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Faschismuskeule

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Erkenntnis der letzten Jahre: Die Faschismuskeule wirkt beinahe immer, und man kann nicht ständig bei den Guten sein.

Sehr früh haben die politischen Gegner von ganz links bis zur sogenannten Mitte und sogar gemäßigt Rechte der Christlich-Sozialen die größte Schwachstelle des Dritten Lagers erkannt, nämlich den  Drang vieler Exponenten dieses Lagers nach Anerkennung und, daraus resultierend, den Willen, bei der Gestaltung unseres Staates dabei sein zu dürfen. Dies führt immer wieder zu Abgrenzungen vom  sogenannten rechten Rand oder, wie vielfach auch formuliert, vom „rechten Narrensaum“. Wer dieser Rand oder Narrensaum auch immer sei, wird jedoch vom politischen Gegner bestimmt und dem Dritten Lager bzw. dessen politischem Arm, der FPÖ, aufgezwungen. Eine eigene, klar definierte rote Linie seitens der freiheitlichen Politiker gibt es eher selten und ist meistens einer Verteidigungsstrategie nach Angriffen durch die gesteuerten oder bezahlten Medien geschuldet.

Sowohl die Wortwahl als auch die Definition der Abgrenzung bestimmen die Gegner und führen deshalb zwangsweise zu einer Verteidigungs- und Rechtfertigungsposition. Im Laufe der Geschichte des freiheitlichen Lagers zeugen unzählige Beispiele von diesem Unvermögen, solchen Angriffen konsequent entgegenzutreten, und dokumentieren den systemimmanenten Reflex der freiheitlichen Politiker, sich wegen sogenannter Einzelfälle, wie sie während der letzten Regierungsbeteiligung bezeichnet und systematisch aufgebauscht wurden, sofort von den fraglichen Personen abzugrenzen.

Ohne sich über die Hintergründe oder Zusammenhänge zu informieren, übernimmt man leichtfertig die Argumentation der Mainstreammedien. Dies erfolgt in erster Linie aus der Angst heraus, selbst in die Schusslinie der Journaille zu geraten; man hofft, mit der Abgrenzung diesen Angriffen zu entkommen. Selten jedoch gelingt diese Strategie. Verärgert und frustriert bleiben o­ftmals verdiente Funktionäre und Mitstreiter zurück. Der Schaden ist kaum wiedergutzumachen.

Das Spiel mit den Distanzierungen

Dieses Spiel, wie man es durchaus bezeichnen könnte, gibt es jedoch nicht erst seit der jüngsten Vergangenheit. Es wird schon von Beginn an, seit der Gründung der FPÖ, betrieben – und man muss zugeben, dass es fast immer zum Erfolg des Mitbewerbers geführt hat. Zur Erpressung einer ganzen Gesinnungsgemeinscha­ft gehören jedoch, wie immer, zwei: diejenigen, die sich erpressen lassen, und diejenigen, die diese Schwäche schamlos ausnützen. Dem zweiten Teil kann man kaum einen Vorwurf machen, da das Verächtlichmachen des Gegners leider zum politischen Tagesgeschäft­ gehört.

Mitunter ein Grund, warum es immer wieder so weit kommen muss, ist die mangelnde Geschichtskenntnis vieler Vertreter des freiheitlichen Lagers und infolgedessen das in erster Linie von der ’68er-Generation aufgezwungene Geschichtsbild.

Diese Unkenntnis trifft nicht nur auf die Ereignisse in der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu, sondern auch auf die Zwischen- und die Nachkriegszeit, als sich Rot und Schwarz die Einflusssphären in der Republik untereinander aufgeteilt haben. Fühlten sich in den Anfangszeiten der Zweiten Republik viele Exponenten der Freiheitlichen noch bemüßigt, die Kriegsgeneration verteidigen zu müssen, weil sie entweder selbst Kriegsteilnehmer waren oder zumindest noch von solchen authentisch deren Erlebnisse geschildert bekommen hatten, hat sich in den Köpfen der gegenwärtigen Generation o­ftmals das 68er-Geschichtsbild festgesetzt.

Eine differenzierte Betrachtung der Geschichte ist kaum mehr möglich, und ein Sich-Versetzen in die Zustände und Beweggründe der damaligen Zeit ist aufgrund einer irrationalen Selbstzensur undenkbar. Die Geschehnisse der Vergangenheit werden stets aus Sicht der Gegenwart betrachtet und vom Mitbewerber als politische Waffe missbraucht. Während ein Großteil der Vertreter des Dritten Lagers die richtigen Lehren aus der Geschichte gezogen hat, wird von  Berufsantifaschisten über die Freiheitlichen der ganze historische Müll ausgeschüttet. Alle Verbrechen und Fehlentwicklungen des 20.Jahrhunderts werden dem Dritten Lager angelastet, um es letztendlich von Regierungsverantwortung fernzuhalten und vom eigenen Versagen in der  Gegenwart abzulenken. Kein ernst zu nehmender Politiker oder Anhänger der Freiheitlichen wünscht sich nur ansatzweise ein totalitäres Regime zurück.

Diese Tendenzen kann man derzeit eher bei denjenigen finden, die als Erste ihre Finger auf die Freiheitlichen richten. Nichts ist daher leichter, als sich von der Geschichte des Dritten Lagers abzugrenzen. Man kann Fehlentwicklungen nicht ungeschehen machen. Sie sind Teil der Geschichte dieses Lagers und sind intern schon längst aufgearbeitet.

Freiheitlich vorauseilender Gehorsam

Vorauseilender Gehorsam dem Zeitgeist gegenüber dokumentiert nur ein schlechtes Gewissen, das jedoch die heutige Generation nicht mehr  zu haben braucht. Manchmal führt das dazu, sich für Dinge oder Geschehnisse zu entschuldigen, für die es keiner Rechtfertigung bedarf. Ein ungutes Gefühl ist oft­mals die Folge dieses permanenten Drucks, dem der Repräsentant des Dritten Lagers ausgesetzt ist. Auch das Einsetzen einer  Historikerkommission zur Reinwaschung wird nichts helfen, solange der politische Gegner diese Schwäche ausnützen kann und sie als politische Waffe einzusetzen gedenkt. Außerdem wird diese im  wesentlichen nichts Neues zutage bringen. Keine Geschichte ist und wird dermaßen genau durchleuchtet wie die der Freiheitlichen.

Als zum Beispiel der freiheitliche Verteidigungsminister  der rot-blauen Koalition, Friedhelm Frischenschlager, 1985 den letzten österreichischen Kriegsgefangenen Walter Reder mit Handschlag begrüßte, ging ein Sturm der Entrüstung durchs ganze Land. Er trat dann infolge einer gegen ihn gerichteten Kampagne zurück und gestand damit indirekt eine Schuld ein, die es nicht gibt. Wäre er hingegen ein starker Minister gewesen, hätte er darauf hinweisen können, dass alle oberösterreichischen Landeshauptleute von Heinrich Gleißner bis Josef  Ratzenböck – Reder war Oberösterreicher – ihn sogar im Gefängnis auf Gaeta besucht und sich für seine Freilassung eingesetzt hatten. Der damaligen Führungsspitze fehlten jedoch die Kra­ und wahrscheinlich auch der Wille dazu, sich gegen die Kampagne aufzulehnen, und sie ging lieber den… (Dieser Artikel ist im aktuellen FREILICH Magazin 15 erschienen. HIER BESTELLEN und weiterlesen!)