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Die Hierarchie der Opfer kennt statistisch und moralisch vernachlässigenswerte Kollateralschäden der multikulturellen Gesellschaft.

„Ich bin nicht tot, / ich tausche nur die Räume, /

ich leb‘ in euch / und geh‘ durch eure Träume.“

Am 14. Oktober 2019 attackierte der afghanische Asylwerber Jamal Ali Achmad in einem Flüchtlingsheim im idyllischen oberösterreichischen Wullowitz, Marktgemeinde Leopoldschlag, seinen 32-jährigen Betreuer David H. mit einem Messer und fügte ihm schwere Verletzungen zu, denen dieser einige Tage später erlag. Als Motiv nannte die Polizei „Differenzen bei der Vermittlung eines Arbeitsplatzes“. Sechs Asylwerber sollen zu Hilfe geeilt sein, drei wurden verletzt. Jamal Ali Achmad, ein gläubiger Muslim, der gerne laut aus dem Koran las, ergriff die Flucht. Kurz darauf tötete er den 63-jährigen Landwirt Franz G. mit einem Messerstich und raubte dessen Auto. Wie so oft war der Täter bereits zuvor „auffällig“ geworden, wegen Raufhandels und Sachbeschädigung. 2015 per Schlepper nach Österreich eingereist, war sein Asylgesuch 2018 abgelehnt worden.

Sein Betreuer David H. beteuerte auf Bildungsabenden mit afghanischen und syrischen Mehlspeisen, sein „großer Wunsch für die Zukunft“ sei, „dass die Asylwerber noch mehr als bisher Kontakt zur Leopoldschläger Bevölkerung haben dürfen“. Er organisierte Töpferworkshops mit Flüchtlingen, die „für alle Teilnehmer ein tolles Erlebnis“ waren. Rund 20 bis 30 Asylwerber lebten seit 2015 in dem Heim in der 1000-Seelen-Gemeinde, bislang „klaglos“, wie Bürgermeister Hubert Koller (ÖVP) betonte. Die Einwohner waren allerdings von Anfang an wenig begeistert über das vom Roten Kreuz betreute Asylheim und seine Nähe zu den Wohnhäusern. „Die Anschuldigungen muss man natürlich ernst nehmen“, so Koller zu oe24. Damals, als die Asylwerber kamen, „is natürlich aa a Aufstaund g’wesen“. Das Landesgesetz ließ der Gemeinde allerdings keine Wahl. Jamal A. sei, so Koller, „gut integriert“ gewesen, habe „immer wieder mitgeholfen“. Nichtsdestotrotz wurde das Asylheim nun auf Druck der Bürger aufgelöst, was zu tränenreichen Szenen führte: „Zahlreiche Asylwerber-Kinder, die in Schulen und Vereinen gut integriert waren, wurden nach der Flucht aus ihrer Heimat erneut aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen.“ (www.tips.at)

Als bekannt wurde, dass die von Staat und Medien als „rechtsextrem“ geächtete Identitäre Bewegung in Leopoldschlag eine Mahnwache für Franz G. abhalten wollte, rief Koller die Bürger dazu auf, sich fernzuhalten: „Weder die Gemeinde noch die Beteiligten oder die Angehörigen der Opfer wünschen sich eine Teilnahme.“ Der FPÖ-Bezirksparteichef Peter Handlos ergriff flugs die Gelegenheit, sich die Hände an den patriotischen Aktivisten sauberzuwischen: „Lasst euch trotz der furchtbaren Vorfälle in Leopoldschlag bitte nicht von Rechtsextremen instrumentalisieren“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Nur um anschließend in einem Interview zu äußern: „Die heile Welt ist tot. Im gesamten Bereich Asyl- und Fremdenrecht sind die Zügel anzuziehen. Und zwar deutlich!“ Schließlich erschienen trotz Abschreckung von oben rund 60 Personen zu der Gedenkveranstaltung. Martin Sellner, Kopf der Identitären, wies den Vorwurf der „Instrumentalisierung“ zurück. Die Mahnwache sei notwendig, weil es die etablierten Politiker verabsäumten, die Wahrheit auszusprechen, dass Franz G. zum „Opfer der gescheiterten und falschen Migrationspolitik“ geworden sei. Kein „Einzelfall“ also, sondern ein strukturelles Problem.

Freilich, ein altes Spiel: Was dem einen ein berechtigtes Anliegen ist, wird von dem anderen, seinem politischen Gegner, als „Instrumentalisierung“ und „Stimmungsmache“ abgewertet. Opfergedenken verbunden mit politischen Forderungen bedeutet immer, einen schmalen Grat des Geschmacks und der Pietät zu beschreiten, und idealerweise sollten Zorn und Empörung eher sinnvoll kanalisiert als unbesonnen angefacht werden. Das sind berechtigte Skrupel, die indes heute ausschließlich „Rechte“ haben. Sie müssen angesichts der Kollers und Handlos’ überwunden werden, denn nichts, absolut nichts wird sich ändern, wenn alle Verantwortung „an die Politik“ weiterdelegiert wird, die sich nach Empfang der Wählerstimmen in der Regel kaum einen Millimeter bewegt und im Modus der Beschwichtigung und der leeren Versprechen verharrt.

Es war doch schließlich nur einer von 20 Asylwerbern, der nur zwei von 1015 Einwohnern des Dorfes getötet hat? Franz G. und David H. sind nicht die ersten Opfer und nicht die ersten Todesopfer verfehlter Asylpolitik seit 2015. Es ist leider zu erwarten, dass auch sie, gemäß der herrschenden „Hierarchie der Opfer“, als statistisch und moralisch vernachlässigenswerte Kollateralschäden der multikulturalistischen Mission abgebucht werden.

Dieser Kommentar erschien im FREILICH Magazin 06.

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