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Der gerade erzählte Mythos zur Massenmigration will ja, dass in die Türkei wieder so viele Flüchtlinge aus Syrien drängen, dass Erdogan sich entschlossen hat, auf den Westen Druck aufzubauen, indem er nach Griechenland und damit in die EU weiterleitet was geht. Am 3. März veröffentlichte das russische „Centre for Reconciliation of Opposing Sides and Refugee Migration Monitoring in the Syrian Arab Republic“ – es ist eine spezialisierte Einheit der russischen Armee in Syrien  – ein offizielles Statement zu dieser laufenden türkisch Medienkampagne, in der behauptet wird, dass „Millionen“ von Flüchtlingen aus der umkämpften Idlib-Zone  in Syrien fliehen. In der Erklärung heißt es, dass solche Behauptungen sowie Berichte über die „humanitäre Krise“ als Folge der Eskalation in Gegend um die syrische Stadt Idlib falsch sind.

Nach Angaben des Leiters des „Russian Reconciliation Center for Syria“, Oleg Jurawlew, beobachtet die russische Seite die Lage um Idlib intensiv mit Hilfe von Drohnen, lokalen Kontakten und offenen Quellen. Jurawlew gibt auf Grundlage dieses Monitorings folgende Zahlen für die aktuelle Entwicklung an:

– Im Jahr 2011 betrug die Bevölkerung innerhalb der Grenzen der von Idlib 2,6 Millionen Menschen. Ungefähr 800.000 Menschen verließen das Gebiet mit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen. Sie sind damals nach Zentralsyrien, in die Türkei und auch in europäische Länder geflüchtet.
– Am 1. Januar 2020 befanden sich nicht mehr als 1,8 Millionen Menschen auf dem von Terroristen (Anm.: die Russen meinen die Freie Syrische Armee und die diversen islamistischen Milizen) kontrollierten Territorium in der Gegend um Idlib.
– Bis zu 210.000 Menschen davon leben in dem von der Syrischen Armee im Januar-Februar 2020 befreiten Gebiet. Zusätzlich leben bis zu 50.000 Menschen im Gebiet der syrischen Armeeoperation im Süden von Idlib, südlich der Autobahn M4.

Syrien auf der Karte: links oben in hellgrün die Region um Idlib, rot das vom syrischen Regime beherrschte Territorium. Um Idlib sind sich auch die russische und die türkische Armee auf Seite der zwei Kampfparteien begegnet.

Das russische Militär betont, dass in diesem Zeitraum nicht mehr als 35.000 Menschen das Gebiet der Feindseligkeiten verlassen haben und in die Türkei gezogen sind. Bei diesen Menschen handelte es sich zumeist um Kämpfer militanter Gruppen (Hayat Tahrir al-Sham, die Islamische Partei Turkistans, Horas al-Dion) und ihre Familienmitglieder. Bis zu 50.000 Menschen sind aus dem Gebiet der aktuellen Feindseligkeiten in die von der Türkei kontrollierte syrische Region Afrin geflüchtet, und nicht mehr als 100.000 weitere sind in Richtung der syrischen Grenze zur Türkei gezogen.

Insgesamt, so die russischen Experten, seien nicht mehr als 70.000 Menschen aus der aktuellen Kampfgebiet um Idlib in das Gebiet der türkischen Operation „Olivenzweig“ (Afrin) abgewandert. Derzeit gibt es in der Nähe der türkischen Grenze etwa 200.000 vorübergehend Vertriebene. 85.000 von ihnen befinden sich in den Flüchtlingslagern „Hazano“, „Sarmada“, „Sheikh Hassan“, „Baskaria“, „Darkush“, „Salkin“.

Die Reconciliation Center Bulletins im Netz

Die russische Armee in Syrien im Netz. 

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Niemals wieder! Die Lehren des Jahres 2015 scheinen schon vergessen. Damals hat die Große Wanderung gezeigt, wie Migration sich quer durch den ganzen Kontinent zwingt. Haben manche anfangs noch von „Flüchtlingen“ gesprochen, denen man um jeden Preis helfen müsse, hat sich schnell herausgestellt, dass es den Massen in Bewegung darum geht, die Gebiete des größten Wohlstandes und der idealen Versorgung zu erreichen. Bei aller Freude am Helfen: selbst das Merkelsche Deutschland, das sich offiziell sicher war, dass es Großes vollbracht hat, war der Meinung, dass sich derlei niemals wieder wiederholen dürfe.

Jetzt scheint es so weit zu sein, dass es wieder los geht. Das Engagement des Türkei in Syrien, für das der kranke Mann am Bosporus Unterstützung haben will, dürfte den Dammbruch eingeleitet haben. Auch das Versiegen der Großen Wanderung 2015 war ja nicht organisch bewirkt, sondern durch einen faulen Kompromiss. Das lendenlahme EU-Europa, das seine Außengrenzen nicht sichern kann, hatte die Türkei dafür bezahlt, dass sie dafür sorgt, dass keine Migranten mehr nachkommen. Wer so schwach ist, macht sich erpressbar.

Nun geht es erneut los. Der Politologe Thomas Schmidinger, politisch keiner unserer Freunde, aber ein profunder Kenner der Situation im Nahen Osten, kommt zu einem eindeutigen Urteil: „Ich sag das ja schon seit ein paar Wochen aber jetzt steht die nächste Massenflucht nach Europa unmittelbar bevor. Wir werden in den nächsten Monaten 2-3 Millionen neue syrische Flüchtlinge in Europa haben. Sie werden selbst mit brachialer Gewalt nicht aufzuhalten sein, denn diese Menschen haben keinen Ausweg. Wer will, dass die politische Lage in Europa nicht völlig kippt muss jetzt alles daran setzen das vernünftig und menschenwürdig zu managen und dafür nötige Einrichtungen und Personal zur Verfügung zu stellen!“

Wir wollen hoffen, dass er nicht Recht hat. Aber so recht glauben können wir das nicht. Europa bleibt keine Festung, ist weiter geschwächt von der Merkelschen Politik. In Österreich simuliert Sebastian Kurz zwar Sicherheit, allerdings angekränkelt von seinem grünen Koalitionspartner. Zusammen werden sie die Situation nicht bewältigen können. Die Balkanroute war wohl nie vollständig dicht, ob sie bald wieder in volle Funktion geht, werden wir die nächsten Tage und Wochen über sehen. Und das mit dramatischen Bildern. Bei allem Gerede von der Normalität der Integration: Migration ist ein politisches Haupt- und Schicksalsthema.

Die Geschichte darf sich nicht wiederholen!

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