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Digitalisierung

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In der aktuellen FREILICH Ausgabe No. 11 schreibt Michael Wiesberg über die Herausforderungen der Digitalisierung und was hinter dem Vorantreiben der „Nachhaltigkeit“ wirklich steckt.

Der bisherige Verlauf der Corona-Pandemie hat unter anderem dazu geführt, dass das Thema Digitalisierung eine deutlich höhere Priorität erlangt hat, als es bisher der Fall war. Viele sahen und sehen sich auf den Heimarbeitsplatz, neudeutsch „Homeoffice“, verwiesen, womit die strikte Trennung von Wohnen und Arbeiten, wie sie bisher die Regel war, weiter aufgeweicht werden dürfte. Möglicherweise wird das „Homeoffice“ schon sehr bald nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sein. Das hätte unter anderem eine deutliche Entlastung des Verkehrs zur Folge, gäbe es doch deutlich weniger Pendler, die in  die Innenstädte drängen. Schon gibt es Visionen, die vernetzte Verkehrssysteme in einer „Smart City“ beschwören, in denen Fahrräder und (autonom fahrende) Elektroautos oder -busse das Bild bestimmen; Innenstädte  könnten wieder lebenswerter, ja „Erlebnisraum für Kultur und Gemeinschaft der Bürgerinnen und Bürger“ werden, wie das Düsseldorfer „HandelsBlatt“ zur „digitalen Stadt von morgen“ ausführt, gesteuert durch eine „smarte“ Verkehrslenkung“. 

„Smart“ sollen aber nicht nur Städte werden, sondern möglichst auch das Land, das Dorf. Das Schlagwort hierfür lautet „Smart Regions“. Voraussetzung für eine flächendeckende Gesundheitsversorgung, für attraktive Bildungsangebote oder einen effizienter organisierten öffentlichen Nahverkehr ist allerdings eine leistungsstarke Breitbandinfrastruktur; ansonsten werden weder „Smart Regions“ noch „Smart Cities“ realisierbar sein.

Das alles klingt auf den ersten Blick vernünftig und wünschenswert, könnte damit doch auch der schleichenden Entvölkerung ländlicher Regionen in Deutschland und Österreich Einhalt geboten werden. Bis zum Jahr 2050 werden laut einer Prognose der Vereinten Nationen drei Viertel der Bevölkerung in den Industrieländern in Städten leben; „mit dem neuen Jahrtausend“ sei „das Zeitalter der Städte angebrochen“, stellte zum Beispiel das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fest. Dieser dramatische Urbanisierungstrend hat erhebliche Schattenseiten, die von Umweltverschmutzung bis hin zu steigender Kriminalität reichen. All dem soll künftig vermehrt mit „smarten Lösungen“ begegnet werden. Intelligente Technologien werden, so stellen es zumindest die Smart-City-Lobbyisten dar, Entscheidungen unterstützen, Informationsflüsse steuern und komplexe Situationen bewerten. Doch es geht nicht nur um die Digitalisierung der Stadt; es steht auch der Anspruch im Raum, „Treiber einer gesellschaftlichen Transformation“ zu sein. So der Untertitel des von Chirine Etezadzadeh herausgegebenen Buches „Smart City – Made in Germany“ (2020); die Herausgeberin ist Gründerin und Leiterin des Smart-City-Institutes in Ludwigsburg.

Auch ziemlich smart: Autonome Busse bringen die Menschen im neuen Wiener Viertel Seestadt zum ZielHIER FREILICH abonnieren und mehr erfahren.

Diese „Transformation“ soll auch durch den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) erreicht werden. Um die hierfür notwendige Menge an Daten generieren zu können, ist es notwendig, den gesamten städtischen Raum mit Sensoren auszustatten, die alle erfassten Daten in einer Cloud abrufbar machen. Auf diese Weise kommt es zu einem ständigen Austausch zwischen Stadtbewohnern und der Informationstechnik. Intelligente Algorithmen verdichten sich zu einer Art „City Brain“ und sorgen dafür, dass alles wie in einer gut geölten Maschine ineinandergreift.

Was in der „intelligenten Stadt“ unter nachhaltig verstanden wird

Eine zentrale Erwartung an Smart-City-Projekte besteht darin, dass unter dem Siegel der Nachhaltigkeit das urbane (und auch ländliche) Leben erfasst und gestaltet wird. Über den hierfür notwendigen Energiebedarf wird in der Regel nicht oder nur am Rande geredet. Ein autonomes Auto zum Beispiel verbraucht, so kann in dem Buch „Smarte grüne Welt?“ nachgelesen werden, ca. 4000 Gigabyte an Daten. Pro Minute werde ein Gigabyte an Daten verbraucht, die Rechenzentren zu erbringen haben. Mit einem entsprechenden, gigantischen Anstieg des Energieverbrauches der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ist zu rechnen. Bereits 2030 soll der Anteil der IKT am globalen Stromverbrauch bei etwa 30 % liegen (derzeit sind es rund 10 %). Ungeachtet dessen soll alles das, was als „smart“ kommuniziert wird, auch „nachhaltig“ sein.

Eine „smarte“, intelligente Stadt, so kann zum Beispiel im „Strategiedokument Smart Cities Initiative“ des österreichischen Klima- und Energiefonds nachgelesen werden, verschreibe sich im „Sinne der Smart-Cities-Initiative dem  Konzept der Nachhaltigkeit“ und bekämpfe „damit aktiv negative Klimawandelfolgen“, betreibe „die Energie- und Mobilitätswende“ und sei bereit, „innovative (Bürger-)Beteiligungs- bzw.  Geschäftsmodelle anzuwenden“. Laut dem Digital-Gipfel-Papier der deutschen Expertengruppe Smart Cities/Smart Regions gehe es um „eine erhöhte Lebensqualität für Bürgerinnen und Bürger, mehr kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe sowie die Förderung der lokalen Wirtschaft und eine erhöhte Effizienz und Bürgernähe öffentlicher Dienstleistungen“. Auch die „Widerstandsfähigkeit“ von Städten und Regionen – neuerdings gern auch als „Resilienz“ bezeichnet – soll „durch smarte Lösungen im Krisenfall“ wachsen; so verkünden es zumindest die Autoren des Buches „Smart City. Digitalisierung in Stadt und Land“ (2017).

Der Begriff Nachhaltigkeit ist, um es mit dem marxistischen Kulturtheoretiker Raymond Williams zu sagen, ein „Schlüsselwort“. In seinem Buch „Keywords“ (1976) führt Williams Begriffe an, von denen er meinte, dass sie maßgeblich den kulturellen Rahmen mitbestimmten. Kriterium ist die Relevanz eines Begriffes und seine unbestreitbare Wirkung in Denksystemen. Nachhaltigkeit ist so ein Begriff, der die Assoziation auslöst, es handele sich hier um eine umweltfreundliche Strategie, bei der Ressourcen erneuert werden und keine Rückstände, sprich: Müll, zurückbleiben. Ein Blick auf die „Agenda 2030“, ein Aktionsprogramm der Vereinten Nationen, verdeutlicht aber rasch etwas anderes. Hier finden sich 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die im Wesentlichen drei Dimensionen umfassen: eine soziale und wirtschaftliche, eine ökologische, die auch die Bereiche Klima-, Energie- und Landwirtschaftspolitik umfasst, und eine „emanzipatorische“ Dimension, die auf die Stärkung der Rolle bestimmter gesellschaftlicher Gruppen (Frauen, ethnische Minderheiten etc.) abzielt. Mit anderen Worten: Nachhaltigkeit ist in einem ganz starken Maße ein Vehikel, mit dem Ideologie transportiert wird, die, wie oben bereits zum Ausdruck gekommen ist, dem Zweck …

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Michael Wiesberg Jahrgang 1959, studierte Evangelische Theologie und Geschichte in Heidelberg. Er schreibt für verschiedene Zeitschriften, darunter die „Junge Freiheit“, und war lange Jahre als Verlagslektor tätig. Heute arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag.


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Die Digitalisierung der Hochschulen lässt viele Möglichkeiten für die Zukunft offen. Muss man sich ein Ende des Studieren wie wir es kennen eingestehen? Das fragt sich der Obmann der Freiheitlichen Studenten (RFS) Lukas Heim für FREILICH.

Während es in vielen anderen Bereichen, wie etwa im Sport oder in den Schulen, durch Nüchternheit bei der Risikoabschätzung und Pragmatismus wieder eine Rückkehr zu gewohnten Abläufen gibt, halten die Hochschulen weitgehend am Krisenmodus fest. Zwar lassen sich einige Schritte in Richtung Normalität feststellen, jedoch vermisst man eine maximale Anstrengung um mit von Hochschule zu Hochschule und von Fakultät zu Fakultät unterschiedlichen Maßnahmen einen Zustand, wie er vor der Krise herrschte, wiederherzustellen.

Digitalisierung der Lehre

Viele Verantwortliche scheinen in den letzten Wochen und Monaten die Fernlehre für sich entdeckt zu haben. Die bis zur Corona-Krise nur in Ausnahmefällen vorhandene und oft mehrmals aufgeschobene Digitalisierung der Lehre pflügt die Hochschullandschaft komplett um. Durch den Ausbau und in weiterer Folge die Vergleichbarkeit der digitalen Angebote lässt sich eine Standardisierung erkennen, wie sie sonst nur in der Massenproduktion verwendet wird. Dies steht natürlich im Widerspruch zur Arbeitsweise der Hochschulen, die bis dato stark auf Präsenzlehre setzen und wenn, dann meist in Eigenregie oft spärliche digitale Vorlagen produzieren.

Fernlehre im Aufschwung

Bei den stark fallenden Kosten bei standardisierten Vorlagen scheint es allerdings nur wenig überraschend, dass die Fernlehre einen Aufschwung erlebt. Permanente digitale Angebote für eine größere Zahl von Studenten sind nun mal um einiges verlockender als Lehre für ein paar wenige Studenten vor Ort zu produzieren. Und auch aus Sicht der Studenten haben diese Angebote auf den ersten Blick viele verlockende Vorteile: Zusatzleistungen wie Übungsaufgaben, Probeklausuren, Musterlösungen und kommentierte Foliensätze übersteigen das herkömmliche Angebot der Lehrkräfte. Hinzu kommt der größte Vorteil: Es ist möglich jederzeit und an jedem Ort zu studieren.

Werden Professoren überflüssig?

All diese Angebote zeigen, dass es möglich ist mit wenig Aufwand Lehre für eine große Masse zu produzieren. Folglich scheint auch eine Aussortierung der Professoren der nächste Schritt zu sein. Man muss sich mittlerweile die Frage stellen, inwiefern es dann noch notwendig ist, dass Lehrende zu einer vorgegebenen Zeit an einem vorgegebenen Ort vortragen und ob es nicht einfacher wäre, die gesamte Lehre zentral, standardisiert und digitalisiert abzuhalten. Ein Großteil der Professoren wäre in diesem Szenario für die Lehre de facto überflüssig.

Essentielle Faktoren werden übersehen

Auf der anderen Seite fehlen in diesem Beispiel wichtige Komponenten des Studierens. So lassen sich Übungen in Laboren, der Umgang mit Menschen – gerade in gesundheitlichen Studiengängen – oder Übungen an Modellen wohl kaum ins Internet verlegen. Zudem fehlt ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Interaktion mit den Kommilitonen sowie der aktive Austausch von Ideen während der Lehrveranstaltung. Der Weg hin zu Massenhochschulen, wie wir ihn die letzten Jahre und Jahrzehnte erleben, würde durch eine zu intensive Digitalisierung noch weiter fortschreiten, was zur Folge hat, dass man als Student noch mehr als bisher nur als Zahl oder als Code gesehen wird.

Ein Kompromiss als Lösung?

Während sich die Digitalisierung der Lehre nur mit der Vermittlung von Lerninhalten beschäftigt, lässt sie wichtige Komponenten außen vor: Studieren ist mehr als nur Lernen. Es geht darum soziale Interaktionen zu haben, Menschen kennenzulernen, mit den Lehrenden von Angesicht zu Angesicht zu sprechen und die Möglichkeit zu haben direkt nachzufragen. All dies wäre mit einer reinen Fernlehre nicht vereinbar. Es wird wahrscheinlich wie so oft einen Kompromiss aus beiden Welten geben müssen. Auf der einen Seite brauchen die Studenten vor allem auch auf Grund ihrer finanziellen Situation die Freiheit entscheiden zu können wie intensiv sie ihr Studium betreiben, und gleichzeitig brauchen die Hochschulen die Möglichkeit möglichst effizient viele Studenten zu lehren. Daher wird es wohl auch in Zukunft Fernlehre als Ergänzung zur herkömmlichen Lehre geben. All dies erfordert jedoch Rücksicht und Weitsicht.

Lukas Heim studiert Politikwissenschaft und ist Bundesobmann und Mandatsträger des Rings Freiheitlicher Studenten.

Zum Ring Freiheitlicher Studenten geht es HIER.

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