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Gender-Politik

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Dem so getauften „Blob“ sind seine 720 vermuteten Geschlechter ziemlich egal. Der echte Schleimpilz, der zur Untergruppe der Einzeller-Familie Amoebozoa gezählt wird, führt im Pariser Zoo im Park Bois de Vincennes als echte Attraktion ein geruhsames Leben und pocht nicht auf Sprachkorrekturen, Quoten oder gar Lehrstühle. Bei seiner hohen dreistelligen Geschlechterpräsenz treten Fortpflanzungsfragen, Probleme mit Trans-Identitäten und Emanzipationssehnsüchte in den Hintergrund.

Physarum polycephalum entzieht sich selbst der Kategorisierung Tier-Pflanze und in einer interaktiven Präsentation des Pariser Zoos ist zu sehen, wie sich der „Blob“ mittels fingerartiger Ausstülpungen unglaublich langsam vorwärts bewegt. Ein wirklich wohltuend anzuschauender Entschleunigungsvorgang auch im Umgang mit der eigenen Geschlechteridentität, wenn einem die mediale Hektik und Hysterie nicht nur der LGBTQ -Gemeinde beim Thema „Gendern/Gendering“ zugemutet wird.

Als kürzlich die sich sonst stets weltanschaulich korrekt gebende Harry-Potter-Autorin Joanne Rowling zum wiederholten Male ins Fettnäpfchen trat, in dem sie sich darüber aufregte, dass in einem Artikel aus Gründen der Inklusion Frauen “Menschen, die menstruieren” genannt wurden, wurde der Autorin flugs ein Transgender-Problem unterstellt. Die dauerbeleidigte und laufend empörte „queere Community“ hatte Rowling schon ab 2013 im Visier. Rowling hatte unter dem Pseudonym Robert Galbraith eine Krimiserie mit dem Protagonisten Detektiv Cormoran Strike veröffentlicht, wobei ein bekannter Psychiater, der sich in den 50er-Jahren auf Konversionstherapien für Homosexuelle spezialisiert hatte, offenbar den gleichen Namen trug. Dann – ganz, ganz furchtbar – 2017 das erste schlimme und unfreiwillige Outing: Rowling hatte auf Twitter einen transfeindlichen Tweet gelikt. 2018 legte die Erfolgsautorin nach und bewertete einen Tweet, in dem Transfrauen als “Männer in Kleidern” beschrieben wurden, positiv.

Wer jetzt glaubt, dass dieser Unfug, dieser Sturm im Wasserglas alles gewesen sei, was zum Thema „Gendern“ passieren könnte, sollte das neue Buch von Birgit Kelle in die Hand nehmen. Die vierfache Mutter, Erfolgsautorin und weibliche Feministin, wie sie sich selbst beschreibt, hat nach ihrem Bestseller „GenderGaga“ noch einmal kräftig und wunderbar unterhaltsam, aber auch informativ auf die Pauke gehauen.

Kelle im Vorwort des im Finanzbuch Verlag erschienen neuen Buches: „Jahr für Jahr werden die Daumenschrauben hinsichtlich politisch korrekter Sprache, Verhaltensnormen und Meinungen enger gezogen. War der Online-#Aufschrei noch ein Aufwärmspielchen des hysterischen Netzfeminismus, werden bei #MeToo weltweit längst etablierte männliche Karrieren im Namen des Kampfes gegen Sexismus handstreichartig ruiniert. Wen interessiert schon die Wahrheit, wenn der Grad von Diskriminierungserfahrung heute in der Maßeinheit des persönlichen Beleidigtseins gemessen wird? Wen interessiert in dieser angeblichen „Emanzipation“ noch die ganz normale Frau, wenn eine große sexuelle Vielfalt weltweit um Aufmerksamkeit und Budgets buhlt? Und was ist überhaupt noch eine Frau, wenn jeder sich Frau nennen darf, der es unbedingt will und Geschlecht heute selbst definiert werden kann? Nichts bedroht die Errungenschaften der Emanzipation gerade mehr als das propagierte Märchen, Weiblichkeit sei nur eine dekonstruierbare, soziale Angewohnheit, die sich jeder aneignen könne, der selbst eine Frau wäre.“

Wenn der „Blob“ lesen könnte, hätte er jedenfalls im Park Bois de Vincennes mit seinen fingerartigen Ausstülpungen nach der Lektüre geklatscht. Unglaublich langsam zwar, aber immerhin. Wir, die wir lesen können, waren jedenfalls begeistert und empfehlen Birgit Kelles neue Fundamentalkritik an der Pervertierung unseres sozialen Lebens dringend weiter.

Kennen Sie Gender? fragte Birgit Kelle vor fünf Jahren in ihrem Bestseller GENDERGAGA. Heute ist klar: Die Realität hat die Satire längst überholt. Wer heute denkt, er sei normal, steht schon morgen als transphob, homophob, antifeministisch oder natürlich als „rechts“ am Pranger. Gefühl sticht jetzt Fakten, Frau sticht Mann, homo sticht hetero, schwarz sticht weiß, trans sticht alles. Dafür ruinieren wir Karrieren und Kindheiten, zensieren Sprache, Wissenschaft, Debatte und freies Denken. Statt Probleme zu lösen, schafft die neue Gender- und Identitätspolitik täglich neue Opfer. Wenige Jahre und Millionen Euro später ist klar: Es geht um nicht weniger als um alles.

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