzepte für Jugendvereine, Jugendzentren und Schulen)

• Verankerung einer Forschungsstelle Rechtsextremismus und Antisemitismus (im DÖW) mit Zuständigkeit für jährlichen Rechtsextremismusbericht (Zugang zum notwendigen Datenmaterial aus Innen- und Justizministerium), Maßnahmen gegen Extremismus und Terrorismus

• Vollständige statistische Erfassung der Delikte aus VerbG, SymbG, AbzG, EGVG, § 283 StGB etc.

• Verfassungsschutzbericht: Wiederaufnahme der Beobachtung und Einschätzung rechtsextremer Burschenschaften

• Einberufung eines jährlichen Koordinationsausschusses zwischen Regierung, Parlament, Ländern und der Zivilgesellschaft über Maßnahmen zur Bekämpfung des Rechtsextremismus

• Fokus Rechtsextremismusprävention

• Maßnahmen setzen, um Vereine, die staatsfeindliches Gedankengut (so wie die Identitären) verbreiten, wirksam zu bekämpfen

Weil der Kampf gegen rechts für den Erfolg und Machterhalt bzw. -ausbau der Grünen eminent wichtig ist, haben sie gemeinsam mit anderen Linken im Laufe der Jahre die Grenzen zwischen rechts und rechtsextrem zunehmend verwischt. Mittlerweile werden die Begriffe Nazis, Rechte, Rechtsextreme, Faschisten und Konservative von den meisten Grünen mehr oder weniger synonym gebraucht. Immer öfter schreiben linke Mainstreammedien von der „rechtsextremen“ FPÖ.

Der Alt-Grüne Karl Öllinger kämpft mit seiner Website „Stoppt die Rechten“ dezidiert gegen Rechte, nicht  gegen Rechtsextreme, so, als ob rechte politische Einstellungen etwas Minderwertiges, Undemokratisches oder Verbotenes wären.

Mit solchen Methoden, mit diesem Framing haben die Grünen gemeinsam mit den ihnen nahestehenden Kräften die öffentliche Wahrnehmung dahingehend manipuliert, dass die Linke generell als etwas Positives – sozial, gerecht, menschlich, fortschrittlich etc. – gesehen wird, während die Rechte ausschließlich negativ konnotiert ist – menschenverachtend, ausgrenzend, hasserfüllt, rückwärtsgewandt etc.

Weshalb es kaum noch Bürger, Parteien, Medien, Kulturschaffende, Institution etc. gibt, die sich angesichts des gewaltigen medialen und politischen Druckes selbst als politisch rechts bezeichnen bzw. einordnen würden. Schließlich ist der Vorwurf, ein Rechter bzw. ein Nazi zu sein, in einer politisch korrekten Gesellschaft der schlimmste Vorwurf, den man einem Menschen machen kann, die Höchststrafe. Selbst Pädophile oder islamistische Terroristen dürfen mit mehr Verständnis rechnen, was sich auch in den Urteilen einer tendenziell linken Justiz niederschlägt.

Die Grünen haben mit der Ausweitung der Kampfzone den öffentlichen Diskurs erfolgreich eingeengt. Sie bestimmen als Hüter von Moral und politischer Korrektheit, was noch erlaubt und was verboten ist, was noch als Meinung akzeptiert wird und was unter Hetze oder Hass fällt.

Je mehr sich die Grünen als politische und gesellschaftliche Kraft etablieren, je mehr Bereiche des Staates und der Gesellschaft sie besetzen und unter ihre  Kontrolle bringen, desto weiter fassen sie den Begriff „rechts“.

Das politische Koordinatensystem wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten so weit nach links verschoben, dass Haltungen, Einstellungen und Meinungen, die früher als bürgerlich galten, von den politisch korrekten Meinungshütern nun als rechtsextrem eingestuft werden. Was einst die politische Mitte war, befindet sich nun am äußeren rechten Rand.

Die Grünen gelten aufgrund der verschobenen öffentlichen Wahrnehmung nun als Bürgerliche, obwohl sie ihre inhaltlichen Positionen, ihre politischen Ziele und sozialistischen Gesellschaftsutopien nie abgelegt haben und mit ihren tiefroten Rülpsern stets aufs Neue beweisen, wo sie politisch stehen. Vor allem Alexander Van der Bellen in Österreich und Robert Habeck in Deutschland gelten als Inbegriff der neuen Bürgerlichkeit.

Das hat auch zur Folge, dass inhaltliche Positionen und Einstellungen, die früher als linksextrem verdammt wurden, ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft gefunden haben. Selbst, dass die Grünen immer öfter das Grundrecht auf Privateigentum infrage stellen, also das Fundament eines demokratischen Rechtsstaates untergraben, gilt vielen Menschen mittlerweile als ein legitimes politisches Mittel, als akzeptable Haltung.

Die Grünen haben das „Overton window“, das Wahrnehmungsfenster, mit ihrer Politik und Kommunikationsstrategie über die Jahre weit nach links verschoben. Nach dem Overton-Modell existiert ein Fenster der Wahrnehmung für gesellschaftliche Themen, das für die große  Bevölkerungsmehrheit definiert, was als akzeptabel, umkämpft und außenseiterisch gilt. Overton entwarf diese Skala: Policy, Popular, Sensible, Acceptable, Radical, Unthinkable. Der politische und mediale Dauerkampf gegen rechts, die kontinuierliche Ausweitung der politischen Kategorie „rechts“ und der von Linken befeuerte Alarmismus haben dieses Wahrnehmungsfenster derart weit verrückt, dass einst bürgerliche Ansichten nun als „unthinkable“ gelten, während linksextreme Einstellungen nicht mehr als „radical“, sondern als „acceptable“ gelten.

So akzeptieren auch immer mehr Menschen, dass unter dem Vorwand, die Gesellschaft und den Staat vor den Rechten schützen zu müssen, immer mehr demokratische Grundrechte, wie etwa die Meinungsfreiheit, eingeschränkt werden.

Auch deshalb, weil die linken Mainstreammedien diese schrittweise Demontage unserer Demokratie und unserer Grundrechte nicht nur nicht kritisieren, sondern goutieren und propagandistisch unterstützen. Man ist schließlich Teil und Profiteur dieses Netzwerkes der Macht.

Mit der oft zitierten Faschismuskeule können Linke für sie unangenehme und gefährliche Debatten im Keim ersticken, mit diesem Totschlagargument politische Gegner mundtot machen und dank neuer Gesetze immer ö‑er auch kriminalisieren bzw. mit der Androhung von Strafen massiv einschüchtern.

Der politische und soziale Druck auf die Bevölkerung ist mittlerweile so groß, dass viele Angst davor haben, ihre Meinung offen auszusprechen. Das bestätigt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach: „Fast zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) stimmten zu, dass man heute sehr aufpassen müsse, zu welchen Themen man sich wie äußert. […] 58 Prozent meine, zumindest bei einigen Themen sei Vorsicht geboten. Nur 18 Prozent gaben an, in der Öffentlichkeit bei allen Themen frei seine Meinung äußern zu können.“

Der Kampf gegen rechts ist zudem das wichtigste Bindemittel des links-grünen Spektrums von Sozialdemokraten und Grünen, Linksextremen und kirchlichen Verbänden, marxistischen Splittergruppen und gewaltbereiten „Antifaschisten“. Unter diesem Banner können sie sich versammeln, um den gemeinsamen Feind, den politischen  Konkurrenten auszuschalten bzw. kleinzuhalten, ins gesellschaftliche Abseits oder gar in die Kriminalität zu drängen.

Es ist ein Zweckbündnis, dem sich auch einst bürgerliche Kräfte  angeschlossen haben, unter anderem aufgrund des gewaltigen Druckes, den die linken Kräfte in den meinungsbildenden Milieus ausüben.

Da der Begriff des Kampfes gegen rechts auf immer weitere Bevölkerungsschichten ausgedehnt wurde, mutierten die Bürgerlichen in den vergangenen  Jahrzehnten zu Linken, um nicht selbst ins Fadenkreuz der selbst ernannten Antifaschisten zu geraten, um nicht als Rechtsextreme von der Gesellschaft und vom öffentlichen Diskurs ausgeschlossen zu werden.

Weshalb die bürgerlichen Parteien, die Union in Deutschland und die ÖVP in Österreich, ihre Bindung an das rechtskonservative Milieu aufgegeben bzw. dieses verraten haben.

„Ein marxistisches System erkennt man daran, dass es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert.“ — Alexander Solschenizyn

Doch dieses Anpassen, Zurückweichen und  anbiedern an den um sich greifenden linken Zeitgeist ist für die Bürgerlichen, für die politische Mitte selbstzerstörerisch, wirkungslos – und spielt den Linken in die Hände, ist Teil ihrer politischen Strategie.

Als Konservativer, Bürgerlicher oder Liberaler von Grünen und Mainstreammedien ins Nazieck gestellt zu werden, kann schnell gehen, kann jedem, der nichtlinke Positionen öffentlich und erfolgreich vertritt, passieren. Das zeigt etwa die Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen. Die FDP gilt, nachdem ihr Kandidat Thomas Kemmerich mit den Stimmen von CDU und AfD zum Ministerpräsidenten gewählt  wurde, als schwer beschädigt und rechtsextrem. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer musste das Handtuch werfen. In Thüringen wurde eine scharfe rote Linke  gezogen: Wer der AfD zu nahe kommt, auch wenn es darum geht, einen Kommunisten als Regierungschef zu verhindern, ist selbst ein Nazi.

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Die „Bild“ berichtete: „Doch auch in der Gesellschaft scheinen jegliche Dämme zu brechen. Der Hass, der sich aktuell im Netz sowie auf der Straße breitmacht, ist beispiellos – besonders gegen Politiker der FDP. Es brennt vor FDP-Büros. Privathäuser und Kinder werden mit Feuerwerk beschossen. Hassmails fluten Posteingänge.  Verräter‘, ‚Nazi‘, ‚Fuck Nazis‘, ‚Fuck FDP‘, ‚Nazi-Freund‘, ‚Nazi-Hure‘, ‚Nazi-Kollaborateur‘, ‚Fotze‘, ‚Faschisten‘, ‚Antifa is watching you‘ – das alles steht auf Plakaten, an Hauswänden oder wird FDPlern ganz unverhohlen auf offener Straße entgegengerufen.“ 

Angesichts dieses enormen Druckes, zu dem auch der Straßenterror linker Antifa-Fußtruppen gehört, hat sich das Parteienspektrum dramatisch verändert und nach links verschoben. Das zeigt sich auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Viele Positionen, die sie in der Umwelt-, Zuwanderungs-, Verteidigungs-, Finanz- oder Europapolitik vertritt, liegen mehr oder weniger auf einer Linie mit den Grünen, oder sie positioniert sich in einigen Bereichen, etwa in der Genderpolitik, als eine Grüne-light-Politikerin.

Seit ihrem Kurswechsel in der Migrationspolitik im Jahr 2015 wird Merkel von den linken Mainstreammedien unterstützt. Solange sie sich in dem von den Grünen vordefinierten Feld des Erlaubten bewegt, wird sich das auch nicht ändern, so lange hat sie, wenn schon nicht die öffentliche, so zumindest die veröffentlichte Meinung hinter sich, was in einer Mediengesellschaft ein entscheidender Faktor ist. Vor allem Merkel – aber auch Kurz passt seine Politik und Entscheidungen  dem von den Grünen geprägten Zeitgeist an.

Da immer mehr Bürger auch in Österreich erkannt haben, dass die Grünen bzw. die Linken nicht die Lösung der aktuellen Probleme sind, sondern deren Verursacher und Verstärker, reagieren diese mit einer Strategie der Dämonisierung und Skandalisierung des politischen Gegners. Das ist – neben dem Schüren von Klimaängsten – das politische Konzept, die politische Überlebensstrategie der Grünen.

Neben aller Ideologie und Strategie geht es, wie bei den meisten ihrer politischen Positionen, auch beim Kampf gegen rechts um Geld und um die wirtschaftliche Existenz der Grünen. Auch das zeigt das aktuelle  Regierungsprogramm. Die vielen zusätzlichen Vereine, Institute und Organisationen, die sich künftig dem Kampf gegen rechts widmen, tun das mit Steuergeldern, die als Förderungen, Subventionen oder unter welchem Titel auch immer an diese Organisationen und deren Mitarbeiter fließen. Dieser vom Staat finanzierte Kampf gegen rechts dient den Grünen auch dazu, ihre Mitstreiter zu versorgen.

All das führt zu einem inflationären Gebrauch der Begriffe Faschismus, Nazis, Rechtsextreme. Dadurch werden der Nationalsozialismus und seine Verbrechen verharmlost. Die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann twitterte, dass für sie alle Nichtwähler der Grünen Nazis seien. Das hat ihr zwar einen Shitstorm von „Nazis“ eingebracht, aber die Mitarbeiterin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der in Deutschland wie in Österreich den Grünen nahesteht, hat auf den Punkt gebracht, wer für die Grünen die Nazis sind.

Es mag überspitzt formuliert gewesen sein, trifft aber im Kern die Einstellung und Sichtweise der Grünen sehr gut: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns und damit ein Nazi, ein Feind. Frau Diekmann hat getwittert, was viele ihrer grünen Gesinnungsgenossen derzeit nur denken.

Beim Kampf gegen rechts heiligt der Zweck die Mittel: „Andere Meinungen auszugrenzen, niederzubrüllen, zu ächten, möglichst zu vernichten, in jeder Form jeden Diskurs auszumerzen.“ Die allgegenwärtige rechte Gefahr ist für Grüne auch eine Ablenkungsstrategie, ein lauter Haltet-den-Dieb-Ruf.

Je mehr sich etwa der politische Islam dank der unverantwortlichen und weitgehend unkontrollierten Massenzuwanderung in den europäischen Gesellschaften etabliert, ausbreitet und zur mit Abstand größten Herausforderung für unsere Demokratie und westliche Gesellschaftsordnung wird, desto lauter werden die Warnungen der Open-borders-Ideologen vor den Rechten, obwohl ein halbwegs ungetrübter Blick auf die aktuelle Bedrohungslage zeigt, dass der Islamismus in jeglicher Hinsicht, was die Zahl der Anhänger, die Gewaltbereitschaft, die Radikalisierung, die Fähigkeit zu mobilisieren etc. betrifft, die ungleich größere Bedrohung für die europäischen Staaten darstellt.

Im Verfassungsschutzbericht des BVT aus dem Jahr 2018 heißt es: „Für Österreich geht die größte Bedrohung unverändert vom islamistischen Extremismus und Terrorismus aus“. Trotz dieser eindeutigen Einschätzung der Gefahrenlage dominiert der Kampf gegen rechts die öffentliche Debatte, die Berichterstattung der Medien und die Politik.

Diejenigen, die in ihrer linken Willkommenseuphorie und multikulturellen Heilserwartung Gotteskrieger, Terroristen, Hassprediger und deren Sympathisanten ins Land gelassen und willkommen geheißen haben, warnen über die ihnen zur Verfügung stehenden Apparate und Kommunikationskanäle vor einer rechten Bedrohung. Weshalb auch alle negativen Entwicklungen und Kollateralschäden, die im Zusammenhang mit der von den Grünen und Linken befeuerten Massenzuwanderung stehen, systematisch verharmlost und verschwiegen werden, während gleichzeitig alles, was sich irgendwie als rechts interpretieren lässt, zur großen Bedrohung aufgeblasen wird.

Unter anderem deshalb, weil die politische Nachfrage nach Nazis wesentlich größer als das Angebot ist. Nur in den Köpfen der Grünen und Linken, nur in ihren kulturellen Hervorbringungen, in rezenten Theaterstücken, Büchern, Kabarettprogrammen und TV-Filmen lauert hinter jedem Busch ein Faschist. In der freien Wildbahn, also in der Realität, findet man sie nur selten.

Deshalb braucht es die Skandalisierung und Inszenierung. Man erinnere sich etwa an die Rattenfabel eines oberösterreichischen FPÖ-Funktionärs, die es sogar zum weltweiten Skandal brachte, während Behörden und Politik auf der anderen Seite nach der Bluttat eines bosnischstämmigen Österreichers in der Grazer Innenstadt, bei der drei Menschen starben und 36 zum Teil schwer verletzt wurden, reflexartig – und noch bevor mit den Ermittlungen richtig begonnen werden konnte – einen terroristischen bzw. extremistischen Hintergrund ausgeschlossen und den Anschlag als Tat eines psychisch Kranken dargestellt haben, was die  Mainstreammedien entgegen ihrer ansonsten polizeikritischen Grundhaltung in diesem Fall völlig unkritisch und unhinterfragt übernahmen.

An diesen beiden Beispielen zeigt sich die Interessenlage: Während man rechte Skandale dringend benötigt und diese entsprechend medial aufbereitet bzw. selbst konstruiert, werden anderseits linksextreme und islamistische Gefahrenherde ignoriert, verharmlost und umgedeutet. Das liegt auch darin begründet, dass der Kampf gegen rechts für jene, die ihn betreiben, mit keinerlei Risiko oder Gefahr verbunden ist.

Es ist nur Schattenboxen, man hat einen Popanz geschaffen, um sich selbst als mutig, couragiert und entschlossen darstellen zu können. Es geht auch hier um Selbsterhöhung auf Kosten und zulasten anderer und darum, von der  Verantwortung, die man für viele gesellschaftliche Fehlentwicklungen trägt, abzulenken. Es ist viel bequemer, erfolgversprechender und glamouröser, jene Probleme zu lösen, die man selbst erfunden hat, als tragfähige Konzepte für komplexe Problemlagen zu entwickeln.

Rechte sind für Linke universelle Sündenböcke und Projektionsflächen, sie haben jene Funktion, die gemäß linker Klischees „der Ausländer“ für die Rechten hat. Der antifaschistische Abwehrkampf der Linken kann zudem auf einem Terrain geführt werden, auf dem die Grünen besonders erfahren und versiert sind: Hier geht es nicht um Fakten oder reale Bedrohungslagen, hier geht es um Moral, Haltung, Ideologie und Gefühle.

Wenn man schon nicht die Schulden-, Finanz- oder Integrationskrise lösen kann, weil die politischen Werkzeuge und das ideologische Gerüst dafür völlig ungeeignet und zu grobschlächtig sind, weil man dafür nicht einmal das richtige Problembewusstsein hat, muss man die zukunsrelevanten Fragen und die Bedrohungen für Bürger und Gesellschaft selbst kreieren, um politische Handlungsfähigkeit vorzutäuschen.

Angesichts dieses Scheinkampfes vor dramatischen Drohkulissen fällt es vielen Bürgern nicht auf, dass ihre Rechte und Freiheiten immer mehr beschnitten und eingeschränkt werden, die Demokratie immer weiter ausgehöhlt wird.

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Die türkis-grüne Regierung hat das Symbole-Gesetz erweitert. Jetzt sind auch die Symbole der „Identitären“ verboten. Ein Text von Géza Ákos Molnár.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kritisiert das Symbolverbotsgesetz Österreichs gegen die „Identitären“ scharf. Nur zwei Tage nach ihrem Besuch in Wien sah sich die Kommissionspräsidentin der EU gezwungen, sich mit eindeutiger Kritik an Österreich zu wenden.

Mehr über die Hintergründe lesen Sie in der FREILICH Studie „Das symbolische Verbot“.
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Ja, noch mehr: Von der Leyen will wegen des umstrittenen Gesetzes zum Verbot von Symbolen der „Identitären Bewegung“ gegen Österreich vorgehen. Das Gesetz diskriminiere Menschen aufgrund ihrer politischen Orientierung und verstoße gegen fundamentale Werte der Europäischen Union, sagte sie in Brüssel: „Dieses österreichische Gesetz ist eine Schande.“ Sie habe deshalb ihre  zuständigen Kommissare aufgefordert, einen Brief an Österreich zu schicken, „um unseren rechtlichen Bedenken Ausdruck zu verleihen, bevor das Gesetz in Kraft tritt“. Das Gesetz verstoße  gegen die Menschenwürde, den Gleichheitsgrundsatz und grundlegende Menschenrechte, sagte von der Leyen.

„Bei diesen Prinzipien gehen wir keine Kompromisse ein.“ Sie glaube an ein „Europa der Vielfalt“, in dem „wir weltanschaulich vertreten können, was wir wollen“. Sie werde deshalb „alle Befugnisse der Kommission nutzen, damit die Rechte der EU-Bürger gesichert sind“. Sollte Österreich die Bedenken nicht ausräumen können, dürft e die EU-Kommission nach dem Inkrafttreten des Gesetzes ein offizielles Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich einleiten. Dieses könnte dann mit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes enden.

Deutschland und mittlerweile 13 weitere Mitgliedstaaten haben in einer gemeinsamen Erklärung gegen das Gesetz protestiert und die Kommission zum Handeln aufgefordert. Die Regierungen äußerten dabei ihre „tiefe Besorgnis“ über das Gesetz. Es diskriminiere „Identitäre“, somit Menschen, und verletze „das Recht auf freie Meinungsäußerung unter dem Vorwand, die Gesellschaft zu schützen“, heißt es.

Ein Irrtum

Meine Meinung? Ich danke Frau von der Leyen das erste Mal in meinem Leben für etwas. Sie setzt sich mit  Inbrunst ein für die Freiheit der Meinung, der Rede, des Glaubens sowie der Presse und der Kunst.

Oh Schreck. Der Chefredakteur teilt mir soeben mit, dass es sich um einen schwerwiegenden Fehler der Redaktionssoftware handeln muss. Einen Irrtum der künstlichen Intelligenz. Denn: Oben stehende Nachrichtenmeldung ist zwar wortwörtlich den renommierten Nachrichtenagenturen entnommen.

Allerdings war das die Meldung von vorgestern, als es um Ungarns Antipädophiliegesetz ging. Das ungarische Kinderschutzgesetz verstoße gegen die europäischen Werte und die Menschenrechte.

Wie konnte ich nur diesen Irrtum nicht selber entdecken? Wie gut, dass es Chefredakteure gibt. Unserem ist der Text irgendwie bekannt vorgekommen, er ist stutzig geworden und hat „double-gecheckt“. Was war geschehen? Der Fehlerteufel der Software hat aus Ungarn eigenmächtig Österreich, aus sexueller Orientierung politische Orientierung gemacht und all die anderen einschlägigen Begriffe einfach ausgetauscht.

Wie gut, dass wir beherzigen: Prüfe doppelt, bevor du einmal Mist erzählst. In meiner Naivität hätte ich fast Mist erzählt.

Es tut mir leid, liebe „Identitäre“ – niemand wird gegen die Einschränkung eurer Freiheit in Österreich ein Wort einlegen. Niemand von der EU, die ich ja viel lieber EUdSSR nenne. Und schon gar niemand aus der Welt der Medien, der Künstler, der Kirchen, der Wissenschaft , die alle eines gemeinsam haben: Sie leben von der Freiheit. Sie schweigen heute. Und sie werden morgen schweigen. Hören werden wir von ihnen erst, wenn es einmal auch sie erwischt. Aber dann wird es zu spät sein für sie.

Und die Freiheit? Sie steht nur mehr mit toten Buchstaben in einer von den linken Parteien (also inkl. ÖVP unter Sebastian Kurz) verachteten Bundesverfassung geschrieben. Meine Meinung? Heute behalte ich sie lieber für mich. Es warat weg’n meina Freiheit.

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Der Kärntner Illustrator, Kommunikationsdesigner, Gebrauchsgrafiker, Maler und Autor Rainer Osinger hat die politischen Bedrängnisse der Gegenwart, insbesondere die Corona-Krise und ihre fatalen Auswirkungen auf unser Alltagsleben nicht aus seinem künstlerischen Schaffen heraus halten können.

Die jüngste Buchveröffentlichung des hochproduktiven Künstlers heißt „Philomena und das gestohlene Leben“ und befasst sich als “zeitkritische Erzählung“ intensiv mit über Restriktionen eines fiktiven Staatsapparates gestohlenen Freiheiten. Wir wissen, dass das, was als Jugendliteratur etikettiert ist, in den meisten Fällen eine Doppeladressierung hat. So auch hier, denn das Buch zählt unserer Einschätzung nach zur generationenübergreifenden Lektüre ab dem zwölften Lebensjahr.

Zum Inhalt schreibt Osinger selbst: „Diese Fabel, in welcher sich Realität und Fiktion immer wieder vermischen, erzählt von Philomena und der gestohlenen Freiheit. Sie berichtet von einem mutigen jungen Mädchen, das viele Geschehnisse in der heutigen Gesellschaft kritisch hinterfragt und schließlich selbst die Initiative ergreift. Eine spannende, philosophische Erzählung für und über Freiheit, Vertrauen, Nächstenliebe, Zivilcourage, Autonomie, Meinungsfreiheit und selbständiges Denken. Eine Geschichte über Liebe und Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Eine Fabel, die sich gegen den Materialismus, gegen Intoleranz und Gleichmacherei und vor allem auch gegen das Errichten einer Diktatur und ebenso auch gegen die gedankenlose Ausbeutung von Mensch und Natur ausspricht.“

Geneigte Leser von zwölf bis 99 lernen das Volk der Frebemen kennen, folgen Philomena, ihrem Freund Pius, dem sprechenden Kater Animus, der klugen Eule Sofos und Minister Klein durch diverse Abenteuer. Die Protagonisten leisten Widerstand gegen eine totalitäre Politik des Herrschers Tyrannos, der das Land Capta durch unsinnige Anordnungen bis in den letzten Winkel beherrschen will.  „Es geht“, so der siebenfache Vater Rainer Osinger, „in der Erzählung um ein mutiges junges Mädchen, welches zur Außenseiterin wird, weil sie sich kritisch und fragend mit verschiedenen Geschehnissen in der heutigen Gesellschaft und Politik auseinander setzt und schließlich selbst die Initiative ergreift“ und einen Ausweg aus einer drohenden Diktatur findet.

Auch wenn manchen auf den ersten Blick die Parallelen zur aktuellen Corona-Politik und dem damit verbundenen Raub der Grundrechte zu eindeutig wirken, sollte man nicht außer Acht lassen, dass sich „Philomena und das gestohlene Leben“ ganz bewusst in die didaktische, belehrende Literatur mit ihrer großen pädagogischen Tradition einreiht. Schon Horaz schrieb: „Alle Poesie sollte belehrend sein […]; sie soll den Menschen aufmerksam machen, wovon sich zu belehren wert wäre; er muß die Lehre selbst draus ziehen wie aus dem Leben.“

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Raus aus der Stadt, hinein in den deutschen Wald, eine Heimstatt fernab aller Verwerfungen – die Sehnsucht ist alt. Was für manche Sinnbild eines eskapistischen Defätismus ist, ist für andere der strategische Rückzug, um ein widerständiges Bollwerk in der Peripherie aufzubauen. Ein Text von Julian Schernthaner.

Die Flucht vor den Zuständen – erstmals wurde ich mir dieses Phänomens als junger Student in Großbritannien so richtig bewusst. Gerade ältere Semester warfen ihren Wunsch des Auswanderns immer wieder ein – auch jene, deren Herz am eigenen Vaterlande hing und deren Verwurzelung daheim eigentlich zu tief schien, um irgendwo anders überhaupt gedeihen zu können.

Dieser Artikel ist in FREILICH 10 erschienen. Alle Ausgaben finden Sie HIER.

Ich hatte in diesen frühen Jahren des vernetzten Globus diverse Kontakte in der gesamten westlichen Welt. Und die Dynamik war o‑ die gleiche: kein schöner Land – aber ein fremder Ort der Sehnsucht. Die US-Amerikaner drohten, bei Verschlimmerung der gesellschaftlichen Lage nach Kanada auszuwandern, die Kanadier wollten in das alte britische Mutterland und die Briten kokettierten mit einem Lebensabend in Australien oder Neuseeland.

So mancher, der heute seine Heimat liebt, tut dies bereits aus der Ferne und siedelt entweder unter der ewigen Sonne in Mittelmeer oder in noch konservativen Nachbarländern wie Polen oder Ungarn. Viele, die gerade seit der Merkel’-schen Öffnung ihre Koffer packten, nannten eine Überfremdung in ihren angestammten Ge­fielden als Grund für die Abwanderung in Gebiete, in denen die Welt noch in Ordnung scheint.

Für mich schien diese Überlegung unmöglich – meine Episode in eines anderen Herrn Land war schon vorab auf eine Zeit begrenzt, mich zog es folgerichtig wieder in den Schoß der Heimat. Dafür saß ich in jenen Tagen in meinem Zimmer und blickte auf die grauen Straßenschluchten der Öl- und Granitmetropole Aberdeen.

Draußen huschten abwechselnd die Verlierer der Verteilungslotterie und Migranten aus dem ganzen ehemaligen Empire umher. Hatte ich zuvor den Genuss des Elternhauses in der Stadt und der Wochenenden bei den geliebten Großeltern am Lande als gottgegebene Normalität empfunden, wurde mir erstmals bewusst: Der Moloch der großen Stadt mit ihrer Beengtheit würde mir auf Dauer die Kra‑ rauben – auch die zur schöpferischen Tätigkeit.

Luftschlösser im Hinterland

Der Gedanke eint viele Menschen – politische und unpolitische: Wenn es die Lebensumstände zulassen, erfüllt man sich den Traum des eigenen Hofes, dieser widerständigen Einsiedelei inmitten von Wäldern und Wiesen, vielleicht mit einigen Tieren und eigenem Gemüseanbau, um in Friedenszeiten ein Auge auf den eigenen Verzehr zu haben und gleichzeitig für Notzeiten gewappnet zu sein.

Man baut sich so sein Lu‑schloss zusammen, über allem die Vision des Vierseithofes auf dem Land. Hier ein Flügel für eigenes Nutzvieh, dort ein Flügel für eine befreundete Familie oder Gäste und dort vielleicht noch ein Flügel zum aktiven Gebrauch irgendeiner guten Sache, der man sich verbunden fühlt, vom Handwerk bis zum Ort, an dem die Dorffeuerwehr ihre Feste feiert.

Der sehnsüchtige Patriot wünscht sich dabei o‑ einen sicheren Hafen, in den jedermann einkehren mag, der den Wert der Heimat erkennt; überlegt sich die Schaffung eines Hortes des Wissens, wo willkommen ist, wer einem Vortrag zur Ideengeschichte lauschen mag. Vor dem inneren Auge läuft die Vorstellung von Jungspunden vorüber, die sich – teils die eigenen Sprosse, teils jene des Mitstreiters – an einem lauen Sommertag im sportlichen Wettkampf messen, um sich die Stärkung mit Leckereien aus dem eigenen Anbau zu verdienen.

Es ist ein Gedanke, der in vielen Köpfen zugleich reift. Seine Wurzel ist die Idee des „deutschen Waldes“ als unverfälschter Landschaft, als Metapher heiler Heimat. Dieser unberührte Ort des Lernens, wo das Leben die beste Schule ist und wo man neue Kraft schöpfen kann, ohne den widerständigen Geist aufzugeben.

Es ist diese Sehnsucht, den Jünger’schen Waldgang nicht nur symbolisch, als zur Widerständigkeit tauglicher Mensch, sondern ganz greifbar zu erleben, als späte Gerechtigkeit für Roseggers verlorene und alters wiedergewonnene Waldheimat.

Streifzug durch den Wald

Diese romantisierte Vorstellung ist schon seit dem 19. Jahrhundert ein wiederkehrendes Motiv in der Kunst und der Literatur. Ihr Aufkommen war wohl nicht zufällig ein Echo der Nationalbewegungen der damaligen Zeit.

Plötzlich sahen bürgerliche Städter den Bauern nicht als dreckigen Untertanen, sondern als gleichwertigen Volksgenossen, aus dessen  Erfahrungsschatz im harten täglichen Kampf man Kra‑ für neue Taten schöpfen konnte. Tausende schwangen sich im Stil von Erzherzog Johann in die Krachlederne, entdeckten diesen Lebensraum für sich und erfreuten sich an den Verheißungen der durchaus lebensklugen Bauernschläue.

Sogar die unwirtliche Bergwelt verlor den Bann des Ödlandes und wurde zur herausfordernden Riesenfamilie, der nach erfolgreichem Gipfelsieg ein Wetterkreuz auf das Haupt gestellt wurde, bei dem Nachfolgende Einkehr fi­nden mochten.

Was die Geburtsstunde des Tourismus im Gebirge und somit die Initialzündung für die wirtschaftliche Entwicklung vieler Landstriche war, blieb gleichzeitig auch Gegenstand der Sehnsucht aller Konservativen: der Ort im Grünen.

Wohl auf diesem Gebilde fußt die auch als Grundlage historischer Siedlergemeinschaften gefasste Überlegung, dass nur eine Entstädterung dem freien Geist zur Entfaltung verhülfe, während die Stadt prinzipiell nur zur Schaffung einer blinden, lenkbaren Masse tauge.

Die Stadt als Gestell

Ganz anders verhielt es sich mit der politischen Linken, die schon seit Anbeginn ihr Heil in industrialisierten Städten suchte. Diese waren die Lebensrealität vieler Arbeiter, die sich den Traum vom Ursprünglichen nicht leisten konnten. Die Linderung der Not schien in einem blinden Fortschrittsglauben als einziger Weise des schöpferischen Entbergens zu liegen – dieser bildet, wenn man Heidegger zu Ende denkt, auch eine Wurzel, wieso vielen unter ihnen bis heute der Zugang zur Erkenntnis verstellt bleibt.

Heute steht der Wunsch nach der Ursprünglichkeit somit auch im Konflikt mit dem kosmopolitischen,  konsumorientierten Lebensstil vieler Linker, welche den Glauben an den Fortschritt zwar längst ideell kommunizieren, aber ihn immer noch mit dem urbanen Raum verknüpfen. Sie sind „Anywheres“, die überall und nirgendwo zu Hause sind, und selbst die Beliebtheit der Rückbesinnung steht ihnen im Weg, wenn sie in politischen Kategorien denken.

Demgegenüber ist das Bewahren des Ursprünglichen immer noch ein Metier des Konservativen. Es ist erst der menschliche Grundwunsch nach Ruhe, der in Linken o‑ den Funken der Stadtflucht wieder aueben lässt, weil auch sie keine Inseln sind. Die Verwerfungen des selbst ersonnenen und grandios gescheiterten „Schmelztiegels“ treiben sie in den Speckgürtel, wo alles noch entschleunigt und auch ursprünglicher ist und wo die Klassenkameraden der eigenen Kinder noch die gleiche Muttersprache pflegen.

Aber sie sind auch in der Ruhe noch rastlos, und der Fortschrittsglaube weilt weiter in ihnen – und sie streben danach, den Stadtrand  der das Haus im Wienerwald in eine Mikrovariante jener Hölle zu verwandeln, aus der sie soeben entkommen sind. Ist das Weideland vor den Toren der Stadt abgegrast, so ziehen diese Schäfchen weiter.

Die Stadt als Bollwerk

Diese Vorwärtsgewandtheit haben sie allzu vielen Konservativen voraus, deren Zug in die Weite o‑ eine Resignation anhaftet und eine Form des Weglaufens auf Raten. Egal, ob sie sich nach dem Deutschland der 1920er- oder 1950er-Jahre sehnen, nach längst vergangenen vorromantischen Epochen, oder auch nur dem Zeitgeist das Berlichingen-Zitat entgegenzupfeffern belieben: Es ist für viele ein Rückzug ohne Strategie, eine innere Emigration ohne Einkehr.

Entsprechend kam unlängst eine zweite Denkschule auf, die gerade die Städte als zu umkämpfende Kulturträger sieht, die auf keinen Fall aufzugeben sind – eine Art aktuelles Heliopolis“. Sie sind jene Oziere, die noch daran  glauben, einen ideellen Kampf gegen den leer saugenden Nihilismus und Zerfall aufzubringen, der heute in all den austauschbaren Nicht-Orten auch visuellen Niederschlag ­findet. Das meint jene Ungetüme, mit denen moderne Architekten aus den Reihen der  Anywheres“ das vollbrachten, was kein Bombenhagel vermochte: den Städten den Charakter zu nehmen.

Und irgendwo gibt auch ihnen die Geschichte etwas recht – denn über Jahrhunderte waren Städte stets die Epizentren der Macht. Akkader und Hethiter herrschten von prunkvollen Städten aus über ein Hinterland, dessen Bewohner sie o‑ sprachlich nicht einmal verstanden. Pfahlbau-Städte im Sumpf und im Wasser, wie Venedig oder Amsterdam, wurden zu Umschlagplätzen des weltweiten Handels, und auch Preußens Aufstieg zur Macht wäre nur aus dem Busen einer kargen Mark – ohne das herrschaftliche Berlin – undenkbar.

Nächste Woche lesen Sie HIER den zweiten Teil unseres Artikels.

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Neues Jahr, neue Inhalte. FREILICH startet die Buchreihe POLITIKON. In Band 2 schreibt Irfan Peci über den Ruf der Islamisten. Wer ihn verbreitet, wer ihm folgt und wie man ihn zum Schweigen bringt.

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Handel bringt Wandel. Und Konstanten: die Seidenstraße bleibt eine Handelsroute, die China und den Westen verbindet. Ein Kommentar von Gerd Bachmann.

Sollte ein Außerirdischer die Erde im Jahre 1500 beobachten – welche Region würde seiner Meinung nach die nächsten 500 Jahre weltweit dominieren? Richtig, China! Aber erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt.

China kannte Papiergeld, Schwarzpulver, Raketen. Das Reich war geeint. Streng organisiert. Und überbot an Mitteln jedes einzelne europäische Königreich bzw. Kaiserreich bei Weitem. Horribile dictu: Bevölkerungszahl, Wirtscha­ftsleistung, Steuereinnahmen, Rohstoffe etc., die Parameter der Geopolitik.

Dieser Artikel ist in FREILICH 7 erschienen. Alle Ausgaben finden Sie HIER.

Der chinesische Admiral Zheng He machte sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts auf, um mittels einer riesigen Flotte Ceylon, Hormuz sowie die Küsten Ostafrikas zu erkunden. Er brachte Löwen, Leoparden und sogar Giraffen zurück an den chinesischen Kaiserhof. In seiner Flotte befanden sich Dutzende hochseetaugliche Dschunken. Eine einzige dieser Dschunken hätte die gesamte Flotte von Christoph Kolumbus beherbergen können.

Zeitgleich begann Europa, seine Fühler vorsichtig Richtung Welt auszustrecken. Von Portugal aus Richtung Indien durch die Versuche, Afrika zu umschiffen. Von Spanien aus Richtung Indien durch die Versuche, den Atlantik zu überqueren. Mit dem Ergebnis, einen Kontinent zu entdecken, dessen Existenz in Europa in Vergessenheit geraten war.

Trotz der technologischen Überlegenheit zog sich China zurück. Konsolidierung, Sicherung, Stabilisierung. Trotz der technologischen Unterlegenheit zog Europa aus, die Welt zu erobern. Und diese im Zuge dessen auch zu entdecken.

Gleich Alexander dem Großen, dessen Heerzug von Griechenland au, über Persien Richtung Afghanistan, Pakistan und Indien führte. Eroberungen gingen Hand in Hand mit Entdeckungen.

Gleich dem antiken Griechenland gegenüber dem Perserreich setzte sich das zersplitterte Europa gegenüber dem geeinten China durch.

Gleicher Ort, in etwa die gleiche Zeit. Wer wurde nach dem Ende des Kalten Krieges als Sieger betrachtet und sollte die Handel bringt Wandel. Und Konstanten: die Seidenstraße bleibt eine Handelsroute, die China und den Westen verbindet.

Liest man bei Paul Kennedy nach, gewinnt man den korrekten Eindruck, dass die Abfolge des Aufstieges und Abstieges von Mächten einer Kombination von Bevölkerungszahlen, Wirtschaftsleistungen, Steuereinnahmen, effizienter Regierung, Innovationen etc. geschuldet sei. Und in der Nachschau liest sich alles überaus logisch sowie nachvollziehbar.

Kennedy hat eine geniale Analyse der Geopolitik zwischen 1500 und dem Ende des 20. Jahrhunderts vorgelegt. Und seine Vorhersagen waren alles andere als weit hergeholt. Jedoch erwiesen sie sich als durchwachsen, wie jede Prognose.

Japan glitt in eine Phase der Stagnation. Deutschland glitt in eine Phase der Europäisierung. Und mit Europa gemeinsam gleitet es nun ebenfalls in eine Phase der Stagnation.

Die Vorhersage, dass Japan Amerika ökonomisch überholen werde, kann ad acta gelegt werden. Die Vorhersage, dass  Amerika überholen werde, kann ad acta gelegt werden. Die Vorhersagen im Hinblick auf den Aufstieg Chinas haben sich sogar noch als zurückhaltend erwiesen.

Wir machen einen Sprung zurück zur Jahrtausendwende. Nein, nicht 2000. Nein, nicht 1000. In etwa Christi Geburt.

Das Imperium Romanum beherrschte die gesamte bekannte Welt. Jenseits des Limes trieben Kelten, Germanen, Parther und zig andere Stämme ihr Unwesen.

Das chinesische Reich beherrschte die gesamte bekannte Welt. Jenseits der Chinesischen Mauer trieben Mongolen und zig andere Stämme ihr Unwesen.

Zarte Annäherungsversuche zwischen den Imperien ihrer Zeit bzw. ihrer Welten können auf das Jahr 100 nach Christus datiert werden. Es bestanden keine direkten Verbindungen bzw. verkehrten keine Karawanen direkt, sondern von Oase zu Oase.

Das begehrteste Gut war die Seide. Daher auch die Namensgebung durch den deutschen Orientalisten von Richthofen im 19. Jahrhundert: Seidenstraße. Nach Opiumkriegen, ungleichen Verträgen, Niederschlagung des Boxeraufstandes etc. gestattet sich das Reich der Mitte einen Vorgeschmack auf den Gegenbesuch, gleichsam eine Rache für Marco Polo.

Triest soll als einer der Endpunkte für die modernisierte, die Neue Seidenstraße dienen. Der nette Onkel Xi besucht Europa. In der einen Hand Investitionen, Projekte und Waren. In der anderen Hand Arbeiter, Spione und Aufpasser.

Nächste Woche lesen Sie HIER den zweiten Teil unserer Recherche über die Seidenstraße.

Dieser Artikel ist in FREILICH 7 erschienen. Alle Ausgaben finden Sie HIER.



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