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Günter Scholdt

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Tief im Westen der deutschen Bundesrepublik gibt es einen aufrechten, streitbaren und selbst denkenden, emeritierten Germanistik-Professor und Historiker, der sich schon des Öfteren aus der eigentlich wohlverdienten Deckung des Ruhestandes vorwagte und eine rege, publizistische Tätigkeit entfaltet.

Günter Scholdt hat nun – zum wiederholten Male übrigens – ein schmales Bändchen in der kaplaken-Reihe des Antaios Verlags vorgelegt, das er selbst in seinem Vorwort als Lageskizze der aktuellen politischen Verhältnisse bezeichnet. Im Fokus seiner Beschreibung steht die „Alternative für Deutschland“ (AfD), an die er als freiheitlich patriotischer Akademiker bei ihrer Gründung 2013 besondere Hoffnung knüpfte.

Die AfD als Partei sollte Scholdts Überzeugung nach nicht nur den Tendenzen der Freiheitsbeschränkungen in der Bundesrepublik entgegenwirken, sie sollte mit ihrem Handeln und ihrer Existenz besonders auch die prekäre Frage beantworten, ob wir „überhaupt noch in einer funktionsfähigen Demokratie leben.“ Der Autor nimmt in der dokumentierten Lage Bezug auf Bertold Brechts skandalöses Lehrstück „Die Massnahme“, mit dem der kommunistische Schriftsteller als heutiger Schulbuchklassiker und humanistisches Vorzeigeobjekt möglicherweise die stalinistischen „Säuberungen“ zu rechtfertigen suchte.

Scholdt, ganz Germanist, galoppiert in einem kurzen Exkurs in die Rezeptions- und Deutungsgeschichte des Stücks, das selbst KP-Renegatinnen wie Ruth Fischer und Hannah Arendt schon damals nicht recht „schmecken“ wollte. Für ihn ist das Brecht-Stück ein überzeitliches Modell, denn schon heutige Politnovizen des Politikbetriebes der Bundesrepublik würden im ersten Lehrjahr erfahren, so der Freilich-Autor, „dass Parteidisziplin oberste Priorität besitzt, ein ausgeprägter Ehr- und Gerechtigkeitssinn dem Erfolg eher im Weg steht und im Konkurrenzkampf um die Macht nahezu alle verfügbaren, notfalls zweifelhaften Tricks geboten sind.“

Dazu gehört im Kampf der arrivierten Parteien auch die gesamte Diffamierungswerkzeugkiste für die mediale Hinrichtung politischer, aufstrebender Gegner. Scholdt erkennt dabei, dass „die Ausgrenzung der AfD im Kern nicht Folge besonderer Nähe zu Anrüchigem [ist], sondern Teil einer über Jahrzehnte bewährten Zerstörungsstrategie gegenüber alternativen Konzepten. Die lästige Parlamentskonkurrenz wird so in eine Lage manövriert, in der sie entweder ihre Wähler verrät, ihre Wirkung selbst beschränkt oder zu unehrlichen und verschwörerischen Methoden greifen soll.“

Günter Scholdt gibt eine zukunftsweisende Antwort darauf, ob die parteipolitische Alternative für unser Land das Zeug hat, der systematischen tagespolitischen Beschädigung von Demokratie und Rechtsstaat entgegen zu treten. Seine Forderungen an eine Partei, die den anspruchsvollen Namen der Alternative für Deutschland mit Leben erfüllen soll, sind aktueller denn je, denn es genüge nicht, „ein bißchen Kritik an Eurokratie-, Einwanderungs- oder Meinungskontroll-Exzessen zu treiben.“

Den Internetauftritt von Günter Scholdt finden Sie HIER. Ein aktuelles Interview über sein Buch hat die Sezession mit ihm geführt.

Bertolt Brechts Theaterstück Die Maßnahme ist eine der am wenigsten verhohlenen Rechtfertigungen eines revolutionären, kommunistischen Mords. 1930 uraufgeführt, galt es unter Kommunisten als Verrat: Zu offen wurde innerparteiliche Herrschafts- und Gewaltpraxis dargestellt und legitimiert. Der Literaturwissenschaftler und politische Publizist Scholdt legt Die Maßnahme in den Hintergrund einer schonungslosen Lageanalyse.

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Vor kurzem ist die neue Ausgabe der Zeitschrift Abendland aus dem ARES Verlag erschienen. Wir haben die neue Ausgabe durchgeblättert.

In seinem Artikel Die Revolution frißt ihre Väter analysiert Fabio Witzeling die Bewegung „Black Lives Matter“. Für ihn ist sie ein Prototyp für eine neue Form linker Politik. Ihre Akteure hätten demnach die hohlen Phrasen der vorangegangenen Generationen ernst genommen und sie mit chaotischem Aktionismus und neuen Ritualen gefüllt. Linke Gleichheitsvorstellungen hätten sich so mit der tief verankerten Amazon-Mentalität, in der alles auf Knopfdruck ins Haus geliefert wird, verbunden.

Der Infantilismus ist eben nicht nur naiv und harmlos – er hat auch eine äußerst grausame Seite. Er ist das vorläufige Endstadium der von A A rnold Gehlen in „Moral und Hypermoral“ beschriebenen grenzenlosen Ausweitung der Familienmoral, wobei in dieser Familie die verantwortungsvollen Eltern fehlen und die unreflektierten Wünsche der Kinder zum Ausgangspunkt der Ethik werden. Darin wird jede Äußerung und jede Handlung, die irgend jemanden von irgend etwas „ausgrenzt“, zur Todsünde.

Günter Scholdt schreibt in seinem Artikel über Populismus im Sprachgebrauch des Mainstreams. Dieser sei kein substanzreicher Begriff, sondern lediglich eine Schmähvokabel gegen rechtsalternative Parteien. Eine ernsthafte Beschäftigung mit diesem Phänomen ergäbe jedoch, dass daraus abgeleitete Vorwürfe z. B. in Richtung AfD oder FPÖ entweder nicht zutreffen oder in gleichem Maß alle Parteien kennzeichnen. Politologische Aussagekraft gewänne „Populismus“ nur in nichtdenunziatorischer Wortbedeutung.

In der Postdemokratie wird Volksherrschaft nur mehr institutionell simuliert, in Wirklichkeit jedoch durch mehr oder weniger korruptive Loyalitätsbindung mächtiger Sozialkräfte ersetzt. Gemäß dem Ideal parlamentarischer Demokratie fallen die politischen Entscheidungen im Wettbewerb der Parteien. Die Postdemokratie neigt jedoch dazu, wählerbedingte Unsicherheiten zu minimieren und die herrschende politmediale Klasse zu verdauern. Sie kostümiert sich dabei als R R egiment alternativloser R R ationalität um der Zukunft willen und geriert sich als kaum zu befragende Expertokratie.

Ein weiterer Blick ins Inhaltsverzeichnis verspricht eine ansprechende Lektüre:

Die Revolution frißt ihre Väter – Fabio Witzeling

Schritt für Schritt in den Niedergang – Mag. Werner Reichel

Corona-Splitter

Von Identität, Integration und Assimilation – Feroz Khan

Postdemokratie statt Volksherrschaft – Günter Scholdt

Rassismus ohne Menschenrassen? – Ulrich Kutschera im Gespräch mit Bernd Kallina

Nationalstaat, soziale Frage und Europa – Benedikt Kaiser

Abendland – Felix Dirsch

Die Erkenntnis des Okkulten als Lüge – Mag. Siegfried Waschnig

Die religiöse Situation in der EU – Slavko Leban

Russisch versus Sowjetisch Von Wolfgang Akunow

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Günter Scholdt bespricht für FREILICH das neue Buch von Albert C. Eibl „Der Waldgang des Abenteuerlichen Herzens“.

Der ausgrenzende metapolitische Machtkampf um die Bewertung von Kunst und Literatur gehört zu den trübsten Geschäften einer staatlich hochsubventionierten Kulturindustrie. So gipfelt die verbiesterte Art, etwa Germanistik als Tagespolitik zu treiben, modellhaft im Fall des jahrzehntelang „umstrittenen“ Ernst Jünger.

Warum in „progressiven“ Kreisen diese engstirnige, erst neuerdings überwundene Jünger-Phobie so lange Bestand hatte, erklärt Albert Eibl in seiner jüngst erschienenen Studie „Der Waldgang des Abenteuerlichen Herzens“ zwar nicht. Aber er setzt – hoffentlich – einen philologischen Schlusspunkt hinter die unhaltbaren Bemühungen, die Frontstellung des Schriftstellers zum Dritten Reich zu ignorieren oder zu marginalisieren.

Eibls Hauptthesen über Jüngers politisch-literarische Entwicklung zwischen 1929 und 1942 sind evident. Er konstatiert, dass sich Jünger vom Nationalsozialismus nicht vereinnahmen ließ, sondern in Werken wie „Blätter und Steine“ (1934), „Das Abenteuerliche Herz, 2. Fassung“ (1938) „Auf den Marmor-Klippen“ (1939) oder „Gärten und Straßen“ (1942) deutliche Widerstandssignale aussandte. Der Autor habe dabei äußerst wirksame ästhetische Strategien des verdeckten bzw. uneigentlichen Sprechens entwickelt, die weniger Angriffsfläche boten, aber für Eingeweihte die geistige Herausforderung offensichtlich machten.

Vornehmlich sei es ihm darum gegangen, gegen die Schrecken der Tyrannei zu immunisieren, „Todesfurcht zu bannen“, Trost, Mut und Hoffnung zu spenden – ein Leitmotiv, das ihn mit anderen Inneren Emigranten verband. Insbesondere der „Verlorene Posten“ wurde ihm zum wichtigen Symbol der Zeit, zum Appell, jenseits von despotischen Masseninstinkten das Rechte zu tun. Insofern sei Jüngers Werk zwischen 1933 und 1945 zu einem „seltenen Manifest des ästhetischen Widerstands“ mit bedeutendem Subversivpotential geworden.

Über die „Seltenheit“ muss man reden, zumal Eibl diese am Ende selbst relativiert. Macht er doch, ausgehend von Werner Bergengruen, zu Recht darauf aufmerksam, dass zwischen 1933 und 1945 noch so mancher literarischer Fund zu bergen sei: „Ganz ähnlich wie im Fall Ernst Jüngers harren bislang noch zahlreiche weitere zu Unrecht verfemte, vergessene oder unverstanden gebliebene Autoren und ihre Werke einer solchen Wiederentdeckung im Zeichen des intellektuellen Widerstands gegen das NS-Regime. Die Zeit scheint nun endlich reif, sich dieser Autoren und ihrer mutigen Schriften von Neuem – und unter verändertem Blickwinkel – anzunehmen.“

Eibls literarhistorische Bilanz von Jüngers Entwicklung, die er interpretatorisch besonders am „Abenteuerlichen Herzen“ festmacht und bis zum Großessay „Der Waldgang“ (1951) verlängert, ist plausibel. Desgleichen sein Nachweis, dass eine individuelle (Schriftsteller-)Perspektive bereits die Erstfassung von Jüngers „Abenteuerlichem Herzen“ (1929) charakterisiert, als der Autor sich noch als glühender Nationalist im Gemeinschaftsopfer verwirklicht sah. 1932 schlug das Pendel sogar bis zum Extrem einer Kollektividentität des „Arbeiter“ aus. Das heißt, erst die Zweitfassung markiert den wirklichen, zugleich eigentlich unverkennbaren Bruch mit früheren Überzeugungen. Ab jetzt gibt es nur noch den Außenseiter als „Waldgänger“, den Träger eines Kulturprotests gegen die Barbarei jeglicher totalen Mobilmachung.

Wie könnte es auf der Basis des von Eibl Bilanzierten mit der Jünger-Forschung sinnvollerweise weitgehen? Nach der Anerkennung als Dissident im Dritten Reich wäre seine als skandalös empfundene politische Publizistik in der Weimarer Republik zumindest zu historisieren. Denn singulär anstößig war das, was man häufig als NS-Schrittmachertum definiert und der Autor im „Arbeiter“ als kollektivistische Dynamik umfassend auslebte, gewiss nicht. Dergleichen zeigt sich vielmehr in verschiedenen politischen Lagern und nur unterschiedlichen Kostümen bzw. Angriffsobjekten als Zeittrend. Nur dass dies bei linken Autoren – d.h. der Mehrheit der heute Kanonisierten – in der Regel als leicht verzeihliche Jugendsünde bagatellisiert wird.

Lesen Sie auch „Marmorklippen im Mainstream“ von Günter Scholdt.

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Bereits seit Jahren warnen verschiedene Journalisten und „Experten“ vor dem weltweit zunehmenden Gespenst des „Populismus“. Brexit, Trump, Salvini, AfD und FPÖ – sie alle seien, da ist sich das politmediale Establishment einig, eine rechtspopulistische Gefahr für die westlichen Demokratien. Der Germanist und Historiker Prof. Dr. Günter Scholdt sieht das anders. In seinem neuesten Werk fühlt er dem Phänomen „Populismus” aus konservativer Sicht auf den Zahn.

Es gibt zwar zahlreiche verschiedene Definitionen, was Populismus denn nun genau sei, doch im öffentlichen Diskurs scheint es, als bewerteten viele das Phänomen grundsätzlich eher negativ. Besonders im alltäglichen Sprachgebrauch kommt der Populismus meist schlecht weg und dient mehr als Totschlagvokabel denn Analyseinstrument. Mit seinem Spruch „Wir sind das Volk“ sei er eine „undemokratische Anmaßung“ und spalte die Gesellschaft, heißt es etwa von Kritikern. Außerdem biete er „einfache Lösungen“ für „komplexe Probleme“ und neige dazu, ins „völkische Denken“ abzugleiten. Der Populismus sei daher mit einer pluralistischen westlichen Demokratie nicht vereinbar.

Bekenntnis zum Populismus

Dessen ungeachtet bekennt jedoch sich beispielsweise der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland freimütig zum Populismus. Für ihn ist es wichtig, dass das Volk wieder mehr direkten Einfluss auf die Politik nehmen kann. Gauland stellt der „globalistischen Klasse“ und ihrem kosmopolitischen Traum einer „One World“ zwei heterogene Gruppen gegenüber: die bürgerliche Mittelschicht und die „sogenannten einfachen Menschen“. Für diese Gruppen ist Heimat noch immer ein Wert an sich und deshalb wollen sie sie auch nicht aufgaben. Gauland sieht diesen Riss durch alle westlichen Gesellschaften verlaufen. „Die Globalisierung sieht im Penthouse sehr viel freundlicher aus als in der Sozialwohnung“, fasst der AfD-Politiker in einem FAZ-Gastkommentar zusammen.

Reaktion auf die Demokratiekrise

Das Phänomen „Populismus“ wird also äußerst unterschiedlich bewertet und ist angesichts der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen weiterhin von großem Interesse. Aus diesem Grund beschäftigt sich auch der Germanist und Historiker Prof. Dr. Günter Scholdt (Autor u.a. von Freilich und der Sezession) in seinem neuesten Werk „Populismus. Demagogisches Gespenst oder berechtiger Protest?“, das dieses Jahr im Verlag „Basilisken-Presse“ erschienen ist, mit den verschiedenen Begriffsdefinitionen und setzt sich mit einigen Vorwürfen gegen den Populismus kritisch auseinander. Scholdt kommt letztlich zu dem Schluss, dass Populismus überhaupt nicht negativ betrachtet werden muss, sondern im Gegenteil eine wichtige Funktion in der Demokratie übernehmen kann.

Populismus vs. Postdemokratie

Für den Historiker ist das politische Phänomen „Populismus“ vor allem eine Reaktion auf eine akute Demokratie- und Repräsentationskrise, und nicht, wie von den Herrschenden oftmals in der Kausalkette verdreht, die Ursache dafür. In der heutigen postdemokratischen Gesellschaft, in der „Volksherrschaft” nur noch als Simulation ablaufe, wirke der Populismus als „heilsames Gegengift“, der zumindest Fehlentwicklungen, wie etwa die zunehmende Entfernung der Eliten von breiten Schichten des Volkes, sichtbar macht. Bei zahlreichen Themen, von Asyl und Migration bis zur EU, fühlt sich der einfache Bürger von den Regierenden weder gehört noch vertreten und bekommt dadurch den Eindruck vermittelt, dass es auf seine Stimme gar nicht mehr ankommt und dass sowieso über seinen Kopf hinweg entschieden wird. „Beim heutigen Populismus“, so Scholdt, „geht es nicht allein um Ökonomie, sondern zugleich um vielfältige andere Benachteiligungen, nicht zuletzt um die verweigerte wirkliche Teilhabe am Gesellschaftsdiskurs“. Der Populismus will „echte Meinungsäußerungsfreiheit“ wiedererobern und ein „repressionsfreies Sozialklima“ schaffen, betont der Autor. Für Scholdt ist „echter Populismus“ sogar die letzte Chance zu ermitteln, „ob wir überhaupt noch in einer Demokratie leben“.

Das Buch „Populismus. Demagogisches Gespenst oder berechtigter Protest?“ von Günter Scholdt im FREILICH Shop.

Quelle: Tagesstimme


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