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Populismus

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Bereits seit Jahren warnen verschiedene Journalisten und „Experten“ vor dem weltweit zunehmenden Gespenst des „Populismus“. Brexit, Trump, Salvini, AfD und FPÖ – sie alle seien, da ist sich das politmediale Establishment einig, eine rechtspopulistische Gefahr für die westlichen Demokratien. Der Germanist und Historiker Prof. Dr. Günter Scholdt sieht das anders. In seinem neuesten Werk fühlt er dem Phänomen „Populismus” aus konservativer Sicht auf den Zahn.

Es gibt zwar zahlreiche verschiedene Definitionen, was Populismus denn nun genau sei, doch im öffentlichen Diskurs scheint es, als bewerteten viele das Phänomen grundsätzlich eher negativ. Besonders im alltäglichen Sprachgebrauch kommt der Populismus meist schlecht weg und dient mehr als Totschlagvokabel denn Analyseinstrument. Mit seinem Spruch „Wir sind das Volk“ sei er eine „undemokratische Anmaßung“ und spalte die Gesellschaft, heißt es etwa von Kritikern. Außerdem biete er „einfache Lösungen“ für „komplexe Probleme“ und neige dazu, ins „völkische Denken“ abzugleiten. Der Populismus sei daher mit einer pluralistischen westlichen Demokratie nicht vereinbar.

Bekenntnis zum Populismus

Dessen ungeachtet bekennt jedoch sich beispielsweise der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland freimütig zum Populismus. Für ihn ist es wichtig, dass das Volk wieder mehr direkten Einfluss auf die Politik nehmen kann. Gauland stellt der „globalistischen Klasse“ und ihrem kosmopolitischen Traum einer „One World“ zwei heterogene Gruppen gegenüber: die bürgerliche Mittelschicht und die „sogenannten einfachen Menschen“. Für diese Gruppen ist Heimat noch immer ein Wert an sich und deshalb wollen sie sie auch nicht aufgaben. Gauland sieht diesen Riss durch alle westlichen Gesellschaften verlaufen. „Die Globalisierung sieht im Penthouse sehr viel freundlicher aus als in der Sozialwohnung“, fasst der AfD-Politiker in einem FAZ-Gastkommentar zusammen.

Reaktion auf die Demokratiekrise

Das Phänomen „Populismus“ wird also äußerst unterschiedlich bewertet und ist angesichts der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen weiterhin von großem Interesse. Aus diesem Grund beschäftigt sich auch der Germanist und Historiker Prof. Dr. Günter Scholdt (Autor u.a. von Freilich und der Sezession) in seinem neuesten Werk „Populismus. Demagogisches Gespenst oder berechtiger Protest?“, das dieses Jahr im Verlag „Basilisken-Presse“ erschienen ist, mit den verschiedenen Begriffsdefinitionen und setzt sich mit einigen Vorwürfen gegen den Populismus kritisch auseinander. Scholdt kommt letztlich zu dem Schluss, dass Populismus überhaupt nicht negativ betrachtet werden muss, sondern im Gegenteil eine wichtige Funktion in der Demokratie übernehmen kann.

Populismus vs. Postdemokratie

Für den Historiker ist das politische Phänomen „Populismus“ vor allem eine Reaktion auf eine akute Demokratie- und Repräsentationskrise, und nicht, wie von den Herrschenden oftmals in der Kausalkette verdreht, die Ursache dafür. In der heutigen postdemokratischen Gesellschaft, in der „Volksherrschaft” nur noch als Simulation ablaufe, wirke der Populismus als „heilsames Gegengift“, der zumindest Fehlentwicklungen, wie etwa die zunehmende Entfernung der Eliten von breiten Schichten des Volkes, sichtbar macht. Bei zahlreichen Themen, von Asyl und Migration bis zur EU, fühlt sich der einfache Bürger von den Regierenden weder gehört noch vertreten und bekommt dadurch den Eindruck vermittelt, dass es auf seine Stimme gar nicht mehr ankommt und dass sowieso über seinen Kopf hinweg entschieden wird. „Beim heutigen Populismus“, so Scholdt, „geht es nicht allein um Ökonomie, sondern zugleich um vielfältige andere Benachteiligungen, nicht zuletzt um die verweigerte wirkliche Teilhabe am Gesellschaftsdiskurs“. Der Populismus will „echte Meinungsäußerungsfreiheit“ wiedererobern und ein „repressionsfreies Sozialklima“ schaffen, betont der Autor. Für Scholdt ist „echter Populismus“ sogar die letzte Chance zu ermitteln, „ob wir überhaupt noch in einer Demokratie leben“.

Das Buch „Populismus. Demagogisches Gespenst oder berechtigter Protest?“ von Günter Scholdt im FREILICH Shop.

Quelle: Tagesstimme


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Regierungskrisen in Italien werden in restlichen Europa meist unbesorgt beobachtet. Italien hat in den letzten 70 Jahren es auf fast ebenso viele Regierungen gebracht. Neben Regierungsumbildungen gab es auch einschneidende Brüche und Umwälzungen. Die erste Regierung Berlusconis vor 25 Jahren war so eine Umwälzung. Was bedeutet das Phänomen Salvini demnach für Italien und Europa?

Der Autor Lorenz Gallmetzer sieht den Siegeszug der „nationalistischen, fremdenfeindlichen und gegen alle bisher Regierenden gerichteten Populismus in Italien“ im Einklang mit den Entwicklungen weltweit. Sei es Trump in den USA, Le Pen und die Gelbwesten in Frankreich, Kaczyński in Polen, überall seien die Ursachen für den Stimmungsumschwung die gleichen: Globalisierung und digitale Revolution hätten den Westen seit dem Zweiten Weltkrieg geltenden Gesellschaftsvertrag erschüttert.

Immer mehr Menschen fühlen sich allein gelassen

Wirtschaftskrise, Prekarisierung der Arbeit, soziale Ungleichheit oder Migration habe die Menschen verängstigt und nicht zu Unrecht hätten sie das Gefühl, dass die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft selbst entweder ohne Kompass navigieren oder nur an ihren Vorteil und den Machterhalt denken.

Gerade in Italien sieht der Autor den Vertrauensverlust noch größer als in Rest Europas. Seit Jahrzehnten schaffe es die dritte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone nicht, die grundlegenden Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung einigermaßen ausgewogen zu befriedigen. Neben den Topleistungen in einigen Spitzensektoren von Wissenschaft und Wirtschaft herrschten teilweise Dritte-Welt-Verhältnisse: Mangelnde und zerfallende Infrastrukturen im Gesundheitswesen, in der Schule, im Straßen- und Transportwesen, seien Alltag. Dazu kämen noch Korruption, Bürokratie und die Mafia.

Das schwächste Glied in der Kette

Der Autor warnt aber davor, hier mitleidig mit de Achsel zu zucken und Italien als „europäischen Sonderfall“ abzutun und zur Tagesordnung überzugehen. Denn Italien sei zwar vermeintlich „das schwächste Glied der Kette“, aber ein Reißen der Kette hätte besorgniserregende Folgen für ganz Europa, weil ein „Salvinismus“ auf die anderen Länder überschwappen könne.

Lorenz Gallmetzer zeigt auf, welche historischen Faktoren die derzeitige Entwicklung möglich machten und welche „Vorreiterrolle“ Italien dabei stets einnahm und will davor warnen, dass die nationalistische Rechtswende im drittstärksten Staat der Eurozone mehr ist als eine der gewohnten Krisen „all italiana“.

Auch wenn Gallmetzer versucht die Rechte als Schreckgespenst an die Wand zu malen, wartet er doch mit wertvollen Hintergrundinformationen auf. Trotz der offensichtlichen Wertung des Autors, findet der geübte kritische Leser (nicht nur) zwischen den Zeilen spannenden und aktuellen Lesestoff.

Das Buch „Von Mussolini zu Salvini“ von Lorenz Gallmetzer im FREILICH-Shop.

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