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Der zweite Band der Reihe, der Almanach für 2021, rückt als thematischen Schwerpunkt das Verhältnis zwischen Philosophie, Theologie und Dichtkunst in den Vordergrund.

Die Beiträge beleuchten die Rolle, die Poesie und Literatur für das Nachdenken über die letzten Fragen und die Urgründe des Daseins spielen – ein Spektrum an spannungsvollen, aber auch fruchtbaren Wechselbeziehungen!

Wodurch zeichnen sich die Interpretationsbemühungen christlicher Denker aus, was macht ihre Auseinandersetzung mit großer Literatur zu etwas Besonderem?

Der Band bietet Studien und Werkstattberichte u. a. zu John Henry Newman, Romano Guardini, Walter Nigg, Josef Pieper und Hans Urs von Balthasar. Zu den Autoren zählen neben den Herausgebern u. a. Christoph Böhr, Thomas Möllenbeck, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz und Berthold Wald.

Das Buch „Lepanto-Almanach – Jahrbuch für christliche Literatur und Geistesgeschichte“ können Sie

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Das Enthüller-Buch des Jahres!

Bisher unveröffentlichte Enthüllungen über die wahre Macht von Sebastian Kurz und der ÖVP.

Der Enthüller Hans-Jörg Jenewein hat für seine Recherchen sogar eine Hausdurchsuchung geschenkt bekommen, weil er sich manche der türkis-schwarzen Akteure zu genau angesehen hat.

HIER können Sie „Der schwarze Faden“ vorbestellen!

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Zu den Hausdurchsuchungen und den neu aufgetauchten Chat-Nachrichten im Umfeld von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) war Hans-Jörg Jenewein zu Gast im „Info-DIREKT“-Podcast.   

Hans-Jörg Jenewein beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den Netzwerken der ÖVP. Im „Info-DIREKT“-Podcast gibt er einen fundierten Einblick in die mutmaßlichen Machenschaften von Sebastian Kurz und seiner türkisen „Familie“.

Zudem erzählt er über sein Buch „Der schwarze Faden“ aus der Buchreihe FREILICH POLITIKON, das in den nächsten Wochen im erscheint (hier vorbestellen). Brisant: Jenewein geht davon aus, dass mit einer Hausdurchsuchung, die bei ihm stattgefunden hat, die Erscheinung seines Buches verhindert werden hätte sollen.

Am Ende des Podcasts unterhalten sich Jenewein und Michael Scharfmüller darüber, was zum politischen Ende des Sebastian Kurz führen könnte.

Info-DIREKT gibt Patrioten in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol eine starke Stimme. Das Magazin erscheint sechs Mal im Jahr und bietet auf mindestens 44 Seiten, Reportagen, Interviews, Hintergrundinformationen, Kommentare und Berichte zu Themen, die für Patrioten von Interesse sind. Ein Info-DIREKT-Abonnement können Sie HIER BESTELLEN.


Der Einfluss der ÖVP zieht sich wie ein schwarzer Faden durch die Republik. Wie, erklärt ein neuer Band der FREILICH-Buchreihe „Politikon”.

Aus den Unterlagen der verschiedenen U-Ausschüsse wird so ein beeindruckendes Porträt der Durchsetzung des Staates mit „politisch zuverlässigen” Günstlingen. Austria as it is.

„Der schwarze Faden“ von Hans-Jörg Jenewein erscheint demnächst.

HIER können Sie „Der schwarze Faden“ vorbestellen!

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Der Einfluss der ÖVP zieht sich wie ein schwarzer Faden durch die Republik. Wie, erklärt ein neuer Band der Reihe FREILICH POLITIKON.

Hans-Jörg Jenewein, Autor und ehemaliger FP-Abgeordneter, kann ein Lied auf den schwarzen Staat singen. Der Enthüller hat eine Hausdurchsuchung geschenkt bekommen, weil er sich den BVT-Apparat und seine politischen Einflussnehmer zu genau angeschaut hat.

Die wird das FREILICH POLITIKON 3 „Der schwarze Faden“ sicher sehr stören. Die österreichische Realverfassung ist: Das Land gehört den Parteien. Nach „Ibiza“ hat sich herauskristallisiert, wie die ÖVP arbeitet und ihren Besitz gestaltet. „Der schwarze Faden“ zieht sich quer durch die Republik, streift viele Skandale, wird in Ministerien zu veritablen Seilschaften, schlingt sich um Sebastian Kurz und seine Männer, die gemeinsam an der türkisen Republik arbeiten.

Aus den Unterlagen der verschiedenen U-Ausschüsse wird so ein beeindruckendes Porträt der Durchsetzung des Staates mit „politisch zuverlässigen“ Günstlingen. Austria as it is.

„Der schwarze Faden“ von Hans-Jörg Jenewein (200 Seiten, 19,90 €)

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Um das Haus Rothschild ranken sich unzählige Mythen und Legenden. Doch selbst wenn man alle Gerüchte abzieht, so bleibt unverrückbar: der einzigartige Aufstieg einer Großfamilie zur ersten Finanzmacht Europas.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelang es Meyer Amschel Rothschild, dem Gründer der Rothschild-Dynastie, ein florierendes Geschäft als Münz- und Wechselhändler aufzubauen. Bereits früh knüpfte er Kontakte zu den deutschen Adelshäusern und führte schließlich deren Finanztransaktionen in ganz Europa durch.

Parallel mit dem wachsenden Einkommen wuchs auch die Familie und so nahm er 1810 seine Söhne als Teilhaber in das Familiengeschäft auf und gründete das Bankhaus »Meyer Amschel Rothschild & Söhne«. Nach seinem Tod bauten seine fünf Söhne von Frankfurt, London, Paris, Wien und Neapel aus das Geschäft weiter aus.

Bis zum Ersten Weltkrieg waren die Rothschilds nicht nur die weltweit bedeutendste Privatbank mit einer dominierenden Stellung bei der Finanzierung der europäischen Staaten, sie schufen auch einen in zahlreichen Ländern operierenden Unternehmenskomplex.

Egon Caesar Conte Cortis Erzählung ist der Klassiker über die berühmteste Bankiers-Dynastie der Welt. Mit Bravour gelingt es ihm, das Geschäft mit Staatsanleihen und der Vermögensverwaltung ebenso zu beleuchten wie die familiären Verflechtungen und die Kontakte zu den mächtigsten Politikern und Monarchen ihrer Zeit – eine einzigartige Familienchronik, die zugleich offenlegt, wie Reichtum unmittelbar Einfluss auf die Politik nehmen kann.

„Die Rothschilds – Des Hauses Aufstieg, Blütezeit und Erbe“ können Sie HIER im FREILICH Buchladen bestellen



Neues Jahr, neue Inhalte. FREILICH startet die Buchreihe POLITIKON. In Band 2 schreibt Irfan Peci über den Ruf der Islamisten. Wer ihn verbreitet, wer ihm folgt und wie man ihn zum Schweigen bringt.

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Wenn der Mainstream nicht mehr stimmt, braucht es eine lebendige Gegenöffentlichkeit. Die freien Medien haben längst ihren Platz im deutschen Journalismus. Doch wer sind sie und was ist das Geheimnis ihres Erfolgs?

Ja, das Internet hat die Welt des traditionellen Journalismus auf den Kopf gestellt. „Content“ geht vor Inhalt, „Clicks“ vor Tiefe, Gefühl vor Fakten. Der soziologisch versierte Jurist und Publizist Thor v. Waldstein kritisiert: „Die um die Jahrhundertwende grassierende Euphorie, die neuen technischen Möglichkeiten führten mehr oder weniger von selbst zu einer ‚flüssigen Demokratie‘, ist längst realistischeren Bewertungen gewichen. Die ‚Piraten‘-Blauäugigkeit, ‚dass Technik eine automatische Quelle emanzipatorischer Transformation darstellt‘, hat sich als Irrglaube erwiesen.

Dieser Artikel ist in FREILICH 05 erschienen. HIER Abo zeichnen und keine Ausgabe mehr versäumen!

Die ‚Bewusstseinsindustrie‘ (Hans Magnus Enzensberger) hat sich zwar z. T. demokratisiert, aber auch und gerade in den neuen Medien menschelt es an allen Ecken: Verkürzungen, Verzerrungen, Bild- und Textmanipulationen, Feindbildmechanismen bis zu ungefilterter Propaganda sind im Netz eine Quelle täglichen Ärgernisses.“

„Clickbaiting“ ist das Wort der Stunde. Der Ausdruck bezeichnet laut textbroker.de „eine Technik, Inhalte im Internet mit Überschriften oder Bildern anzupreisen, die beim Nutzer in der Regel überzogene Erwartungen wecken“. Dieses Phänomen, bereits aus dem Boulevardjournalismus bekannt, gewinnt angesichts der kurzen Aufmerksamkeitsspanne der „User“, ihrer Reizüberflutung und des hohen Konkurrenzdrucks zunehmend an Bedeutung.

„Wie Drogensüchtige sind ununterbrochen vernetzte ‚User‘ auf der Jagd nach Affirmation durch völlig fremde Menschen, nach dem nächsten ‚Herz‘, ‚Like‘ oder einer Top-Bewertung und damit messbar einhergehenden Dopaminstößen, die abhängig machen und längst gezielt von der Industrie instrumentalisiert werden.“ So beschreibt der Publizist Nils Wegner die Digital- und Kommunikationskultur im 21. Jahrhundert.

Es sind nicht zuletzt Fakten wie diese, die den Erfolg der alternativen Medien ausmachen – ungeachtet ihres politischen Hintergrundes. Denn auch etablierte Zeitungen wie „Welt“ oder „Bild“ haben die Spielregeln der digitalen Kommunikation verstanden und für sich nutzbar gemacht. Regelmäßig belegen sie mit ihren Beiträgen die ersten Plätze der „News-Charts“ des Bewertungsportals „10000 Flies“.

Spätestens seit dem erfolgreichen Wahlkampf Donald Trumps ist im Internet ein Kampf um die Meinungshoheit entbrannt. Die Unmittelbarkeit der „sozialen Netzwerke“, die Sender und Empfänger in eine völlig neue Beziehung zueinander stellt und die Verbreitung von Informationen in Echtzeit ermöglicht, gepaart mit dem Vorzug anonymer Teilhabe am Diskurs hat zu einer Dynamisierung sozialer Kommunikation geführt. Aus dieser Perspektive besehen hat das Internet einen korrigierenden Einfluss auf politische Entwicklungen. Dennoch sind frenetische Jubelchöre ob dieses „Demokratisierungspotenzials“ des Internets unangebracht. Auch die Schattenseiten verdienen Beachtung.

„Flood them with shit“

„Flood them with shit“ – überschwemmt sie mit Scheiße. Das hat Steve Bannon einmal über die Medien gesagt: „Überschwemmt sie mit Scheiße, um sie unglaubwürdig zu machen.“ So begann Medienanwalt Höcker seine „Vorlesung“ über journalistische Ethik vor den Vertretern der freien Medien, die sich auf Einladung der AfD im Bundestag versammelt hatten. Doch er warnte: „Das kann nicht Ihr Anspruch sein.“ Vordergründig verweist seine Mahnung auf vermeintlich netzspezifische Eigenheiten wie das „Clickbaiting“, die Verbreitung sogenannter Fake News, „alternativer Fakten“ oder Halbwahrheiten.

Auch für Petr Bystron ist klar: „Die Kritik am Clickbaiting ist begründet.“ Doch dabei handele es sich „mehr um eine Frage des Stils als des Inhalts“, so der Abgeordnete. Der Erfolg der freien Medien beruhe nicht zuletzt auf dem Umstand, „dass viele Bürger sich von den Mainstreammedien nicht zuverlässig informiert fühlen“. Dennoch unterstellen etablierte Medien und Politiker gerade den sich selbst als konservativ oder rechts verortenden Medien gezielte Desinformation des eigenen Publikums.

Diese Haltung ohne Weiteres als Regierungspropaganda abzutun genügt nicht, um im Raum stehende Vorwürfe zu entkräften. Es genügt auch nicht, auf die Unsauberkeiten und Skandale der etablierten Medien hinzuweisen, wenn nicht gewährleistet ist, dass die eigene Arbeit journalistischem Anspruch genügt.

Diesen Anspruch formulierte der Journalist Hanns Joachim Friedrichs im Jahre 1995 (ausgerechnet) in einem „Spiegel“-Interview folgendermaßen: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.“

Mittlerweile hat sich an der Front zwischen alten und neuen Medien sogar ein völlig neues Berufsbildfür Journalisten entwickelt, nämlich das des „Faktencheckers“ – jemand, der Nachrichteninhalte auf ihre Richtigkeit überprüft und anschließend bewertet. Eine unabhängige Instanz, die sich dem Kampf für Wahrheit verschrieben hat – wenigstens auf dem Papier. Das bereits erwähnte Recherchenetzwerk „Correctiv“ hat den Anspruch, „gezielt Desinformation zu bekämpfen“, und kooperiert dabei u. a. mit Facebook. Auch wenn sich „Correctiv“ um einen Anschein von Transparenz be- müht, verdient diese Zusammenarbeit im Dienste der „Wahrheit“ kritische Aufmerksamkeit. Anspruch und Wirklichkeit klaffen auch bei den „Faktencheckern“ weit auseinander.

„Faktencheck“ im Faktencheck

Wie steht es um die Unabhängigkeit von „Correctiv“? Ein Blick auf die Website verrät, dass hinter dem Projekt mehrere linksliberal orientierte, finanzstarke Stiftungen stehen, darunter etwa die Rudolf-Augstein- Stiftung, das Omidyar-Netzwerk sowie die Soros-Gründung Open Society Foundations, die zusammen mehr als 700.000 Euro in die Arbeit der „Correctiv“- Journalisten investierten. Doch auch inhaltlich sind wenigstens Zweifel an der objektiven Haltung der „Faktenchecker“ angebracht. So berichtet etwa die Initiative „Ein Prozent“ über einen Fall, in dem es diese mit der Recherche nicht allzu genau nahmen. Anlass dazu bot ein Bericht des „Wochenblicks“, der insgesamt mehr als 8000-mal auf Facebook geteilt wurde. Die „Faktencheckerin“ Alice Echtermann bemängelte in erster Linie die „falsche“ Auslegung von Statistiken des Bundeskriminalamtes durch den „Wochenblick“. Die Recherche von „Ein Prozent“ zeigt jedoch, dass es sich lohnt, „Faktenchecks“ kritisch zu hinterfragen.

Die Fakten sprachen nämlich durchaus die Sprache des „Wochenblick“- Artikels – ungeachtet dessen auf „Clickbaiting“ ausgelegten Stils. Das Urteil von „Ein Prozent“ über die „Faktenchecker“: „Es geht ihnen nicht um die transparente und kritische Darstellung journalistischer Unsauberkeit, sondern um die Bedienung klassischer Vorurteile gegenüber alternativen Medien und politischen Gegnern. Da, wo es passt, werden Quellen ignoriert, Fakten relativiert oder Definitionen nach eigenem Bedarf angepasst – auch wenn diese gängigen Mustern zuwiderlaufen.“

Die Kritik des Journalisten Kolja Zydatiss an der Kooperation von Facebook und „Correctiv“ geh in eine ähnliche Stoßrichtung. Es sei, so Zydatiss, „bedenklich, wenn sich private Unternehmen auf diese Weise zu Schiedsrichtern der Wahrheit aufschwingen. Viele Meldungen sind kontrovers, interpretationsfähig oder unklar. Oft beziehen sich Fake News auf Ereignisse, die nicht frei erfunden, aber übertrieben, tendenziös und, ja, in Teilen auch falsch oder unwahr wiedergeben werden. Das beste Korrektiv gegen solche Berichterstattung ist aber nicht die stumpfe – an die ‚Lebensmittelampel‘ erinnernde – Kennzeichnung von News als ‚zweifelhaft‘, sondern eine lebendige Debattenkultur.“

Zumal der tatsächliche Einfluss „bewusst unwahrer Nachrichten“ enorm überschätzt werde. Dennoch wird mittlerweile offen über eine Klarnamenpflicht im Internet und die Zensur sogenannter „Hate Speech“ diskutiert. Das von Heiko Maas (SPD) initiierte Netzwerkdurchsetzungsgesetz, kurz NetzDG, zielt bereits auf die Beschneidung der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit. Auch die weiter schwelende Uploadfilter-Debatte schürt die Sorge über widerrechtliche Eingriffe in die Privatsphäre und eine Zensur legaler Inhalte.

Wie wir gesehen haben, ist die Welt der alternativen Medien mitnichten eine der Freiheit. Ungeachtet der Fakten geht es den beteiligten Akteuren dies- wie jenseits des Grabens um die Vermittlung von Gefühlen. Kurz: Die Oberhand gewinnt derjenige, der die beste Geschichte erzählt. Dieser Zwang zum Narrativ treibt zum Teil schauerliche Blüten. Etwa im Fall des mehrfach preisgekrönten „Spiegel“-Journalisten Claas Relotius, der im Dezember 2018 der bewussten Fälschung in zahlreichen Beiträgen und Interviews überführt wurde. Aber: Relotius fiel nicht vom Himmel.

Die „taz“ schreibt: „An Journalistenschulen lernt der Nachwuchs, dass Reportagen beim Leser ‚Kino im Kopf ‘ erzeugen sollen, dass ein guter Text starke ‚Protagonisten‘ braucht und einen ‚Konflikt‘, dass die ‚Dramaturgie‘ des Textes wichtig ist. Man lernt, die Texte nicht Artikel zu nennen, sondern ‚Geschichten‘. Journalistenschüler belegen ‚Storytelling‘-Seminare, als schrieben sie für Netflix. […] Die Inszenierung von Reportagen ist aber auch Teil des Problems. Der Begriff ‚Geschichte‘ ist eben sehr nah an ‚Märchen‘, es scheint verführerisch, hier und da ein bisschen auszuschmücken.“

Geschichten oder Aufklärung?

Dennoch droht der Fall Relotius, den wichtigsten Aspekt der Machterhaltungsstrategie deutscher Journalisten zu verstellen, nämlich das Verschweigen wesentlicher Aspekte. „Denn zur Wahrheit gehört die (jedenfalls annähernde) Vollständigkeit“, meint Thor v. Waldstein. Medienberichte, in denen Wesentliches weggelassen wird oder nur ausgewählte Informationen einen Platz finden, gibt es zuhauf – etwa im Hinblick auf die Herkunft von Gewalttätern.

Im Pressekodex des Deutschen Presserates heißt es dazu: „Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“ Doch wer definiert, wann ein „begründetes öffentliches Interesse“ besteht? Insbesondere in Zeiten des subjektiven „Haltungsjournalismus“ eine Frage von höchster politischer Brisanz.

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Gerade in diesem Kontext gewinnt die Existenz freier, unabhängiger oder alternativer Medien Bedeutung. Indem diese dort ansetzen, wo der Mainstream versagt, ermöglichen sie dem kritischen Publikum einen alternativen Zugang zu sozialen Realitäten und tragen damit zu Aufklärung und Information bei. Nichtdestotrotz verkehrt sich diese Funktion dort in das Gegenteil, wo die Fehler und Strategien der Etablierten unter anderen Vorzeichen übernommen werden.

Denn die moralisierend-belehrende Gleichsetzung von subjektiver Meinung und objektiver Aufklärung ist hüben wie drüben gleichbedeutend mit einer Abkehr vom chronografischen Charakter des journalistischen Handwerks.  

Wenn Geschichten erzählt werden müssen, dann bitte nur möglichst wahre. Auch wenn der Begriff „Fake News“ längst zur inhaltsleeren Worthülse degradiert wurde, strotzen soziale Netzwerke und Blogs vor allerlei Falschmeldungen. Welche Gefahren auf denjenigen lauern, der Beiträge unkritisch übernimmt, weil sie gut in das eigene Weltbild passen, zeigte die „Sokal-Squared“-Kontroverse. In den Jahren 2017 und 2018 publizierten drei US-Wissenschaftler zahlreiche mit haarsträubenden Thesen gespickte Hoax-, d. h. gefälschte Beiträge in Fachzeitschriften für „Gender Studies“.

Trotz himmelschreiender Unwissenschaftlichkeit bestanden sieben von insgesamt 20 Beiträgen die Peer-Review, vier wurden anschließend veröffentlicht. Nach Bekanntwerden des Skandals erlitten die betroffenen Publikationen einen großen Imageschaden. Ein grundsätzlicher Haltungswandel hat jedoch nicht stattgefunden.

Nicht nur die Rechten

Wer nun glaubt, dass freie Medien zwingend in Opposition zur herrschenden Mainstreammeinung stehen müssen, täuscht sich. Es gibt neben den patriotisch-oppositionellen Formaten, die sich im weiteren Umfeld des Rechtspopulismus bewegen, auch einige Beispiele von freien Journalisten, die sich nicht mit der Mosaik-Rechten identifizieren. So betreibt der Journalist Tilo Jung seit 2013 das Interviewformat „Jung & Naiv“. Dabei lässt Jung auch Andersdenkende zu Wort kommen. Das Konzept geht auf: Mehr als 340.000 Nutzer folgen seinem YouTube-Kanal. Seine Gesamtreichweite liegt bei mehr als 72,2 Millionen Aufrufen. Seine Arbeit finanziert Jung mittels Crowdfunding und Spenden.

2014 gewann er den Grimme Online Award für „Idee und Moderation“. Jung ist ein Profi und mit den Problemen des Mainstreamjournalismus vertraut: „Das Hauptproblem scheint mir, dass immer weniger Leute immer mehr machen müssen. Die fehlende Zeit für Recherche ist schädlich für den Journalismus an sich, und es ist besonders schade, dass das auch für die Öffentlich-Rechtlichen gilt. Gerade die könnten ja das Gegenbeispiel  um kommerziellen Journalismus sein“, so Jung. Er selbst setzt dagegen auf ein alternatives Rezept: „Ein Gesprächspartner und jede Menge Zeit. […] Interessante Interviews brauchen schlicht und einfach Zeit.“

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt das österreichische Projekt „Addendum“. Es geht auf eine Initiative des Red-Bull-Gründers Dietrich Mateschitz zurück. Dieser hatte 2017 eine gemeinnützige Stiftung ins Leben gerufen, die als Gründerin der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH (QVV) auftrat. Als QVV-Chefredakteur  zeichnet der renommierte Journalist Michael Fleischhacker, Ex-„Presse“-Chefredakteur und Moderator des TV-Formats „Talk im Hangar-7“, für „Addendum“ verantwortlich.

Der Schwerpunkt der Redaktion liegt auf investigativem Journalismus. Dabei sei es wichtig, „dass die Themen den Anspruch erfüllen, etwas zu erzählen, was bisher am  österreichischen Medienmarkt ‚fehlte‘“, so die Eigendefinition. Die bislang publizierten Recherchen zeichnen sich in der Tat durch ihre kritische Sachlichkeit und parteipolitische Neutralität aus.

Diesen Grundsätzen bleibt Fleischhacker auch dann treu, wenn er ins Fadenkreuz der Mainstreampresse gerät, etwa als er 2016 den identitären Aktivisten Martin Sellner zum „Talk im Hangar-7“ einlud oder den „neurechten“ Verleger Götz Kubitschek zu Wort kommen ließ, ohne sich mit diesen gemeinzumachen. Bereits zum Projektstart erklärte Fleischhacker, „dass die Ressourcen der Stiftung und die Energien der Mitarbeiter ausschließlich in die Recherche fließen […], um so zur Wiederherstellung einer soliden Faktenbasis als Grundlage für eine qualifizierte, ruhig auch kontroversielle politische und gesellschaftliche Debatte beizutragen“.

Wem gehört die Zukunft?

In einer 2018 ebenfalls von der eingangs erwähnten Otto-Brenner-Stiftung veröffentlichten Studie mit dem Titel „Deutschlands Blogger. Die unterschätzten Journalisten“ beschäftigen sich die Kommunikationswissenschaftler Olaf Hoffjann und Oliver Haidukiewicz damit, wie ähnlich sich traditionelle Journalisten und Blogger wirklich sind, bezogen auf das jeweilige „Rollenselbstverständnis, das Qualitätsverständnis sowie den Umgang mit PR und Schleichwerbung“. Das Ergebnis: Blogger sind Journalisten deutlich ähnlicher als gedacht.

Die Autoren schließen an das Ergebnis mit der Frage an, ob diese Ähnlichkeit ausreiche, „Blogs schon jetzt als ernsthafte Konkurrenz für den professionellen Journalismus anzusehen“. Hoffjann und Haidukiewicz prognostizieren, dass insbesondere im Bereich des Politikjournalismus vorerst keine allzu großen Veränderungen zu erwarten sind, da hier klassisch-journalistische Angebote deutlich vor politischen Blogs liegen – gemessen an der monatlichen Besucherzahl.

Dennoch weist der Trend nur in eine Richtung: Gerade Jugendliche informieren sich hauptsächlich über das Internet. Laut einer Studie des Internationalen Zentralinstitutes für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) bezieht ein Großteil der 14- bis 24-Jährigen Informationen über aktuelle gesellschaftliche und politische Ereignisse aus Onlinemedien oder sozialen Netzwerken.

Dass sich der Informationskampf im Netz ausweiten wird, steht daher außer Zweifel. Welche Rolle jedoch der Mainstreamjournalismus dabei noch spielen wird, ist keineswegs geklärt. Gelingt es den alternativen Medien, das Informationsmonopol des Establishments zu brechen, oder schaffen die etablierten Medien die Wende? Die Berichterstattung über den Mord an einem Achtjährigen am Frankfurter Hauptbahnhof zeigt jedenfalls, dass sie aus ihren Fehlern bislang nichts gelernt haben.

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Neues Jahr, neue Inhalte. FREILICH startet die Buchreihe POLITIKON. In Band 2 schreibt Irfan Peci über den Ruf der Islamisten. Wer ihn verbreitet, wer ihm folgt und wie man ihn zum Schweigen bringt.

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Wirksame österreichische Wirtschafts- und Standortpolitik“ von Axel Kassegger ist unser aktuelles Buch im FREILICH Buchklub. Als FREILICH Buchklub-Mitglied erfahren Sie, warum nicht Corona an allem schuld ist und wie die österreichische Bundesregierung in der Krise versagt. Denn Ihr FREILICH Buchklub liefert regelmäßig handverlesene Literatur, die man gelesen haben muss.

Axel Kassegger ist FPÖ-Sprecher für Außenpolitik und Energie im Nationalrat und seit über 20 Jahren an der Schnittfläche zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik tätig. Er bietet mit diesem Buch einen vielschichtigen, ganzheitlichen Zugang zur Thematik.

So analysiert der Autor die zahlreichen Problemfelder der österreichischen Wirtschafts- und Standortpolitik und schlägt effektive Lösungen vor. Von Föderalismus bis EU-Versagen, von Globalisierung bis Sozialstaats- und Bankenreform: Beispiellose Zeiten erfordern ganz neues Denken – für Österreich und ganz Europa – Axel Kassegger macht dabei den Anfang!

Und so funktioniert’s

Als Kenner der patriotischen Medienlandschaft haben wir den Finger am Puls der Zeit. Wir haben den Überblick, welcher Autor welche Lösungsansätze parat hält und welche Bücher es wert sind, dazu gelesen zu werden.

Als Mitglied des FREILICH Buchklubs senden wir Ihnen regelmäßig das beste Buch zum aktuellsten Thema (Durchschnittspreis rund EUR 25,00 pro Buch, zzgl. Versandkosten). Der FREILICH Buchklub liefert spannende Themen und politische Bildung aus der Feder renommiertester Autoren.

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Wenn der Mainstream nicht mehr stimmt, braucht es eine lebendige Gegenöffentlichkeit. Die freien Medien haben längst ihren Platz im deutschen Journalismus. Doch wer sind sie und was ist das Geheimnis ihres Erfolgs?

Soll keiner sagen, er hätte es nicht gewusst. „Wenn die meinungsprägenden Leitmedien gesellschaftspolitisch brisante Vorgänge thematisieren, sind sie […] auf die Machtelite fixiert; sie informieren nach Maßgabe klassischer Nachrichtenfaktoren, die keine kritischen Rückfragen an die Quellen und opponierende Akteure vorsehen.“

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Ein harsches Urteil, gefällt von dem renommierten Leipziger Medienwissenschaftler Michael Haller. In seiner aufsehenerregenden Studie „Zwischen ‚Flüchtlingskrise‘ und ‚Migrationspakt‘“ arbeitet Haller die journalistischen Mängel bei der Berichterstattung im Vorfeld der Unterzeichnung des UN-Migrationspaktes heraus.

Veröffentlicht von der gewerkschaftsnahen und damit  jeglicher rechtspopulistischen Einflussnahme unverdächtigen Otto-Brenner-Stiftung spart das Papier in seiner Analyse nicht mit Kritik an den etablierten Medien. Insbesondere nimmt Haller Anstoß an der Nähe des deutschen Journalismus zu den Machtzentren und der unkritischen Berichterstattung über Regierungsentscheidungen. Er spricht von „meinungsgesättigten Formulierungen“, „besserwisserischer Prophetie“ oder „gesinnungsethischer Haltung“ – Punkte, die die Etablierten in den vergangenen Jahren so manches Abo gekostet haben dürften.

Was Haller in dem knapp 60 Seiten starken Dokument skizziert, ist die Krise eines Berufsstandes, hin- und hergerissen zwischen Berufsethos und persönlicher (Hyper-)Moral. Eine Krise, die sich nicht nur durch die Redaktionsstuben, sondern durch die gesamte politische Landschaft zieht – und dabei die Karten des Möglichen neu mischt.

Fast sieben Jahrzehnte lang währte die uneingeschränkte Meinungshegemonie der nach 1945 etablierten Medien. Doch der Wind, der bislang kräftig in ihre auflagenstarken Segel blies, flaut merklich ab. Das liegt nicht nur an den veränderten Methoden der Informationsbeschaffung im digitalen Zeitalter, sondern auch an dem falsch verstandenen „Erziehungsauftrag“ der Redaktionen.

Die Pluralisierung der Infokanäle versetzte die etablierten Medien in eine ungewohnte Konkurrenzsituation. Aus Informationsvermittlung wurde  Meinungskampf im Namen der Pressefreiheit – oder eher dessen, was davon noch übrig ist. Die Garantie des unmittelbaren Kontaktes zwischen Medium und Publikum prädestinierte das Internet zur wichtigsten Kampfzone in der Auseinandersetzung zwischen den Etablierten und alternativen Medien, Bloggern und YouTubern. Letztere rütteln am bisherigen Informationsmonopol der „traditionellen“ Printmedien. Sie agieren in einem Bereich, der sich bislang staatlicher oder „zivilgesellschaftlicher“ Zugriffe entzog.

Doch wer sind diese neuen Akteure, die in die verwundbare Flanke der deutschen Presselandschaft hineinstoßen, und wie verändern sie mit ihrer Arbeit unsere Art zu leben, zu denken und zu sprechen? Bedrohen sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt oder füllen sie eine Lücke, die der deutschsprachige Journalismus zu lange unbesetzt ließ?

Schillernde Vielfalt

Einer der Unterstützer der freien Medien ist Petr Bystron. Bystron, Jahrgang 1972, wuchs in der Tschechoslowakei auf. Als er 15 war, entschlossen sich seine Eltern zur Flucht in den Westen. In München studierte er Ökonomie und Internationale Beziehungen, wurde FDP-Mitglied. 2013 folgte der Wechsel zur AfD. Aufgrund seiner Sympathien für die Identitäre Bewegung wurde er vom bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet. Seit 2017 sitzt er für die AfD im Deutschen Bundestag und fungiert dort u. a. als Obmann des Auswärtigen Ausschusses.

Für Bystron ist klar: „Früher waren Medien einem gewissen Objektivitätsstandard verpflichtet; wenn man die ‚SZ‘ oder ‚New York Times‘ von vor zehn Jahren liest, findet man eine ganz andere Art der Berichterstattung. Heute ist dieses Neutralitätsgebot einem sogenannten Haltungsjournalismus gewichen.“ Das habe zur Folge, „dass alle Leser, die wissen wollen, warum die AfD, die FPÖ, Donald Trump, Nigel Farage oder Viktor Orbán dieses oder jenes gesagt oder getan haben, sich bei  lternativen Medien wie ‚PI-News‘, ‚Jouwatch‘, ‚Achse des Guten‘ oder ‚Tichys Einblick‘ informieren müssen“, so der Abgeordnete.

In dieser Antwort klingt bereits an, was dem geneigten Beobachter der Mosaik-Rechten, die sich in den vergangenen vier bis fünf Jahren ausgebildet hat, längst bekannt ist: Der Begriff der freien Medien umfasst eine große Bandbreite an Meinungen, Methoden und  Einflüssen. Sie reicht von dezidiert bürgerlich-konservativen Medien über antiislamisch-liberal orientierte bis hinzu progressiven Formaten. Diese treten als traditionelle Printmedien in Erscheinung, als Nachrichten- und persönliche Blogs oder gar via YouTube. Dabei verhehlen sie ihre politische Agenda nicht, sondern ordnen sie den eigenen Interessen unter.

Darin unterscheiden sie  sich nicht von den etablierten deutschen Medien, über die der US-Medienexperte Jay Rosen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schreibt: „Deutsche Journalisten betrachten es als ihre Aufgabe, für die Rechte von Minderheiten einzutreten und zu verhindern, dass Links- oder Rechtsextreme den öffentlichen Raum kapern.“ Der Meinungsjournalismus ist ein deutsches Phänomen, das jedoch seit dem US-Wahlkampf 2016 auch ein international erfolgreicher Exportschlager ist. Es ist ein regelrechter Informationskrieg entbrannt.

Pioniere des freien Journalismus

Doch bevor es überhaupt zu einem solchen Krieg kommt, braucht es schlagkräftige Kombattanten. Und an diesen fehlte es in Deutschland lange Zeit. Als Pionier des patriotischen Journalismus betrat die „Junge Freiheit“ (JF) 1986 erstmals die Bühne des deutschen Pressewesens. Damals deutete wenig auf die erfolgreiche Etablierung eines Blattes hin, das erklärtermaßen abseits des Mainstreams wandeln wollte. 33 Jahre später ist die JF aus dem konservativen Blätterrauschen nicht mehr wegzudenken und eine feste Größe im Konzert der freien Medien.

Eingeordnet irgendwo zwischen den konservativen Resten der Unionsparteien, wirtschaftsliberalen AfD-Kräften und bürgerlich-liberaler FDP hat sich die JF unter Chefredakteur Dieter Stein als Medium derjenigen etabliert, die den Anschluss an die ominöse „Mitte der Gesellschaft“ suchen. In den Augen des Establishments markiert die JF nach wie vor die Schwelle zur rechten „Schmuddelecke“. Laut Zahlen der „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern“, kurz IVW, hat die JF ihre verkaufte Auflage seit 2008 jedoch von 16.389 auf 31.079, also um mehr als 89 Prozent steigern können.

Diese Reichweitensteigerung sucht im Printbereich ihresgleichen. Und sie ist symptomatisch für den rechten Aufbruch, der sich spätestens seit 2015, aber auch schon länger bemerkbar macht. Dieser Aufbruch ist keine Jugendrevolte, wie etwa die Ereignisse im Jahre 1968, sondern wird gerade von jenen getragen, die sich mit den Ausgeburten des linksprogressiven Liberalismus, der Globalisierung, der Grenzöffnung bzw. Entgrenzung, den feuchten Träumen einer sich selbst genügenden, entwurzelten Jugend nicht (mehr) anfreunden können oder wollen.

Trotz des Aufbaus einer Onlineredaktion liegt der Schwerpunkt der journalistischen Arbeit am Hohenzollerndamm in Berlin weiter auf den wöchentlich erscheinenden Druckausgaben. Projekte wie die JF, das Monatsmagazin „CATO“, die rechtsintellektuelle „Sezession“, aber auch „Freilich“ repräsentieren den konservativen Hang zum Haptischen und Handwerklichen. „Print ist konservativ“, wie „Freilich“-Chefredakteur Ulrich Novak treffend analysiert.

Was die freien Medien stark macht

Aber: Ist konservativ auch Print? Die freien Medien beweisen, dass dem nicht so ist. Der Journalist und Blogger Andreas Unterberger bringt die Vorteile der alternativen Medien und gleichzeitig das Geheimnis ihres Erfolges auf den Punkt: Diese seien „kostengünstiger, vielfältiger, schneller und eine Folge des Qualitätsverfalls und der geistigen Verengung und Verflachung der meist linken Mainstream-Medien“. Welchen Einfluss diese alternativen Medien haben, zeigen exemplarisch die Zugriffszahlen des Blogs „Achgut“, auch bekannt als „Die Achse des Guten“: Im Juni 2019 lagen diese laut IVW bei 3,8 Millionen, mehr als 120.000 am Tag. Auch andere Angebote finden Anklang: „Tichys Einblick“, ein Projekt des ehemaligen „Wirtschaftswoche“-Chefredakteurs Roland Tichy, verzeichnete im selben Monat 2,8 Millionen „Visits“.

Auch wenn sich diese Zahlen gegenüber den 33,6 Millionen Besuchern auf dem Onlineangebot der „Welt“ oder den 74,2 Millionen von „Spiegel Online“ bescheiden ausnehmen,  kommen sie den knapp fünf Millionen Aufrufen der „taz“ schon recht nahe und zeigen, dass konservative Medien durchaus in der Lage sind, große Reichweiten zu erzielen.

Das hat mittlerweile auch die AfD verstanden. Am 11. Mai 2019 luden mehrere Bundestagsabgeordnete zur ersten „Konferenz der freien Medien“ in den Bundestag. Mehr als 100 Gäste – Journalisten, Blogger, YouTuber – folgten der Einladung. Das selbst ernannte Recherchenetzwerk „Correctiv“ schreibt dazu: „Wer  die Namen der Gäste googelt, stellt fest: Das sind Menschen,die mit ihren Artikeln und Videos eine alternative Realität schaffen, Angst und Bedrohung schüren.

Die AfD schätzt das anscheinend.“ Anwesend waren nicht nur die „Freilich“-Chefredaktion, sondern auch Vertreter der islamkritischen „Vereinigung der Freien Medien“, der aus dem Libanon stammende Journalist Imad Karim oder der renommierte Medienanwalt Ralf Höcker aus Köln.

Höcker referierte über journalistische Ethik in Zeiten von „Fake News“. Ein bekanntes Problem – auch der freien Medien. Fälle wie der des „Spiegel“-Journalisten Claas Relotius sind nur die Spitze des Eisberges und stimmen nachdenklich, zeigen sie doch die ganze Macht, die der moderne Journalismus in einer auf Information gründenden Gesellschaftsordnung entfaltet.

Der Gedanke des römischen Rechtsgrundsatzes „Audiatur et altera pars“ („Gehört werde auch die andere Seite“) ist in der deutschen Pressewelt längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Zahlen belegen: Obwohl die AfD 2017 als stärkste Oppositionspartei nach Union und SPD ins Parlament einzog, kamen im Juni 2019 nur 38 Politiker der rechtspopulistischen Partei in TV-Nachrichten zu Wort.

Allein die liberale FDP kam laut Statistik auf weniger Auftritte (26). Dem stehen 567 Auftritte von Unions- sowie 381 Auftritte von SPD-Politikern gegenüber. In bundesweiten Umfragen rangiert die AfD mit 13 bzw. 14 Prozent – etwa gleich- auf mit  den Sozialdemokraten – auf Platz 3. Das entspricht knapp 8,5 Millionen Wahlberechtigten – mehr als ein Zehntel der bundesdeutschen Bevölkerung. Trotzdem ist der politische Journalismus von einer starken Anti-AfD-Haltung geprägt.

Pauschal unterstellen etablierte Journalisten der Partei und ihren Anhängern wahlweise „Hetze“ oder „Menschenhass“. Vorstöße wie die des CDU-Mannes Peter Tauber, der nach der Ermordung seines Parteifreundes Walter Lübcke forderte, AfD-Politikern die Grundrechte zu entziehen, werden verteidigt, und patriotisch gesinnte Bürger, die von ihrem demokratisch garantierten Wahlrecht Gebrauch machen, werden in die Nähe extremistisch gesinnter Terrorgruppen gestellt. Sogenannte Rechtsextremismusexperten erhalten ein Forum – über ihren einschlägigen Hintergrund sehen die Medienmacher großzügig hinweg.

Beispiele dieser Art sind Legion. Besonders umtriebig sind die Österreicherin Natascha Strobl, der Münchner Tobias- Raphael Bezler, gern gesehener Gesprächspartner des öffentlich-rechtlichen Bayerischen Rundfunks, oder der pseudonym publizierende Chemnitzer „Johannes Grunert“, der sich insbesondere als Erfinder der „Hetzjagden“ auf Migranten in der drittgrößten Stadt Sachsens einen unrühmlichen Namen gemacht hat.

Die Liste dieser „Experten“ ließe sich weiter fortsetzen – und sie zeigt die Offenheit des gesamten journalistischen Milieus nach links bei gleichzeitiger Geschlossenheit nach rechts. Diese Haltung spiegelt sich auch in der Parteienpräferenz wider. Im Jahr 2010 gaben knapp 27 Prozent der Journalisten an, den Grünen am nächsten zu stehen, 15,5 Prozent der SPD und 4,2 Prozent der Linkspartei. In Zeiten von Klima-Hysterie und Greta-Wahn dürfte sich das Ungleichgewicht weiter zugunsten der Grünen verschoben haben. Vergleichbare Entwicklungen prognostizierten schon vor Jahrzehnten der US-Soziologe Charles Wright Mills in „The Power Elite“ sowie der bundesdeutsche Soziologe Helmut Schelsky in seinem Werk „Die Arbeit tun die anderen“.

Problem linker „Haltungsjournalismus“

Journalisten, die angesichts sozialer Hypes nicht vor Entzückung vom Bürostuhl fallen, sind rar. Doch das Bedürfnis einer immer größer werdenden Zahl von Menschen, die sich, vom Mainstream enttäuscht, auf die Suche nach alternativen Informationskanälen machen, verlangt nach Stillung. Die JF dazu: „Die ‚Lückenpresse‘ […], und damit verbunden das häufige Auslassen von relevanten Informationen, sorgt in der Bevölkerung für größer werdenden Unmut. Immer weniger Menschen sehen sich repräsentiert, immer mehr vermissen kritische Fragestellungen.“

Das Internet schafft Abhilfe. Wem das Mainstreamangebot nicht genügt, der ist nur wenige Klicks vom eigenen Blog oder dem eigenen YouTube-Kanal entfernt. Immer mehr nutzen diese Möglichkeit. Schätzungen gehen von 350.000 bis 2,5 Millionen Blogs in Deutschland aus. Die wenigsten sind politisch, und nur ein Bruchteil dieser hat nennenswerte Reichweiten.

Eine der erfolgreichsten deutschen Polit-Sites ist „PI-News“ mit mehr als sechs Millionen Besuchen im Monat. „PI“, kurz für „Politically Incorrect“, hat sich vor allem bei Islamkritikern einen Namen gemacht. Beliebte Themen: Mittelmeer-NGOs, Antiislamismus, Klimawahn. Die Aufmachung ist übersichtlich, die Texte sind kurz gehalten und auf die Vermittlung ihrer (politischen) Kernaussage ausgelegt.

Nächste Woche geht es HIER weiter mit TEIL II unserer Recherche.

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Burschenschaften gibt es nicht nur an den Universitäten, sondern auch an den Mittelschulen. Für manche Lehrer sind sie ein Ärgernis, für viele Jugendliche hingegen ein spannendes Abenteuer und eine prägende Charakterschule. Ein Text von Elmar Podgorschek.

Die ersten korporativen Zusammenschlüsse gab es bereits in den Lateinschulen des Mittelalters, und die nach der Gründung der ersten deutschen Universität in Prag 1348 entstandenen Bursen übernahmen das Erbe der Mittel- und Lateinschulen.

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Das wesentlich Gemeinsame aller Pennalverbindungen ist die Zugehörigkeit zu einer Höheren Schule, die aber noch keine Hochschule ist. Der Begriff „Pennalie“  leitet sich von penna (lat. „Feder“) ab, die der „Pennal“ in der Büchse sorgsam an seinem Gürtel mit sich herumtrug.

Doch was bringt junge Schüler heute zu einer pennalen Burschenschaft­? „Ich hatte schon einige Zeit vor meinem Einsprung den Wunsch, in einer Burschenschaft­ aktiv zu werden“, betont Ulrich (17), Mitglied der p.c.B! Arminia Graz. Bereits Vater und Bruder waren Burschenschaft­er, und so wusste er schon vorher über Verbindungen Bescheid. „Besonders gereizt haben mich der Zusammenhalt und das politische Engagement, aber auch das Fechten.“

Andere wiederum kommen zufällig über Freunde und Schulkollegen zur Verbindung. Wie das o­ftmals abläuft­, erklärt Ulrich im Gespräch: „Die meisten meiner Schulkollegen haben recht bald von meinem Einsprung erfahren, ich habe daraus auch kein Geheimnis gemacht. Einen großen Teil meiner Klasse habe ich sogar schon auf unsere Bude mitgebracht und dort mit ihnen gefeiert.“

Gegenüber Lehrern hält er sich jedoch bedeckt. Das Bildungssystem mitsamt der Lehrkräft­e ist aktuell linksgeprägt, und da kommen Burschenschaft­en insgesamt selten gut an.

Es ist eine Konstante und zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Pennalien, dass sie von den jeweiligen staatlichen Behörden, den Obrigkeiten, der Kirche und den politischen Verantwortlichen oft­mals bis aufs Äußerste bekämpft­ wurden. Die gegenwärtige Ablehnung des Verbindungswesens in der öffentlichen Meinung ist daher keine Ausnahmeerscheinung.

Bereits im Mittelalter wurden Schülerverbindungen von den Schulherren bekämpft­. Deshalb wandelten sich viele in Geheimbünde um und nahmen die Form von Orden an. Mönche sahen diese Schülerverbindungen als eine „andere Form der Pest“ an. Weil die Pennäler ein der Obrigkeit äußerst suspektes Eigenleben führten, beschloss der Regensburger Reichstag 1793 ein Verbot aller geheimen Schüler- und Studentenverbindungen. 1819 schlossen die Karlsbader Beschlüsse Schülerverbindungen ausdrücklich in ihr Verbot mit ein.

Trotz der strengen Maßnahmen gab es zu dieser Zeit im Untergrund Schülerverbindungen, denen Persönlichkeiten wie Richard Wagner, Otto Bismarck, Franz Schubert und viele weitere angehörten.

Bis 1918 waren dann Pennalien in Österreich und im Deutschen Reich ausdrücklich verboten. Verstöße wurden mit Karzer und im Wiederholungsfalle mit der Relegation von der Schule bestra­ft. Die Verbote und strengen Strafen zogen eine Auslese nach sich. Nur die standfestesten und wagemutigsten Idealisten riskierten, einer Korporation beizutreten. Der staatliche Druck zwang die Pennalien in die Illegalität. Viele der heutigen Traditionen, wie der Couleur- oder Biername, sind auf diese Zeit zurückzuführen. Die Preisgabe des Klarnamens war oft­mals viel zu gefährlich, denn beim Auffliegen wurden viele von der Schule relegiert.

Dennoch hat die Direktorenkonferenz 1880 bereits darauf hingewiesen, dass in den österreichischen Kronländern über 50 Pennalien entstanden seien. Diese Entwicklung war jedoch von den staatlichen Behörden nicht zu verhindern. 1906 wurde beim Burschentag in Reichenberg der Allgemeine Deutsche Convent (A.D.C.), der in Folge ca. 300 Mitglieder hatte, gegründet. Damit vereinten sich beinahe alle Schülerverbindungen zu einem Dachverband.

Im April 1919 zogen ca. 5000 Pennäler vor den Wiener Stadtschulrat und forderten vehement die Koalitionsfreiheit, da die Schulbehörden die verfassungsmäßige Freiheit verhinderten. Schließlich wurde die Verordnung zur Koalitionsfreiheit durch einen österreichischen, sozialistischen Staatssekretär für Unterricht unterzeichnet. Es folgten darauf Jahre der Freiheit und die Möglichkeit, studentisches Brauchtum in der Öffentlichkeit leben zu können.

Mit der Machergreifung von Engelbert Dollfuß in Österreich und den Nationalsozialisten im Deutschen Reich wurde dem ein jähes Ende gesetzt. Sowohl Ständestaat als auch „Drittes Reich“ hatten kein Interesse daran, das Pennalleben bestehen zu lassen, da man einerseits dadurch keine  Kontrolle über die Schüler hatte und anderseits es der Ideologie des Kollektivismus widersprach. Individualität, wie sie in den Korporationen gepflegt wird, passte nicht in die Gedankenwelt dieser Regime.

Der Neustart der waffenstudentischen Verbindungen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Österreich ebenfalls mit allen Mitteln erschwert, weil ihre nationale Gesinnung der neuen Staatsdoktrin nicht entsprach. Die zunehmende Übernahme des Schul- und Bildungswesens durch die ’68er-Generation führte jedoch zu keiner Verbesserung. Waren es seit dem Mittelalter bis Anfang der 1950er-Jahre eher konservative, klerikale Schulleitungen, denen die Pennalien ein Dorn im Auge waren, so sind es jetzt die „fortschrittlichen“ Kreise, die die Korporationen auf allen Ebenen bekämpfen wollen.

Die veröffentlichte Meinung setzt ebenfalls alles daran, das Verbindungswesen mit Halbwahrheiten und Unwissenheit zu diffamieren. Es sollen vor allem Eltern auf die „Gefährlichkeit“ der Schülerverbindungen hingewiesen und verunsichert werden.

Es stellt sich nunmehr in einer demokratischen Gesellschaft­ die Frage, warum die Schülerverbindungen von den jeweiligen Machthabern mit Misstrauen betrachtet und teilweise verfolgt werden. Egal, wer in einer Gesellschaft­ den Ton angibt – er will Kontrolle über das gesellschaftliche und soziale Leben von Schülern ausüben. Dies kann einerseits aus dem Willen heraus geschehen, den Menschen von jung an formen und bilden zu wollen, und andererseits, um revolutionäre, eigenständige Bestrebungen von vornherein im Keim zu ersticken.

Im Laufe der Jahrhunderte waren und sind Wesensmerkmale aller Korporationen die intern ausgeübte Basisdemokratie, die generationenübergreifende Freundschaft­, das Lebensbundprinzip und vor allem die daraus folgende Individualität ihrer Mitglieder. Junge Schüler werden von Beginn an dazu angehalten, sich selbst zu verwalten und die Gestaltung des Bundeslebens zu übernehmen. Jeder Jugendliche hat in dem Gestaltungsgremium „Convent“ das gleiche Rede- und Stimmrecht wie die älteren Mitglieder. Die Leitung obliegt einem vorher gewählten Aktiven. Früh erlernen die jungen Schüler, sich zu artikulieren und zu überzeugen, um die Mehrheit in diesem Gremium zu bekommen. Diese Basisdemokratie ist eines der Geheimnisse für den langfristigen Erfolg von Schülerverbindungen.

Nach einer kurzen Probe- und Lehrzeit unterziehen sich die jüngsten Mitglieder, die Fuxen, der Burschenprüfung. Bei den schlagenden Verbindungen kommt noch eine Pflichtmensur hinzu. Damit ist für den jungen Schüler eine Art Probezeit beendet, in der er selbst entscheidet, ob er auf Dauer Mitglied dieses Lebensbundes sein will.

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Viele Bräuche und Sitten der studentischen Verbindungen scheinen für Außenstehende antiquiert und geheimnisvoll zu sein. Die Traditionen und die studentische Tracht stammen in der heutigen Form aus dem 19. Jahrhundert und wurden großteils von den akademischen Korporationen übernommen. Auch die Pflege es studentischen Liedgutes, das zu einem Gutteil aus der Zeit der Romantik stammt,  wird hochgehalten.

Ebenfalls ein fester Bestandteil des Bundeslebens ist das Schlagen einer studentischen Kneipe – eine genau geregelte Zeremonie nach überlieferten Regeln. Hintergrund ist, Disziplin zu wahren, auch wenn man dem jugendlichen Bierdurst frönt. Entgegen einer landläufigen Meinung ist der Alkoholkonsum der jungen Bundesbrüder bei Weitem geringer, als man dies bei diversen Veranstaltungen und Partys beobachten kann. Drogen wird man bei den Pennälern vergeblich suchen. Ein fixer Programmpunkt ist dabei der Vortrag eines Bundesbruders zu einem aktuellen Thema. Auf diese spielerische Art und Weise erlernen junge Männer das Sprechen vor einer Versammlung. Das prägt und formt nachhaltig die Bundesbrüder und gibt ihnen ein Rüstzeug für ihr späteres Berufsleben.

Das bestätigt auch Ulrich. Die erste Rede auf einer Kneipe sei ein besonderer Moment für ihn gewesen. „Ich habe mich intensiv darauf vorbereitet – es war ein großartiges Gefühl, vor meinen Bundesbrüdern zu referieren“, erinnert er sich.

Ein wesentlicher Brauch ist auch das studentische echten, das schwer erklärbar ist und einer gewissen Selbsterfahrung bedarf, damit man es verstehen kann. Auf pennalem Boden fechten die meisten Verbindungen mit stumpfem Säbel. Alle gefährdeten Körperteile, wie Kopf, Ellbogen und Unterleib, werden entsprechend geschützt, sodass keine gefährlichen Wunden und Narben entstehen können. Es gibt auch noch regional unterschiedliche Fechtbräuche, in Wien fechten Mittelschulverbindungen mit Schlägern, ähnlich dem akademischen Fechten, jedoch mit Gesichtsschutz.

Wie hat dieser Burschenschaft­eralltag Ulrich geprägt? „Indem ich von Anfang an immer wieder kleinere Auft­räge zugeteilt bekam, lernte ich, mit Verantwortung umzugehen. Durch den Aktivenalltag wurde also mein Pflichtbewusstsein gestärkt.“

Gegenwärtig gibt es Schülerverbindungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Flandern. Die waffenstudentischen pennalen Korporationen in Deutschland sind großteils im APR (Allgemeiner Pennälerring) und in Österreich im ÖPR (Österreichischer Pennälerring) zusammengeschlossen. Nach wie vor pflegen all diese Verbindungen die Pflichtmensur und das Tragen von Band und Mütze.

Für den ÖPR-Vorsitzenden Udo Guggenbichler ist das eine Erfolgsgeschichte. „Die Pennalien geben den jungen Menschen viel positives Rüstzeug für die Zukunft­ mit. Junge Aktive bekommen früh  Verantwortung als Chargen übertragen. Das ist eine Art der Ausbildung, von der jeder Aktive sein Leben lang profitieren kann“, betont er. Viele Manager müssten sich mit teuren Kursen  eiterbilden, um das zu erlernen, was junge Pennäler während ihrer Aktivzeit verinnerlichen. Guggenbichler ist Alter Herr der technischen Verbindung Hollenburg zu Ferlach. Zu seiner Schulzeit habe es für Schüler in Ferlach nur ein Lokal oder eben die Bude der Hollenburg gegeben. „Bei der Hollenburg wars lustiger und wilder, das hat mir als 14-Jährigem zugesagt, und so wurde ich aktiv“, erinnert sich der heutige FPÖ-Landtagsabgeordnete. Das Leben in der Pennalie sei sehr wichtig für ihn gewesen, und  r profitiere heute noch davon. „Ich bin meinem Altherrenobmann und väterlichen Freund Gerhard Egger, aber auch meinen Konaktiven sehr dankbar für viele prägende Momente, korrektive Ratschläge und ausgelassene, schöne waffenstudentische Stunden“, so Guggenbichler.

Derzeit befindet sich das Couleurleben in einem langsamen, jedoch beständigen Wandel. Aufbauend auf den alten Traditionen des Waffenstudententums werden durchaus alte, nicht mehr zeitgemäße Traditionen hintangestellt und verlieren sukzessive ihre Bedeutung.

Andererseits beschäftigen sich junge Pennäler verstärkt mit den Herausforderungen der Gegenwart. Das heißt nicht, dass sich die Schülerverbindungen von ihren Grundwerten verabschiedeten. So, wie sich auch die Gesellschaft­ im Laufe der Zeit verändert, passt sich das Leben auf den studentischen Buden der Gegenwart an.

Der Aktivbetrieb gestaltet sich in erster Linie durch fröhliches Beisammensein, Schulungen in allen Richtungen von der Geschichte bis zu naturwissenscha­ftlichen Themen, gegenseitige Unterstützung beim Studium und dem Pauken, wie das Üben des studentischen Fechtens genannt wird. Es werden aber auch Ausflüge und studentische Reisen organisiert.

Man erlebt einiges im Laufe der Zeit und entwickelt mit den Herausforderungen seine Persönlichkeit. Als Burschenscha­fter versucht man natürlich, sich auch gesellschaftlich einzubringen. So nahm Ulrich während des „Corona-Lockdowns“ im Frühling 2020, als die Schulen in Österreich geschlossen hatten, am Hilfseinsatz der Arbeitsgemeinschaft­ Steirischer Burschenschaften teil. Für mehrere Tage ging es dort u.a. in die Südsteiermark, wo er mit anderen Burschenschaftern ehrenamtlich in einem Weingarten half. „Auch das war eine außergewöhnliche Erfahrung für mich.“

Die sogenannten schlagenden Verbindungen vertreten heute im Wesentlichen ein liberalkonservatives Weltbild, in dem die Freiheit, die Individualität, der Respekt vor Andersdenkenden, der Erhalt des Eigentumes, die Heimat und die Familie im Vordergrund stehen. Sie stehen damit im krassen Gegensatz zur Vereinheitlichung und Globalisierung der Gesellschaft­ und deren selbst ernannten pseudomoralischen Sittenwächtern.

Die Rolle der Politik wird bei den Bünden unterschiedlich gewichtet. Für Ulrich ist der politische Aspekt jedenfalls sehr bedeutend. „Ja, Politik spielt für mich eine große Rolle. Ich lese gern politische Bücher und Zeitschri­ften und nehme auch an einem Lesekreis teil.“

Gesellschaftlich relevante Institutionen, wie Regierungen, Schulbehörden und systemkonforme Medien, können und wollen oftmals mit diesen  nicht kontrollierbaren pennalen Verbindungen nur schwer umgehen. Aus diesem Grund werden sie nach wie vor mit allen gebotenen Mittel bekämpft und diffamiert.

Schüler und Studenten werden sich nie von oben  gängeln lassen, und deshalb haben Schülerverbindungen eine Zukunft. Junge Menschen werden stets aufsässig gegen Schulbehörden und Obrigkeit sein. Dabei ist es unerheblich, in welcher Form sich ein gewisses renitentes Verhalten artikuliert – sei es durch die Übernahme von zeitlich befristeten Modeerscheinungen in der „Jugendkultur“ oder durch die Bewahrung gewachsener studentischer Traditionen.

Beide Formen des Jugendprotestes sind ein notwendiges und nicht ausmerzbares zivilbürgerliches Phänomen, das seine Finger in offene Wunden der Gesellschaft­ legt. Sie sind damit nach wie vor ein schmerzhafter Stachel im Fleisch derer, die unsere Gesellschaft­ kontrollieren und beherrschen wollen.

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Raus aus der Stadt, hinein in den deutschen Wald, eine Heimstatt fernab aller Verwerfungen – die Sehnsucht ist alt. Was für manche Sinnbild eines eskapistischen Defätismus ist, ist für andere der strategische Rückzug, um ein widerständiges Bollwerk in der Peripherie aufzubauen. Heute lesen Sie den zweiten Teil des Textes von Julian Schernthaner (Teil I finden Sie HIER).

Im Osten und im Süden Europas schaffen es gerade deutsche Aussiedler, von Laibach bis Hermannstadt über Jahrhunderte  wichtige Positionen zu bekleiden, obwohl sie die Menschen im Umland oft ebenso wenig verstanden wie tausende Jahre zuvor die Hethiter und Akkader. Die Städte waren ihr Bollwerk; Machtinstrument und -demonstration zugleich.

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Das Argument greift allerdings insofern zu kurz, als die Städte längst in den Händen des literarischen Landvogtes sind. In vielen großen Städten machen Zuwanderer und deren Nachkommen bereits ein Drittel oder die Hälfte der Wohnbevölkerung aus, Wien und Frankfurt/Main sind traurige Vorreiter.

Linke Parteien sehen in ihnen ein reiches Wählerreservoir und bedienen dieses durch Aufstellung migrantischer Kandidaten aus den „Communities“, die keine genuin linke Politik wollen, sondern aus Sicht ihres Ethnos ziemlich identitäre. Die Männer des linken Landvogtes wiederum sitzen in allen Ämtern, Redaktionsstuben und in der Zivilgesellschaft und lachen sich ins Fäustchen.

Ein Ankämpfen gegen den Zustand scheint ohne sicheres Lager zum Rückzug aussichtslos, wie ein Kampf gegen Windmühlen oder zumindest ein hartes Stück Sisyphosarbeit. Und auch hier hält die Geschichte eine passende Parabel bereit: Denn auch wenn das Byzantinische Reich so lange nicht ­el, wie es noch Konstantinopel befehligte, so gewannen die Osmanen ihren Kampf im Hinterland, und die Sache war mittelfristig verloren, als der Zugang zum Rohöl im Osten als Bestandteil der Wunderwaffe des „Griechischen Feuers“ verloren ging.

Die Konzentration auf die belagerte Stadt hat zwar symbolischen Wert, aber am Ende droht man, neben dieser auch das bislang „sichere Hinterland“ zu verlieren – denn die „Anywheres“ werden, weil sie es sich leisten können, dieses zunehmend besetzen. Weniger aus Sehnsucht denn aus Pragmatismus – und sie werden ihre großstädtische, linke kulturelle Hegemonie mitnehmen. Abstrakte Kunst und Multikulti-Feste verdrängen den Landjugendball, und Villen der Globalisierungsgewinnler die ländliche Struktur.

Der erschwingliche Baugrund schwindet dann und treibt die dortigen „Somewheres“ erst recht in die Plattenbauten der Städte, wo sie Gefahr laufen, in den werdenden Ghettos ausgetauschter Flächenbezirke keine neue widerständige Ortsidentität zu bilden, sondern im einen Fall selbst zu „Anywheres“ zu werden – und im anderen Fall zum neuen Prekariat, das zwischen wirtschaftlichem Lohnsklaventum und weltanschaulicher innerer Emigration in seiner entwurzelten Form eher zu ständiger Duckmäuserei als zum Widerstand mit der Mistgabel taugt.

Selbst wenn dortige Verwerfungen sie mobilisieren, stehen sie einer sich immer weiter multiplizierenden Population Integrationsunwilliger gegenüber, die gleichsam als pseudoheilige Ersatz- Entrechtete weiter das Humankapital der zu diesem Zeitpunkt tatsächlich zum Landvogt gewordenen linken Schickeria bilden. Aus diesem Grund: Unterfucking darf nicht Eichgraben werden und Namlos nicht Sistrans.

Rund um Marmorklippen

Es bleibt also der strategische Rückzug ins Hinterland, der bei weiterer Bedienung der Jünger’schen Metaphern in seinen „Marmorklippen“ doppelt vorhanden ist. Zum einen ist es die Klause selbst, die neben der nötigen Abkehr auch ein Ort der Erkenntnis ist, dessen Exposition einen Ausblick erlaubt, wie man ihn sonst nur noch von Hlidskialf, dem Thron des nordischen Gottes Odin kennt. Sie symbolisiert im Ablauf gewissermaßen sowohl den bestehenden als auch den verlorenen sicheren Hafen.

Sie fi­ndet sich aber erneut im Weggang nach Alta Plana, als die geliebte Klause schon in Brand steht – und in der neuen Heimat der Grundstein für Neues geschaffen wird. Das bekannte Leben in der Marina ist Sinnbild sowohl für die Stadt als auch für das Hinterland und verleiht somit beiden als strategischen Flecken des Kampfes der Ideen eine  Legitimation.

Der Verfechter der Stadt als Bollwerk wird die Marina als selbige deuten und ihre Verteidigung als Notwendigkeit in der Schaffung von Neuem sehen, zumal sich die Vorfälle sonst andernorts ergeben hätten. Er ist sich gewiss, den Oberförster nur in der Stadt stellen zu können.

Und der Verfechter des Hinterlandes wird darauf verweisen, dass die mutigste Verteidigung notwendig in der Zerstörung gipfeln musste und es ein sicheres Hinterland für die Flüchtigen nur deshalb gibt, weil es bereits Jahre zuvor ein widerständiges Bollwerk war, dem ein noch so verheerender Feldzug, in dem die Protagonisten noch für die andere Sache stritten, nichts anhaben konnte.

Streit in Stahlge(z)wittern

Das Paradox ist freilich, dass der Wald hier bedrohlich auftritt – und der eigentliche Wald das Weideland ist. Es ist die Klause, während noch vermessen wird, und das Hinterland, wenn in der Marina schon die Fahne des Oberförsters weht. Heute bedroht der Wald Marina und Weideland zugleich.

Beide Analogien auf die Stadt-Land-Frage vereint aber eines: die Notwendigkeit, selbst im drohenden Untergang seine Werte nicht zu verlieren. Es darf somit im strategischen Rückzug keine naive Hoffnung stecken, dass jede Sorge verschwinde, denn dieser verbrennt im Haus.

Auch sollte der Weggang nicht die Deutung besitzen, dass tatsächliche Emigration eine Lösung sei: Sie bleibt auch in dieser Analogie eine Ultima Ratio – und ist zudem keine Wanderung in völliges Neuland, sondern in die Gefilde eines sorgsam gehegten Verbündeten am wahrhaftigen Lande. Bestenfalls also ein Gang von West- nach Ostdeutschland – oder, wie im Falle meiner Wenigkeit, von Tirol ins Innviertel.

Die sinnvollste Deutung ist also wohl eine Zwitterfunktion, welche die Bewahrung de  Notwendigkeit der Verteidigung sowohl des zunehmend unsicheren städtischen Raumes als auch des Hinterlandes anerkennt. Jedenfalls: Im Kulturkampf lernt man gründlich, aber das Lehrgeld ist teuer.

Ein Rittergut als Leitbild

Entscheidet man sich für dieses Hinterland, so hat man einige Grundentwürfe. Der inhärente Defätismus im Stil einer Wiederbelebung nur zum Selbstzweck dienender Siedlergemeinschaften nach dem Prinzip des späten 19. und frühen 20.Jahrhunderts ist ein Irrweg. Dafür gibt es taugliche Entwürfe für das „strategische Hinterland“– das durchaus auch in Form eines widerständigen Dorfes auftreten kann.

Eine gewisse Größe in diesem Raum stellt seit 19 Jahren etwa das rechtsintellektuelle Ehepaar Kubitschek dar. Als sie mit ihren Kindern auf das Rittergut Schnellroda zogen und die urbane Hektik gegen die strukturschwache Prärie tauschten, liefen sie nicht davon, sondern schufen einen Ort der Erkenntnis.

Aus jener Trutzburg heraus betreiben sie den Verlag Antaios, der im gebildeten rechten Spektrum samt der aus demselben Hause stammenden Zeitschrift „Sezession“ den Goldstandard bildet. Zu den Sommer- und Winterakademien füllen sich die Räume des Rittergutes im konservativen „Osten“ mit jungen Menschen, die sich auch für Theoriearbeit begeistern. Gerade im Bereich der „Neuen Rechten“ gehört es zum guten Ton, irgendwann einmal in Schnellroda gewesen zu sein.

Es ist ein Mythos, der erst durch seine Gesamtheit komplett wird – und als Entität auch für abwartend gesonnene Zeitgenossen besteht und somit nötige Anerkennung fordert. Ein etablierter Journalist schrieb einst in einer Mischung aus Faszination und Horror, es sei ein „großes freundliches Einfamilienhaus, ein wilder wuchernder Garten“.

Und dort sei man subsistent: „Sie machen alles selbst, schlachten Enten, backen Brot, züchten Rote Bete. Kubitschek und Kositza haben sieben Kinder, das gehört ganz fest zur Beschreibungsformel dazu.“

Der Autor des Artikels versucht zwar entgegen eigener Behauptungen, das Ganze zur „deutschen Gruselgeschichte“ zu machen, aber der Versuch misslingt. Am Ende verfängt die „Pachtung des Anscheins der radikalen Ehrlichkeit, des Aussprechens ungemütlicher Wahrheiten, gepaart mit dem militärischen Ethos der Disziplin und einer eigentümlich ins Organische gewendeten Sprache, die klingt, als sei sie von schicksalshaften Gegenständlichkeiten diktiert“.

Statt der Gruselgeschichte schildert er also den widerständigen Ort der patriotischen Sehnsucht. Nicht jeder wird ein Rittergut besiedeln, und es muss auch nicht jeder die Selbstversorgung mit Wissen und alltäglichen Gütern liefern. Aber: Für jene, die sich in dieser Realität wohlfühlen, ist es ein logischer Ort, von dem eine ganze Denkschule pro­fitieren kann. Der Nächste besitzt andere Qualitäten und liefert die Früchte geschickten Handwerkes.

Fest steht: Wer im Streit um Deutungshoheit nicht nur die Wende, sondern die Kehre schaffen will, darf sicheres Hinterland nicht durch Vernachlässigung der Unsicherheit preisgeben.

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Ob Europa in Rüstung investiert, interessiert den Onkel aus Peking nicht. Ob Europa gegenüber Russland robust au­ftritt, interessiert ihn nicht. Ob Europa gegenüber Islam und Afrika robust au­ftritt, interessiert ihn nicht. Heute lesen Sie den zweiten Teil des Kommentars von Gerd Bachmann (Teil I finden Sie HIER).

Der Onkel aus Peking ist stets jovial. Stets zurückhaltend. Stets lächelnd. Stets sitzt seine Brie­asche locker, wenn das eine oder andere Dutzend Airbus-Flieger geordert werden muss, um Verhandlungen weiterzutreiben.

Was für ein Gegensatz zum peinlichen, unangenehmen, ungeliebten Onkel Donald aus Amerika. Immer fragt er nach dem Zeugnis. Immer will er wissen, was, wo, wie weitergegangen ist. Immer nervt er mit mehr Eigenverantwortung. Immer nervt er mit mehr Eigenleistung. Und niemals sitzt die Brie­ftasche locker. Im Gegenteil.

Dieser Artikel ist in FREILICH 7 erschienen. Alle Ausgaben finden Sie HIER.

Was für ein Gegensatz. China strebt nach der „Belt and Road Initiative“. Sechs große Wirtschaft­skorridore zwischen China, Restasien, Afrika und Europa sollen entstehen. Häfen, Straßen, Schnellzugstrecken, Brücken, Kra­ftwerke, Staudämme etc. Es soll sich nicht nur um einen beschleunigten Handel zwischen den Wohlstandszonen Chinas und Westeuropas handeln, sondern um eine Ausweitung der Wohlstandskorridore entlang der Strecken. Konnektivität zu Lande, zu Wasser, in der Lu­ sowie im Cyberspace.

Freihandel und Währungskonvertibilität sollen vorherrschen. Die 60 Anrainerstaaten der Neuen Seidenstraße umfassen 60 Prozent der Weltbevölkerung, 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung sowie 4,5 Milliarden Einwohner.

Der Verfasser dieser Zeilen fühlt sich an das Ende des 20. Jahrhunderts erinnert. Freihandel und Einheitswährung sollen vorherrschen. Es geht nicht nur um erleichterte Handelswege, sondern auch um Wohlstandskorridore bzw. um die Schaffung einer Wohlstandszone. Von Portugal bis Polen, von Schweden bis Zypern etc.

Das Ergebnis spricht Bände. Nun sollen die Wohlstandszonen miteinander verbunden und angeglichen werden. Bis es zu einer fusionierten Wohlstandssphäre kommt.

Der Begründer der Wissenschaft­ der Geopolitik, Halford Mackinder, prägte den Begriff des „Great Game“. Wer Eurasien beherrscht, der beherrscht die Welt. Brzezinski, Sicherheitsberater von Jimmy Carter, formulierte es dem 20. Jahrhundert angemessen: Wer Eurasien kontrolliert, der kontrolliert zwei von drei Hauptregionen er Weltwirtschaft. Sprich: Ostasien und Europa. Amerika verbleibt als Dritter.

Somit treffen zwei Konzepte aufeinander, Herzlandbeherrschung auf Gegenküstenstrategie. Das Herzland darf niemals durch eine Macht dominiert werden, welche dem Herzland selbst entspringt. Amerika darf niemals zulassen, dass die Gegenküsten in Form von Europa und Ostasien unter die Herrscha­ft einer konkurrierenden Macht geraten.

Der Teufel steckt im Detail. China verfügt über eine ungeheure Überkapazität im Bereich der Bauwirtschaft. Bereits zu Beginn des Jahrhunderts beklagten sich afrikanische Staaten darüber, dass sämtliche Projekte nicht nur mithilfe von chinesischem  Geld und chinesischem Know-how vorangetrieben werden, sondern auch mit chinesischen Arbeitskräften sowie chinesischen Baustoffen wie Zement. Kein einziger Einwohner erhielt die Chance auf Fortbildung und Einbindung. Kein einziges regionales Unternehmen profitierte davon. Es wurden lediglich Rohstoffe oder  Landwirtschaftsflächen ausgebeutet.

Im Unterschied zur Herrschaft­ des weißen Mannes ist die Herrschaft­ des gelben Mannes eine reine Einbahnstraße. Der Propaganda ist die Differenz geschuldet.

Ähnliche Verhältnisse entwickeln sich entlang der Neuen Seidenstraße von China über Zentralasien bis Europa. Kredite für Projekte gibt es dreierlei: Schenkung, Kredit ohne Zinsen, Kredit mit geringen Zinsen.  

Die klassische Taktik der Drogenhändler. Die Rache für die Opiumkriege. Wer nicht zahlen kann, bekommt Stundung. Aber er muss für China stimmen. Sei es bei Taiwan, sei es im  südchinesischen Meer, sei es in Hongkong, sei es wegen der Uiguren.

Sei es Kasachstan, sei es die Bundeskanzlerin …

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