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Buchhändlerin und Verlegerin Susanne Dagen ist die letzte Salonnière unserer Tage. In virtuellen und realen Begegnungsräumen sucht sie das freie Gespräch.

Der Beruf des Buchhändlers gehört zu den 17 Berufen der Berufsprestige-Skala des Instituts für Demoskopie Allensbach. Ca. 7 % der Buchhändler genießen bei den Deutschen seit etlichen Jahren hohes Ansehen. Diese Reputation, mit der der Buchhändler in der Reihung vor Politikern und Fernsehmoderatoren gelandet ist, verdankt er sicher dem als hochwertig empfundenen Handelsgut Buch und vielleicht auch der Tatsache, dass er direkt am Quell kulturell wichtiger Strömungen zu sitzen scheint; ein Verwalter und Wissenswächter also, der über Qualität, Vielfalt und Reinheit unserer geistigen Nahrung durch seine Offerten zumindest mitentscheidet.

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Das ist auch 2021 so, obwohl das Ideenmagazin für den Buchhandel „BuchMarkt“ feststellt, dass „Veränderungen in der Buchhandelslandschaft dafür sorgen, dass der konkrete Kontakt mit dem Buchhändler selten bleibt: Internethandel […], Handelsketten, bei denen man sich möglichst beratungsfrei von den aufgestapelten Bestsellern selbst bedienen kann“.

Doch Kundennähe ist nicht nur in den Buchhandlungen selbst von fataler Kundenentfremdung abgelöst worden. Denn Buchhändler gefährden durch politisch korrekte Sortimente und den Ausschluss weltanschaulich unliebsamer Autoren ihre Existenz und entpflichten sich vom Anspruch auf Meinungsfreiheit und Toleranz beziehungsweise Diskursbereitschaft.

So kam es im Oktober 2017 auf der Frankfurter Buchmesse zu Auseinandersetzungen Linker mit rechten Verlagen. Auf der Leipziger Messe im März 2018 dann diskutierten Buchhändler und Fachpublikum auf einem Forum des Deutschen Börsenvereins die Frage: „Wie politisch ist der Buchhandel?“ Die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen kritisierte währenddessen in einem Offenen Brief an den Börsenverein den Umgang mit „andersdenkenden Verlagen“ auf der Frankfurter Buchmesse und veröffentlichte die „Charta 2017“, die unter anderem auch von Cora Stephan, Vera Lengsfeld, Matthias Matussek und Uwe Tellkamp unterzeichnet wurde.

Die daraufhin einsetzende repressive Gegenreaktion des autoritären Kulturestablishments hatte allerdings einen weiteren Grund: Dagen, das einstige Vorführkind der Buchhändlerszene der „neuen Bundesländer“, hatte sich laut „Spiegel“ im Mai 2016 angeblich als „PEGIDA-Sympathisantin geoutet“, was sie so aber tatsächlich nicht getan hatte. Das böswillig von dem Relotius-Blatt Unterstellte war, was nicht sein durfte, denn noch 2008 war das „BuchHaus Loschwitz“ zur „Buchhandlung des Jahres“ gewählt worden.

In der „Studie zur Literaturvermittlung in den fünf neuen Bundesländern zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ hieß es: „Gewürdigt wurde damit vor allen Dingen die Idee, die Buchhandlung [Loschwitz] als einen auratischen Ort für Kultur- und Literaturveranstaltungen auszubauen. […] Mit einem Budget von gerade mal 20.000 € organisiert das Buchhaus Loschwitz über 100 Veranstaltungen im Jahr, davon 60 Literaturveranstaltungen, zwölf Ausstellungen, 25 Konzerte sowie zwei Filmvorführungen pro Woche.

Damit leistet das Buchhaus für die Literatur- und Kulturvermittlung mehr als andere Einrichtungen, die mit dem drei- bis fünffachen Budget arbeiten.“ Nicht zuletzt wegen dieser Leistungen gab es 2015 und 2016 den Deutschen Buchhandlungspreis in der Kategorie „besonders herausragend“.

Die neuen Jakobiner bekamen über den besagten „Spiegel“-Artikel jedoch alsbald Witterung, und so fiel die linke Jagdgesellschaft gnadenlos über die 1972 in Dresden-Bühlau geborene gelernte Buchhändlerin und zweifache Mutter sowie ihren Lebenspartner Michael Bormann her. Munition für die Kulturblockwarte unserer Tage lieferte die umtriebige Dresdnerin, indem sie die auf YouTube zu sehende regelmäßige Literatursendung „Aufgeblättert. Zugeschlagen – Mit Rechten lesen“ veranstaltet. Dabei werden drei aktuelle Bücher im Austausch zwischen der Publizistin Ellen Kositza vom Verlag Antaios, der Buchhändlerin und einem jeweils neuen Gast vorgestellt und besprochen.

Weitere Fehltritte im gleichgeschalteten Milieu der „Cancel-Culture“-Akteure sind Interviews mit Dagen in „COMPACT“ und der „Sezession“. Es folgten Angriffe in den sozialen Netzwerken. Noch Ende Januar 2019 wurden Hakenkreuze geschmiert. Sie hätte nicht damit gerechnet, „dass so ein Sturm über mich hereinbricht“, bekennt Dagen.

Trotzdem ist die Buchhändlerin im Kampf gegen die sich verengenden Gesinnungskorridore aktiver denn je. Im vergangenen Jahr konnte sie das 25-jährige Jubiläum ihres Projektes feiern und startete gleichzeitig die Buchreihe „EXIL“ in der „Edition BuchHaus Loschwitz“. Die schön gemachte Paperbackreihe „versteht sich als Kunst der Zuflucht ebenso wie als Zuflucht der Kunst, die sich einem Klima zunehmender politischer Anfeindung ausgesetzt sieht.

Als Zuflucht der Kunst setzt sie auf das Literarische und Künstlerische ihrer Texte, womit sie zugleich Kunst als Zuflucht bietet – nur sie ist es, die uns Räume der Freiheit, der Träume und des Denkens öffnen kann“. Zuflucht unter dem Dach des „BuchHaus Loschwitz“ hatten in der ersten Staffel neben Uwe Tellkamp auch Monika Maron und Jörg Bernig gesucht.

Tellkamp als Opfer einer üblen Pressekampagne, Maron, als ob sie den Rauswurf beim Verlag S. Fischer im Voraus geahnt hätte, und Bernig, dessen später widerrufene Wahl zum Kulturamtsleiter der sächsischen Stadt Radebeul im Mai 2020 stattfand. Im Prinzip alles Opfer der sich selbst Haltungsjournalisten nennenden linken Meute von denunzierenden Berufsschreibern. Denn Jörg Bernig und Monika Maron hatten wie Uwe Tellkamp zwar den zunehmenden Verlust geistiger Freiheiten und das beklemmende Klima sogenannter politischer Korrektheit in Deutschland und Europa beklagt, jedoch, ohne sich dabei in irgendeiner Form auf eine parteipolitische Seite zu schlagen.

Susanne Dagen macht in Dresden-Loschwitz indes unverdrossen weiter, sie legte im Oktober 2020 mit der zweiten Staffel der „EXIL“- Buchreihe nach: Bernd Wagner, Angela Wierig und Eva Rex publizierten. Letztere betrachtet unter dem Titel „Rettet den gesunden Menschenverstand“ Hannah Arendt im Mehrheitsdiskurs.

 Allein der Buchtitel dürfte die Betreiberin des BuchHaus- und KulturHaus-Projektes angesprochen haben, viel mehr allerdings sind es sicher Sätze wie diese gewesen: „Wissenschaft wurde in totalitären Systemen schon immer herangezogen, um großangelegte Experimente eines gesellschaftlichen Umbaus vorzunehmen. […] Heute steht uns das große Experiment bevor, dass eine ‚monoethnische und monokulturelle Demokratie in eine multiethnische‘ verwandelt werden soll.

Und dafür braucht es Homogenisierung – das Zerreiben des Menschen zu ethisierten, ökologisierten, pazifizierten, feminisierten und durchgegenderten Bestandteilen des humanitären Universalismus. Dass dadurch die Handlungsfähigkeit des politischen Bürgers unmöglich gemacht wird, sollte uns längst klar geworden sein.“ Susanne Dagen ist in Dresden Stadträtin der Freien Wähler für Kultur, Umwelt und Petitionen.

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Neues Jahr, neue Inhalte. FREILICH startet die Buchreihe POLITIKON. In Band 2 schreibt Irfan Peci über den Ruf der Islamisten. Wer ihn verbreitet, wer ihm folgt und wie man ihn zum Schweigen bringt.

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Europa hat keine eindeutigen geografischen Grenzen. Die Identität Europas ist also immer auch eine Frage danach, was Europa nicht ist. Wo endet das Europäische, wo beginnt der Orient? Wo verläuft die Grenze? Gibt es überhaupt eine? Das politmediale Establishment sagt: Nein!

Antike, Christentum und Aufklärung sind das Fundament, auf dem Europa aufgebaut ist. Das ist in linken, christlichsozialen und kirchlichen Kreisen entweder in Vergessenheit geraten – oder man versucht aus ideologischen Gründen gezielt, diese Basis zu zerstören. Neuerdings gehört sogar der Islam, den die Europäer jahrhundertlang bekämpft haben, zu Europa.

Gibt es Grenzen? Wenn ja, wo verlaufen sie? Antorten darauf lesen Sie im POLITIKON „Das Lob der Grenze“ von Heinrich Sickl.

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Von Angela Merkel und Sebastian Kurz abwärts: Jeder wichtige Politiker ist mittlerweile verpflichtet, sich öffentlich dazu zu bekennen, dass der Islam zu Europa, zu unserer Kultur gehöre. Wer dieses Unterwerfungsritual verweigert, gilt als rechts und rassistisch. Weil der Islam zu Europa gehört, gehören auch Clanstrukturen, Faustrecht, Rückständigkeit, Unterdrückung von Frauen, religiöse Unruhen, Fortschrittsfeindlichkeit und viele andere vormoderne Traditionen, Werte und Verhaltensmuster, die man in Europa bisher nicht kannte bzw. die durch den Zivilisationsprozess verschwunden waren, wieder zu unserem Alltag. Die Wiederkehr des Archaischen und Religiösen bezeichnen Liberale als „kulturelle Bereicherung“.

Jetzt ist eben auch der Islam Teil Europas, eine Politreligion mit totalitärem Anspruch, gegen die unsere Vorfahren jahrhundertelang blutige Abwehrkämpfe geführt haben. Das ist für zeitgenössische weltbürgerliche Europäer nur insofern von Bedeutung, dass sie daraus eine kollektive europäische Schuld ableiten. Dass ihre Ahnen ihre Werte und ihr Territorium mit der Waffe verteidigt haben, ist für die heutigen verweichlichten und islamophilen Gutmenschen unvorstellbar.

Europäische Geschichte, Kultur, Traditionen, Werte und Identität spielen im neosozialistischen multikulturellen Europa keine Rolle mehr. Sie sind nur noch dazu da, um daraus die europäische Erbschuld zu konstruieren, mit der man die Bürger moralisch erpressen und kleinhalten kann. Es gibt nach dieser Denkart keine Europäer mehr, sondern nur noch…

Europäische Erbschuld, europäische Geschichte und multikulturelles Europa – ist tatsächlich schon alles verloren?

Weiter lesen Sie auf rund 100 Seiten im POLITIKON „Das Lob der Grenze“.

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Heimat, das ist auch Mitschunkeln. Von Sacha Korn gibt es das DDR-Kinderlied „Unsere Heimat“ auf neu. Auf FREILICH einfach zum Reinhören.

Kommt mit in den Proberaum und hört Euch „Unsere Heimat“ von Sacha Korn an:

Ursprünglich ist das gute Stück ein DDR Kinderlied. Wer das Original kennenlernen will, Text und Noten gibt es hier: www.vodf.de/liederprogramm/heimat.pdf

Sacha Korn (Jahrgang 1975) ist ein deutscher Musiker und Musik-Manager. Er studierte an der Los Angeles Music Academy und dem MIT in Los Angeles, später auch in Frankfurt/Main. Er arbeitete als Berater und vertrat westliche Plattenfirmen und Verlage in Osteuropa. Seit 2009 veröffentlichte Sacha Korn mehrere Musikalben unter seinem Namen, Ende 2020 ist sein neues Album „Heimat“ erschienen. Hier ist die Heimatseite von Sacha Korn.

Sacha Korn – Heimat

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Kostenfrei hören bei:  Spotify | Deezer | Bandcamp.

Jetzt auf der TAGESSTIMME exklusiv im Interview: Rockmusiker Sacha Korn – „Patriotische Musik fehlt in Deutschland“


JETZT NEU! Das FREILICH Magazin in der Ausgabe 11.  HIER und JETZT ein FREILICH-Abo zeichnen!

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Neues Jahr, neue Inhalte. FREILICH startet die Buchreihe POLITIKON. Band 1 von FREILICH-Herausgeber Heinrich Sickl singt „Das Lob der Grenze“.

Grenzen, so Heinrich Sickl, helfen uns Identität zu bewahren und Sicherheit zu garantieren. Aktuelle Herausforderung wie Corona und illegale Migration machen klar, dass es Zeit ist für Freiheit und Frieden Grenzen zu setzen und zu verteidigen.

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Kulturschaffende wollen eine Verfassungsklage einbringen und so klären, ob die jüngste Schließung der Kulturstätten verfassungskonform war.

Die Künstler kritisieren die Schließungen der Kulturstätten und das politische System, das dafür verwantwortlich zeichnet. Wenn zentrale Kulturstätten als bloße „Freizeiteinrichtungen“, und eingebettet zwischen „Paintballanlagen“ und „Stätten zur Ausübung der Prostitution“ klassifiziert werden, führe das zu einer beängstigend fortschreitenden Halb- und Unbildung, so die Kritik.

Trotz der Kooperation mit von Landes- und Bundesregierungen empfohlenen Gesundheitsexperten und erarbeiteter Präventionskonzepte, Hygienemaßnahmen und trotz keinerlei relevanter Infektionsketten im Publikum, seien sämtliche Kultureinrichtungen erneut Anfang November geschlossen worden.

Die Kulturschaffenden sehen Kunst und Kultur als offensichtlich volkswirtschaftlich systemrelevant an. Doch weit grundlegender sei die Summe aller Kulturleistungen, die auf individueller wie kollektiver Ebene Identität stifte. Kunst und Kultur als kritisches Sprachrohr sowie die Möglichkeit der Teilhabe daran seien unentbehrliche Bausteine einer demokratischen Gesellschaft, so die Künstler.

HIER mehr über die geplante Verfassungsklage erfahren. Das Vorhaben können Sie HIER finanziell unterstützen!


Die aktuelle Ausgabe 10 des FREILICH Magazins beschäftigt sich unter dem Titel „Unpopulär rechts“ mit den Problemen des Rechtspopulismus in Europa und Österreich. Die Heftvorschau finden Sie HIER.

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CATO versteht sich als meinungsbildendes Medium, das für den vergessenen Wert des Bewahrens eintritt. Was hilft uns weiter? Worauf können wir zurückgreifen? Woran wollen wir uns erinnern? Was sollten wir pflegen? CATO bietet Orientierung im Hinblick auf Politik, Kultur, Religion, Alltag und Familie. CATO lässt den Leser nicht im Regen der Krisenmeldungen stehen. CATO wird konkret und beansprucht Gültigkeit über Tag und Jahr hinaus. CATO-Chefredakteur Andreas Lombard stellt die neue Ausgabe vor.

Schon fast vergessen ist, dass am 6. Juli 2020 der große Komponist ­Ennio ­Morricone im biblischen Alter von 91 Jahren starb. Sein Porträt auf unserem Umschlag ist ein gemalter Nachruf von dem Straßenkünstler ­Harry ­Greb, der das Bild nach ­Morricones Tod über Nacht an eine Hauswand im römischen Stadtteil Tras­tevere warf. Die Krone über dem Nimbus ­Morricones erinnert an die der New Yorker Freiheitsstatue, und noch leichter zu entschlüsseln ist die Bedeutung des Oscars, mit ­dem ­Morricone zweimal ausgezeichnet wurde. Der Nachruf von ­Marco ­Gallina im aktuellen CATO zeigt, wie angemessen diese Verbeugung vor dem italienischen Nationalhelden ist. Warum aber legt er den Zeigefinger auf die Lippen? Das hat Morricone auf einer Fotografie für ein Buchcover getan und damit vielleicht auf ein Fresko von Fra Angelico angespielt, das Petrus Martyr vorstellt (siehe Seite 61). Der Dominikaner wurde am 6. April 1252 von gedungenen Mördern mit einem Beil erschlagen und bereits im Jahr darauf heiliggesprochen.

Das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe

Die Welt als Jammertal und das Weiterleben der Seele im Jenseits – solche Glaubensinhalte haben auch eine praktische Bedeutung, die notorisch unterschätzt wird. 1968 wurde der „Hirntod“ zu einem sicheren Zeichen des Todes erklärt, was die Organtransplantation sehr erleichtert hat. Ohne die Unsterblichkeit der Seele würden wir nicht merken, dass das Hirntod-Konzept dem Sensenmann schlicht ins Handwerk pfuscht. Darüber beklagt er sich höchstselbst im Interview mit Stefan ­Rehder: „Ich bin die Trennung von Leib und Seele“, sagt er, und diese Trennung ist eben das, was beim Hirntod nicht stattfindet. Weshalb der Hirntod nicht der Tod ist.

Schlafes Bruder spricht über Schein- und Hirntod

Zurück nach Rom: Die drei Reisen, die einst ­Kaiser ­Wilhelm II. in die Ewige Stadt führten, waren Ereignisse, die ebenfalls so gut wie vergessen sind. Es ist heute kaum noch „vermittelbar“, dass und warum der letzte ­Deutsche Kaiser in Italien an die Tradition des Heiligen Römischen Reiches anknüpfte; dabei ist die Erinnerung an die Fruchtbarkeit seiner kulturpolitischen Initiativen gerade in Zeiten der „Cancel Culture“ kostbar.

Die jüngsten Rassenunruhen haben nur wenig mit rassistisch motivierter Polizeigewalt zu tun

Es gibt einen weiteren wenig bekannten Grund, warum ­Kaiser ­Wilhelm II. für unsere Gegenwart relevant ist: Er war nicht empfänglich für politische Religionen, insbesondere für diesseitige Erlösungshoffnungen, wie sie inzwischen fast das ganze politische und öffentliche Leben aufheizen. So auch den Kampf gegen „strukturellen Rassismus“, der sich zu einer ernsthaften Gefahr für das staatliche Gewaltmonopol und die verfassungsmäßige Ordnung der westlichen Welt auswächst. Wir kennen das Phänomen von der Antifa, die nicht davor zurückschreckt, Migranten in ihren Kampf gegen den Staat einzuspannen – mit Zustimmung bis in höchste Kreise der Politik. Leider können sich diese meist nicht entschließen, die destabilisierenden Folgen der Zuwanderung entschieden anzugehen, wodurch sie vor allem ihre Verantwortung gegenüber den Zuwanderern sträflich vernachlässigen. Große Herausforderungen könnten eine Gesellschaft einen, aber nach Flüchtlings- und Klimarettung hat nun auch die Corona-Poli­tik das Land tief gespalten. Inzwischen fehlt es an einfachstem Wissen über das Funktionieren von Staat und Gesellschaft. Totalitäre Flausen, die sich schneller verbreiten als jedes Virus, betäuben den gesunden Menschenverstand. Es kommt aber nicht darauf an, die Gesellschaft zu verändern, sondern sie wieder zu erden, findet Ihr Andreas Lombard.

Die aktuelle Ausgabge von CATO „Die Aufklärung frißt ihre Kinder“ HIER im FREILICH Buchladen bestellen.


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Die in Flammen stehende Kathedrale von Nantes hat es in die internationalen Schlagzeilen geschafft. Es handelt sich schließlich um einen der bedeutendsten Kirchenbauten Frankreichs. In der Regel werden Angriffe und Anschläge auf christliche Gotteshäuser von Medien und Politik aber verschwiegen. Es ist ein Tabu-Thema. Obwohl in Europa jeden Tag mehrere Kirchen geschändet werden.

In Waidring, einem kleinen Ort in der Nähe von Kitzbühel, haben Unbekannte vor einigen Tagen versucht, die Pfarrkirche aus dem Jahr 1764 abzufackeln. Nicht zum ersten Mal. Von solchen Angriffen liest man, wenn überhaupt, in der Lokalpresse.  Die großen Medien interessieren sich nicht dafür.

Solche Attacken sind in Mitteleuropa keine Einzelfälle. Immer öfter werden Kirchen, Kathedralen, Kapellen, Friedhöfe, Gipfelkreuze und andere christliche Symbole beschmiert, beschädigt, verwüstet, angezündet oder sonst wie geschändet. Beispiel Frankreich. Hier haben sich solche Angriffe seit 2008 vervierfacht. Mittlerweile werden jeden Tag zwei der insgesamt 45.000 Gotteshäuser geschändet.

Nicht immer bleibt es bei Sachbeschädigungen. Am 26. Juli 2016 haben zwei Muslime in der Kirche von Saint-Étienne-du-Rouvray in der Normandie einem 85-jährigen Priester während einer Messe den Kopf abgeschnitten. Seither herrscht in den französischen Kirchengemeinden Angst. Der Frankreich-Korrespondent der New York Times schreibt: „Die Gemeinden sind schockiert und fühlen sich verwundbar. Die Angriffe haben sich in den vergangenen Jahren auf dramatische Weise vervielfacht und ereignen sich praktisch in allen Teilen Frankreichs: auf dieselbe Weise im städtischen und ländlichen Raum, in großen Städten und kleinen Dörfern.“

Auch in Deutschland nehmen, von den Mainstreammedien ignoriert, die Attacken auf Kirchen und andere christliche Symbole zu. „Vandalismus an religiösen Stätten haben in Deutschland krass zugenommen – krass nicht nur im Ausmaß, sondern auch in der Qualität“, schreibt der Kunstexperte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Jakob Johannes Koch, im Januar dieses Jahres.

Die Lage ist durchaus dramatisch

Wie dramatisch die Lage mittlerweile im einst christlichen und  nunmehr multikulturellen, sprich islamisierten, Deutschland ist, verdeutlicht ein Artikel auf katholisch.de vom März dieses Jahres. Darin erklärt der Autor, wie sich Kirchengemeinden gegen Angriffe und Verwüstungen ihrer Gotteshäuser schützen können. In dem Text wird das Repertoire der Kirchenschänder beschrieben. Es reicht von Brandstiftung, eingeworfenen Kirchenfenstern, enthaupteten Heiligenfiguren, beleidigenden Graffitis, Zigarettenstummel im Beichtstuhl bis zu Urin im Weihwasserbecken. Auch Fäkalien werden gerne und oft in Kirchen hinterlassen.

„Die Qualität der Angriffe hat sich in jüngster Zeit verändert und schlägt immer mehr in Hass über …“

Die Qualität der Angriffe hat sich in jüngster Zeit verändert und schlägt immer mehr in Hass über, heißt es auf katholisch.de. Ein Vorschlag, sich dagegen zu schützen, lautet: „Betroffene Gemeinden sollten als erstes versuchen, die personelle Präsens in den Kirchen sicherzustellen (…) Diese Menschen können allein durch ihre Anwesenheit dafür sorgen, dass die Kirche einladender wird, und gleichzeitig Menschen abschrecken, die dort Unfug treiben wollen.“ Ein nicht ganz ungefährlicher Vorschlag, wie wir seit Saint-Étienne-du-Rouvray wissen. Auch beim Brandanschlag auf Saint-Sulpice, der zweitgrößten Kirche von Paris, wenige Tage vor dem Brand von Notre-Dame, konnten Kirchenbesucher nur knapp den Flammen entkommen.

Kirchen-Schändungen als „Unfug“ zu bezeichnen, ist eine grobe Verharmlosung und völlige Verkennung der Sachlage. Es handelt sich hier in aller Regel nicht um Unfug, nicht um simple Vandalenakte und schon gar nicht um Lausbubenstreiche. Auch wenn die Kirche sich und ihren verbliebenen Gläubigen das gerne einreden möchte, weil es die bequemste Variante ist.

15. April 2019 – Notre Dame in Flammen.

Die Wahrheit ist eine andere. Wir befinden uns in einem brutalen Kulturkampf. Wobei Kampf nicht ganz korrekt ist, weil es dafür zwei Parteien bräuchte, die gegeneinander kämpfen. Diese Auseinandersetzung ist aber eine einseitige Angelegenheit. Die Kirchen wehren sich nicht nur nicht, sie verharmlosen und verschweigen die systematischen Angriffe, sprechen von Unfug, von dem sie hoffen, dass er irgendwann von allein aufhören wird. Nichts könnte falscher sein.

Die brennenden und geschändeten Kirchen sind vielmehr eine direkte Folge der Islamisierung Europas. Es ist kein Zufall, dass seit dem Willkommensherbst 2015, als Millionen von Muslimen nach Europa, insbesondere nach Deutschland, Schweden und Österreich, strömten, diese Angriffe massiv zugenommen haben.

„Ideologisch zielgerichteter Motivation“ meint: der Islam ist das Problem

Selbst der Kunstexperte der Deutschen Bischofskonferenz, der die Zerstörung von christlichen Symbolen und Kulturgütern beklagt, traut sich das Wort Islam nicht in den Mund zu nehmen, spricht schwammig von „ideologisch zielgerichteter Motivation“. Um welche Ideologie es sich in der Regel handelt, liegt auf der Hand. Auch wenn Politik, Medien und Kirchen das Thema bisher erfolgreich unter Verschluss halten konnten, aus Frankreich wissen wir, dass der Großteil der Täter junge Muslime sind.

Dass die systematischen Angriffe gegen christliche Symbole kein Thema in den Medien und der Öffentlichkeit sind, liegt aber nicht nur an linken Politikern und Journalisten, die keinerlei Interesse daran haben, über die Kollateralschäden ihrer eigenen Willkommens- und Multikulti-Politik zu diskutieren, die sogar abstreiten, dass eine Islamisierung unseres Kontinents stattfindet. Es sind die Kirchen selbst, die dieses Thema verschweigen oder klein reden. Dabei spielen Scham und schlechtes Gewissen eine nicht unwesentlich Rolle, schließlich sind die Kirchen treibende Kräfte und glühende Anhänger der Willkommenskultur, der unkontrollierten Masseneinwanderung  aus dem islamischen Raum. Als 2016 die CDU den Vorschlag machte, christliche Flüchtlinge aus dem Nahen Osten bei der Aufnahme zu bevorzugen, protestierte die Kirchen am lautesten dagegen. Das sei unchristlich, hieß es.

„Die Kirche ist zu feige, die Täter beim Namen zu nennen, druckst herum, spricht von Unfug.“

Die katholische und die protestantischen Kirche sind in den vergangenen Jahrzehnten zu linken Sozialhilfevereinen, zu Weltrettungs-NGO wie Hunderte andere auch verkommen. Im Mittelpunkt steht nicht mehr Gott, man hat ihn durch den Schutzsuchenden aus Afrika und dem Orient ersetzt. Er ist nun das Objekt der Anbetung und Verehrung. Das hat Kölner Erzbischof Woelki besonders deutlich demonstriert, als er  bei der Fronleichnamsmesse vor dem Kölner Dom ein Flüchtlingsboot zum Altar umfunktioniert hat.

Da ist es wenig hilfreich und vor allem peinlich, wenn viele der Angebeteten aus der ihnen zugedachten Rolle fallen und statt Dankbarkeit zu zeigen, die selbstlosen „Retter“  attackieren. Die Kirche ist zu feige, die Täter beim Namen zu nennen, druckst herum, spricht von Unfug. Man kann und will sich diesen Angriffen nicht entgegenstellen, nicht einmal verbal, hat kapituliert, bevor der Kampf richtig begonnen hat. Kein Wunder, dass sowohl die katholische als auch die protestantische Kirche kaum noch in der Lage sind, den weniger werdenden Gläubigen Halt und Orientierung zu geben.

Was ist von Religionsgemeinschaften zu erwarten, deren oberste Vertreter beim kleinsten Widerstand, der leisesten Kritik von außen ihr wichtigstes Symbol, das heilige Kreuz,  kleinlaut verstecken. Geschehen beim Besuch von Bischof Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx in der al-Aqsa-Moschee in Jerusalem.

Von der Zerstörung der Symbole zur Verfolgung

Es stellt sich nicht nur für die Kirche die Frage, wohin das führen soll. Aufgrund dieser Ignoranz, aufgrund der weiterhin offenen europäischen Außengrenzen und den demographischen Entwicklungen in Europa, werden die Attacken und Anschläge weiter zunehmen, bis es irgendwann kaum noch unbeschädigte Kapellen, Kirchen, Gipfelkreuze oder Friedhöfe gibt. Will die Kirche, wollen Politik und Medien weiter kleinlaut und tatenlos zusehen, wie systematisch zerstört wird, was Europa über Jahrhunderte geprägt und ausgemacht hat, was unsere Kultur und unsere Identität repräsentiert?

Vor allem: Es wird nicht bei der Zerstörung von Symbolen bleiben.  In praktisch allen mehrheitlich von Muslimen bewohnten Ländern, werden Christen bzw. Ungläubige diskriminiert, verfolgt, vertrieben oder getötet. Von Pakistan bis Nigeria.

Die christliche NGO „Open Doors“, veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht über die weltweite Verfolgung von Christen. „Die Gewalt gegen Christen und ihre Kirchen hat dem neuen Bericht zufolge dramatisch zugenommen“, ist die Kurzzusammenfassung von 2020.

Gegen Christen und ihre Kirchen! Das gehört untrennbar zusammen. Da können die knieweichen europäischen Kirchenvertreter  den Kopf noch so tief in den Sand stecken. Auch wenn sie  das traurige Schicksal ihrer christlichen Glaubensbrüder in Asien und Afrika weiterhin  standhaft ignorieren. Man ist eher um das Wohlergehen der anderen Seite besorgt, man könnte ja jemanden beleidigen.

Dabei steuert auch Europa direkt auf solche Zustände zu, wenn nicht energisch gegengesteuert wird. Doch dafür gibt es westlich von Polen und Ungarn keine Anzeichen.

WELTVERFOLGUNGSINDEX 2020 – Wo Christen am stärksten verfolgt werden

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Gestern, am 13. Juni 2020, ist der Schriftsteller Jean Raspail verstorben. „Selbst die Rechte hat ein Herz“, attestierte ihm die links- liberale Tageszeitung „Libération“. Sein Verleger und Übersetzer Konrad Weiß vom Karolinger Verlag hat ihn erstmals 2016 in Paris besucht. Er erinnert sich.

Ist man bei Jean Raspail geladen, dem Romancier, Abenteurer, royalistischen Grandseigneur, Barden untergegangener Völker und verlorener Sachen sowie Generalkonsul eines imaginären Königreichs, dann gibt es eigentlich nur ein angemessenes Fortbewegungsmittel, um zu diesem letzten ausführlichen Gespräch zu erscheinen, das der reaktionäre Einzelgänger der Öffentlichkeit zu geben gedenkt: zu Pferde. Wir aber sind zu Fuß.

Raspail, Jahrgang 1925, aber kerzengerade, in angedeutet austriakischer Gewandung, übernimmt die Zügel, fördert aus seinen mit Memorabilien geschmückten Regalreihen Marion Gräfin Dönhoffs „Namen, die keiner mehr nennt“ zutage und zitiert: „Meine Vorfahren sind zu Pferd gekommen, wir gehen zu Pferd“, und sagt: „Es rührt zu Tränen! Wenn man das liest, kann man für einen Moment ‚den Rest‘ vergessen, und der wiegt wahrlich schwer, und sich verneigen vor der Größe der Kämpfer und Zivi- listen. Aber Deutschland vergisst seine Geschichte.“

Jean Raspail durchlief eine Reihe katholischer Schulen, die ihm jedoch meist die Tür wiesen; das Abitur gelang erst im dritten Anlauf. Eine berufliche Orientierung scheiterte ebenso wie erste Schreibversuche, deren Mängel er aber intuitiv begriff. Das Nachkriegsfrankreich mit seinen schrumpfenden Horizonten eignete sich wenig zur Erweiterung des eigenen; es folgte „ein Abenteuer, das über meine Existenz entschieden hat“: Raspail durchmaß im Kanu über 4.500 Kilometer die einstigen französischen Besitzungen in Nordamerika, von Québec bis La Nouvelle-Orléans. Seine Leitsterne waren der Jesuitenmissionar Marquette und der Cavelier de La Salle, die Entdecker des Mississippis beziehungsweise seiner Mündung. Beide gingen nach ungeheuren Anstrengungen dabei zugrunde. Dann ging er nach Kanada und Louisiana, entlang der „Wasserwege des Königs“, allesamt 2005, 55 Jahre nach der Fahrt, im gleichnamigen Buch von Raspail in berückender Schönheit heraufbeschworen. Man findet darin schon den Kern von Raspails Faszinationen und Werk angedeutet – Königtum, Katholizismus, verlorene Sachen, ergänzt durch eine zärtliche Liebe zu untergehenden Kleinstvölkern, erworben auf einer weiteren Reise, diesmal vom Kap Hoorn nach Alaska und zu den Ureinwohnern Patagoniens, die in den Regenstürmen der Magellanstraße ein Dasein herzerweichender Kargheit fristeten.

Eine Laufbahn als Reiseschriftsteller folgte, bis Raspail sesshaft wurde und Frankreich in einem „radikalen Wandel kultureller Natur“ wiederfand, in seiner Substanz bedroht und wie so viele Völkerschaften davor „reif für den finalen Schlag“. Mit dem „Heerlager der Heiligen“ (Schnellroda 2015), dessen Übersetzungen allein mehrere Regalreihen füllen, nimmt er auch die Literatur wieder auf und die Gegenwart in beängstigend prophetischer Weise schon 1973 vorweg: Eine Million bettelarmer, aber entschlossener Boatpeople fällt als Vorhut der Dritten Welt gewaltlos in Frankreich ein, das ein Trommelfeuer der Indoktrination durch faktisch gleichgeschaltete Medien und politische Eliten zu jeglichem Widerstand und Selbstbehauptungswillen unfähig gemacht hat. Heute spricht man von „Willkommenskultur“ – und Raspail von der „altruistischen Idiotie, die Millionen deutscher Schwachköpfe, pardon, ‚Aber ja! Nur immer herein!‘ ausrufen lässt“.

Und Frankreich, nach dem Attentat aufs Bataclan? „Niemand hat den Feind benannt. Es gab keine wirkliche Reaktion, bloß nationales Lamentieren, Blumenhaufen und Hollandes Beflaggungsaufforderung – dergleichen tut man für Siege, nicht für Begräbnisse. Es ist eine gigantische Schafherde und eine Art Party. ‚Die andere Seite‘ – französische Staatsbürger, die ich nicht verachte, aber nicht als Landsleute betrachte – hat eine schleichende Kolonisation begonnen, sie macht in manchen Banlieues 80 Prozent aus und bewirkt bereits eine Segregation durch Rückzug. Irgendwann wird man nicht mehr ausweichen können, eine Art Bürgerkrieg ist unausweichlich.“

Seinerzeit für seine Prognosen von der Presse verdammt, kann Raspail sich heute ihrer kaum mehr erwehren: „Jetzt sind wir mittendrin. ‚Raspail hatte recht‘, heißt es, und man hat vergessen, was man damals über mich sagte.“ Spricht er wie die AfD von der Waffe als Ultima Ratio? „Gewalt ist nicht zwangs- läufig ein Töten, sondern zunächst eine Attitüde eminenten Energischseins.“ Und bei aller Schärfe seiner Diagnose: „Dieses Problem ist nicht zu lösen. Ich sehe mich selbst auch schwerlich jede Barmherzigkeit gegenüber Leuten verlieren, die auf der anderen Seite der Barrikade verhungern.“

La droite, darin sieht er „nicht eine politische Position, sondern eine Denkfamilie, keine Frage der Politik, sondern des Ideals“.

Raspail hat nie verhehlt, ein „Mann der Rechten“ zu sein. „Selbst die Rechte hat ein Herz“, attestierte ihm die links- liberale Tageszeitung „Libération“. La droite, darin sieht er „nicht eine politische Position, sondern eine Denkfamilie, keine Frage der Politik, sondern des Ideals“, und hält es mit seinem verstorbenen Freund Jean Cau, dem Schriftsteller und Privatsekretär Sartres: „La droite n’est pas d-i-c-i-ble“, nicht aussprechbar, buchstabiert Raspail, „sondern Ergebnis eines schwer erfassbaren état d’âme, einer Seelenlage“.

Ein Element aber sei fundamental, mache geradezu den Menschen aus: „Haltung! Nicht die Pose. Sehen Sie sich die englische Königin an, während ihres ganzen Lebens. Formidable!“ Raspails Romanfiguren haben samt und sonders keine Hoffnung, aber eine zugleich selbstvergessene und unbeugsame Attitüde des Trotzdem. Eine weiterer Wesenszug von Werk und Autor: „Es scheint, als zählte ich zu jenen Menschen, die eine religiöse Natur haben. Dergleichen soll ja vorkommen. Das Empfinden für das Heilige ist innerlich – oder es ist nicht.“ Papst Franziskus’ migrationspolitische Einlassungen verfolgt er mit Sorge, aber: „Rom ist Rom, der Papst der Papst.“ Ungeheuren Schaden sieht Raspail aber durch das Zweite Vatikanum angerichtet, „den Willen zur Zerstörung des Heiligen. Wenn man den Sinn für das Heilige verliert, haben die Leute keine Lust mehr, eine Religion zu haben. Genau das ist geschehen.“ Indes sei eine Erneuerung, aus der Tradition, spürbar: Sie komme, ebenso wie die Rettung der katholischen Welt insgesamt, aus den Klöstern.

Außer unfreiwilligen Scharmützeln mit antirassistischen Pressure Groups, die ihn verklagen (und meist unterliegen), meidet Raspail, zeitlebens parteilos, die Niederungen der Politik ebenso wie die Masse, die er verabscheut. 1993 aber, zur zweihundertsten Wiederkehr der Hinrichtung Ludwigs XVI., organisierte er eine Gedenkkundgebung am Tatort, der Place de la Concorde; Zehntausende erschienen. Geforderte Verschiebungen lehnte er zuvor strikt ab – „der Kopf des Königs ist um 10 Uhr 23 gefallen, nicht im Morgengrauen, nicht nach Büroschluss“ –, ein Verbot erging. In letzter Minute aber wurde die Polizei zurückgepfiffen. „Wissen Sie, wer das getan hat? Mitterrand. Er war links, aber hatte einen Sinn für die Geschichte.“

Antoine de Tounens, ein Provinzadvokat des 19. Jahrunderts, hatte sein Leben der fixen Idee verschrieben, sich ohne Ressourcen und Unterstützung zum König der patagonischen Ureinwohner aufzuschwingen, sie vereint gegen die chilenisch-argentinischen Unterdrücker zu führen. Abnehmenden Erfolgen stand bald zunehmender Realitätsverlust gegenüber; besiegt, verspottet, aber ungebrochen ging „Orelie-Antoine I.“ 1878 in einer elenden Dachkammer im französischen „Exil“ zugrunde. Man ahnt es: Hier fließen alle Faszinationen Raspails zusammen. Sein resultierender Roman erhält den begehrten Grand Prix de l’Académie française

Die Faszination vom geträumten Königreich am Ende der Welt aber verfestigt sich, wird ihm zur „Ersatznationalität“ – und grassiert: Vom Grab Antoines vernimmt Raspail augenzwinkernd die Berufung zum „Generalkonsul“, erschafft „Patagonien“ militärische und zivile Amtsträger, Institutionen. 

„Zärtlichkeit, Ironie, Stolz und Melancholie“: ein sehr raspailesker Vierklang charakterisiert die Wahlpatagonier, und ihr Generalkonsul fragt sich angesichts der wachsenden Flut gerade sehr junger Staatsbürgerschaftswerber, „ob wir in einem Land leben, und jetzt spreche ich von Frankreich, in dem man noch träumen kann, wenn man zwanzig ist“.

Jean Raspail ist siebzig Jahre älter, neunzig verweht, und sagt zum Abschied mit heiterer Gelassenheit: „In fünf Jahren werde ich tot sein. O doch! Ich hoffe.“ Und trotzdem klingt eine seiner Zeilen nach und mit: „Wenn man eine (fast) verlorene Sache vertritt, muss man ins Horn stoßen, aufs Pferd springen und einen letzten Ausfall wagen.“ An der Avenue de Wagram in Paris, unweit des Triumphbogens, bleibt der letzte Franzose im Sattel.

MEHR RASPAIL – Konrad Markward Weiß in Interview mit der Tagesstimme: „Jean Raspail hat sich niemals mit dem Zeitgeist gemein gemacht”

„Heerlager der Heiligen“ im FREILICH Buchladen.

„Die Axt aus der Steppe“ ist eben bei Karolinger erschienen. Wir veröffentlichen die Besprechung in den nächsten Tagen. Ein ausführlicher Nachruf erscheint in der nächsten Ausgabe des FREILICH Magazins.


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Bildquelle: Archiv

„Wir müssen reden, um die Gesellschaft zu verändern“, sagt einer der damaligen Diskussionsteilnehmer im Video. Yukio Mishima, Schriftsteller, Putschist, Selbstmörder und einer der bekanntesten Autoren der Rechten: Er stellt sich 1969 an der Universität von Tokio den Mitgliedern der linksradikalen Studentengruppe Zenkyoto.

Die legendäre Diskussion wurde gefilmt, die Bänder galten allerdings seit über 50 Jahren als verschollen. Nach der Entdeckung des archivierten Materials wurde sie neu gemastert und mit englischen Untertiteln versehen, so dass die letzte öffentliche Debatte von Mishima nun zum ersten Mal auf Film zu sehen ist. Dazu kommen Kommentare von Wissenschaftlern, Historikern und Zeitzeugen. Den Trailer zu dieser Dokumentation zeigen wir: 

Yukio Mishima zählt zu den bedeutendsten Autoren seiner Generation. In seinem Werk befasst sich der Japaner unter anderem mit der Beziehung zwischen Kunst und Körper. Daneben war er politischer Aktivist. Nach einem misslungenen Putschversuch beging er 1970 vor einer ebenso entsetzten wie faszinierten Menge Selbstmord durch Harakiri. Dazu eine sehenswerte filmische Kurzbiografie in fünf Minuten auf ARTE: The Lost Ones: Yukio Mishima – Schriftsteller und Aktivist

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Deutschland ist nicht nur Land der Dichter und Denker und Bildungsexporteur geblieben, es ist auch das Leseland. Allen modernen Medien zum Trotz hat sich die Wertschätzung des gedruckten Wortes bis heute erhalten. Daher ist das Vorlesen eine der wichtigsten Aufgaben, die Eltern erfüllen müssen.

Wenn es nach Caroline Sommerfeld und Ellen Kositza geht, dann bedeutet vorzulesen, mit den Kindern  ein (abendliches) Ritual zu pflegen, ihnen die Welt der Bücher zu erschließen und ihnen eine großartige Kulturtechnik beizubringen. Jedoch warnen sie auch vor den Bergen schlechter, schäbiger, zersetzender Bücher, vor unmöglichem Zeug und schädlicher Lektüre.

150 gute Tipps für das Lesen mit Kindern.

Über das Vorlesen sind sich die Autorinnen einig: Im Alter bis etwa vier wird dem je jüngsten eine exklusive Abendlektüre gewidmet, ein schönes, reich illustriertes Buch oder zwei, drei Pixi-Bücher, von denen sich mittlerweile im Haushalt rund 150 angesammelt haben. Doch hier scheiden sie die Spreu vom Weizen: Pixis wie die Öko-Geschichte „Viktor baut eine Brücke“ oder das sozialkritische „Die kleine Watschelente“ sind im Haushalt gewiß hundertemal vorgelesen worden, andere wie „Anna und der Weihnachtsbaum“ mit einem Vollidioten als Vater, wanderten in den Ofen.

Kositza und Sommerfeld bringen es gemeinsam auf zehn Kinder und vierzig Jahre Leseerfahrung. Sie kennen sich vorzüglich aus und empfehlen rund 150 Bücher, in vier Altersgruppen gegliedert, vom Bilderbuch über einfache Geschichten bis zum Übergang, in dem das Selbstlesen das Vorlesen ablöst. Dabei beginnen sie mit Büchern, die viele Bilder und wenig Text beinhalten, bis hin zur Alterklasse „Fast schon erwachsen“. Jedes Buch wird dabei auf maximal drei Seiten vorgestellt und der Vorschlag gut begründet. Klassiker, Verborgenes, Entdeckungen – „Vorlesen“ ist ein konservativer Leitfaden durch eine verrückte Zeit.

Ellen Kosizta über das Vorlesen auf Sezession.de.

Das Buch „Vorlesen“ von Ellen Kositza und Caroline Sommerfeld im FREILICH Shop.

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Die Initiative Ein Prozent aus Sachsen will der „Motor der Gegenkultur“ sein. Deshalb unterstützen sie alternative Kunst. Das jüngste Projekt ist eine Kooperation mit dem Berliner Musiker Sacha Korn.

Unterstützung für junge Musiker

In der Vergangenheit hat Ein Prozent mehrfach unter Beweis gestellt, dass die Aktivisten ihren Worten Taten folgen lassen. Sie unterstützen etwa die patriotischen Rapper Komplott und Bloody 32.

Mit Sacha Korn geht der Verein neue Wege. Mit der Veröffentlichung des Videos zur Single Unsere Kraft wollen der weitgereiste und erfolgreiche Musiker und die patriotische NGO ein Zeichen für die Unterstützung alternativer Künstler setzen.

Die Einnahmen aus dem Verkauf der Single sowie der Soli-T-Shirts kommen zu einem Großteil jungen, patriotischen Musikern zugute, wie Ein Prozent verkündete. Wer Interesse hat, kann sich hier umsehen.

Musik als Leidenschaft

Der Protagonist, Sacha Korn, ist Musiker durch und durch. 1975 in der DDR geboren, zog es den jungen Korn in die große, weite Welt. Nach seinem Studium in Los Angeles hielt er sich vor allem im Osten Europas auf. Dort machte er sich einen Namen als Manager bekannter Musiker, darunter internationale Größen wie Queen und The Prodigy

Nach seiner Rückkehr stellte er jedoch fest, dass in Deutschland mit anderem Maß gemessen wird. Er kenne die Zustände „von Moskau bis L.A.“ und nirgendwo werde die Kunst so zensiert wie in diesem Land, so Korn. Er selbst bekommt das am eigenen Leib zu spüren: Zunächst beim Branchen-Riesen Universal Music unter Vertrag, ging Korn bald wieder eigene Wege – man wollte seine politischen Botschaften nicht mittragen.

Seit 2009 veröffentlichte der experimentierfreudige Rocker und leidenschaftliche Musiker bereits fünf Alben und mehrere Singles sowie die dazugehörigen Videos. Für das kommende Frühjahr kündigt er sein neues Album mit dem Titel „Heimat“ an.