Der Berg ist längst nicht frei. Sogar die ironischen Namen von Kletterrouten sind den einschlägigen Meinungsmachern ein Dorn im Auge. Ein Skandal um Ironie und Meinungsfreiheit. Ein Text von Thomas Behm.

„Schulz mußte von Schulz allein hingerichtet werden. Aber unbedingt schonungslos, usque ad finem.“ Genau vor 100 Jahren wurden diese Zeilen in „Jungborn – Bergfahrten und Höhengedanken eines einsamen Pfadsuchers“ von Eugen Guido Lammer verfasst. Lammer prägte den führerlosen Alpinismus in einer Zeit, da ihm noch eine Wildheit eigen war, welche heutzutage selbst in den entlegensten Gebieten unseres Planeten nicht einmal mehr in Ansätzen zu finden ist.

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Lammer war selbst zu seiner Zeit bereits Ketzer, predigte den absolut reinen alpinen Geist; dies in einer Zeit, da die ersten Schutzhütten (im heutigen Sinne eigentlich nur karge, alpine Notunterkün­e) entstanden. Politischer Missbrauch war ihm fremd, er stand freien Geistes wehrhaft­ und stolz im Wind derer, die seinen klaren geistigen Leitlinien nicht folgen konnten oder wollten.

Prof. Dr. Karl Schulz aus Leipzig verfolgte Lammers Tun jahrelang voller Hass ob des innewohnenden Ketzergedankens, versuchte ihn (das war zwischen 1880 und 1890 …) in Schrift­ und Aktion zu denunzieren und „unschädlich“ zu machen.

Der Alpinismus und das Klettern haben sich in diesen 100 Jahren grundlegend verändert. Würde ein Eugen Guido Lammer heute an den Felsen seiner Jugend vorbeiwandern, würde er verächtlich belächelt, verbal oder tätlich angegriffen oder in digitalen Medien hingerichtet werden.

Heutzutage ist das Klettern und Bergsteigen ungleich sicherer geworden; ist man an den Achttausendern der Welt mit Facebook und Instagram permanent mit der Außenwelt und sogar „Heimat“ verbunden, werden Felskletterrouten in der Regel mit sicherem, gebohrten Hakenmaterial ausgestattet und sind so selbst für unerfahrene Stadtmenschen mit „Indoor“-Erfahrung leicht und relativ ungefährlich konsumierbar.

Dies hat in den letzten Jahren zu einem Boom des Klettersports geführt, der von Tourismusverbänden (auch im positiven Sinne der Volksgesundheit) erkannt wurde, welcher aber Brücken zu den Traditionen eines aus oftmals anderen Motiven ausgeführten Natur- und Selbsterlebens sukzessive abgebrochen hat.

Der „heroische“ Alpinismus wurde quasi im eigenen Sterben nochmals zu Tode getreten. Freilich, in der heutigen Zeit kann er keinen Platz mehr haben, wie auch Lammer nicht.

Der hyperliberale Geist, welcher ins Bergsteigen, insbesondere ins Klettern und Sportklettern, in den letzten Jahren eingezogen ist, verachtet aber nicht nur den verstaubten Heroismus (indem man ihm ganz einfach missbräuchliche Verwendung vorwirft­ und ihn so leicht „entsorgen“ kann), nein, er stellt selbst seine eigenen Wurzeln völlig infrage: Der europäische  traditionelle Alpinismus wurde nämlich um 1970 ordentlich durchgerüttelt, als die Freikletterbewegung aus den USA überschwappte, mit Drogen, ’68er-Mentalität, kurioserweise aber einer ganz strengen Ethik (an den Begehungsstil der Kletterrouten) und – vor allem – einer sehr großen Gewichtung der persönlichen Freiheit, welche auch die Benennung von neuen Routen beinhaltete und als unantastbar galt.

Betritt man heutzutage „Neuland“ (das heißt, ‑ findet man ein Stück Fels oder Eis, wo noch niemand zuvor hochgeklettert ist), so gilt es als ungeschriebenes Gesetz, dass der „Erstbegeher“ diese Route so benennen darf, wie er möchte.

Im Jahre 2010 kam es zu einer medialen Diskussion über die Namensgebung von Kletterrouten in Schweden. Nicht Schulz war auferstanden, eine Frau Hess entdeckte in einem Klettergarten nahe Stockholm Namensgebungen, welche mit den dunkelsten Seiten der Geschichte kokettieren wollten. Im Alpenlande Lammers suchte und fand man ein ebenbürtiges Feindbild und versuchte, medial in der Vorwahlzeit gut inszeniert, es wie die Kuh durchs Dorf zu treiben. Es führte auch in Österreich neben der Mehrheit der „Unpolitischen“ und „Gleichgültigen“ zu  einer gewissen Spaltung in der Kletterszene.

Nach den Wahlen (welche wie fast immer zugunsten der in sich ungeistigen Masse ausgingen) richteten sich die psychosozialen Verwerfungen scheinbar wieder wie von selbst; die Kuh und das Dorf waren bei den meisten… (weiterlesen können Sie im aktuellen FREILICH 14 – hier bereits ab EUR 49,00 abonnieren).