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Studienabschluss

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Nur die Hälfte der Studenten schließt die Studieneingangsphase in einem Semester ab. Ein Viertel der Studenten tritt sogar zu gar keiner Prüfung an, in Klagenfurt, Innsbruck und Salzburg sogar 40 Prozent. Lukas Heim über mögliche Hintergründe.

Die 2011 eingeführte Studieneingangs- und Orientierungsphase (Steop) soll den Studenten einen Überblick über den Inhalt und die Ausrichtung des Studiums liefern und sind Voraussetzung für das Besuchen von weiteren Kursen an den Universitäten. Dabei hat jede Universität selbst zu bestimmen, welche Lehrveranstaltungen für die Steop herangezogen werden. Der Umfang bewegt sich zwischen acht und 20 ECTS Punkten.

Die Evaluierung der Steop durch das Institut für Höhere Studien (IHS) hat nun ergeben, dass einer von vier Studenten gar nicht zu den Steop Prüfungen antritt. Auffallend ist dabei die Liste der Universitäten mit den wenigsten prüfungswilligen Studenten. Sowohl an den Universitäten in Innsbruck als auch in Klagenfurt und in Salzburg, wo erst kürzlich die Wogen auf Grund des Reformvorschlags von Rektor Lehnert hochgingen, treten knapp 40 Prozent der Studenten gar nicht erst zur Steop an. Aber auch an den restlichen Universitäten sind die Zahlen alarmierend: Nur jeder zweite Studienanfänger absolviert die Steop innerhalb eines Semesters. Nach zwei Semestern erhöht sich diese Zahl auf drei von vier, wobei diese Zahl bei Männern und Frauen etwa gleich hoch ist. Hier bilden die Montanuniversität in Leoben und die TU in Wien mit einem höheren Männeranteil die Ausnahme.

Die Motive für das Fernbleiben von Steop Prüfungen sind unterdessen unklar. Einerseits ist es möglich, dass sich Studenten für mehrere Studien anmelden und dann im Laufe des Semesters ein Studium abbrechen oder sich einer ganz anderen Tätigkeit widmen. Andererseits besteht auch die Möglichkeit, dass es zu wenig Informationen zu den Studien gibt, die Studenten schlichtweg eine zu geringe Verbindlichkeit im Studium sehen oder unklare Erwartungshaltungen gegenüber einem Studium vorherrschen. Es steht dabei auch die Frage im Raum wie „studierbar“ die Curricula sind und ob die Steop durch schwere Prüfungen als versteckte Zugangsbeschränkung missbraucht wird, was die niedrigen Regelabschlüsse erklären könnte.

Lukas Heim war bis vor kurzem Bundesobmann und Mandatsträger des Rings Freiheitlicher Studenten. Er ist Politologe und studiert aktuell Betriebswirtschaftslehre und Change Management & Leadership im Masterstudiengang.

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Dieses Problem besteht unabhängig von der derzeitigen Coronakrise auch lange nach dem Studienabschluss. Der Obmann der Freiheitlichen Studenten (RFS) Lukas Heim schreibt für FREILICH über das Spannungsverhältnis zwischen Akademikern und Facharbeitern.

Im Jahr nach dem Abschluss des Studiums haben ein Viertel der Masterabsolventen keinen passenden Arbeitsplatz. Als passend werden in der Studie dabei jene Arbeitsplätze gesehen, die ihrer Qualifikation, die sie durch das Studium erlangt haben, entsprechen. Selbst fünf Jahre nach Studienabschluss arbeiten immer noch rund 20 Prozent in einem Job, der nicht dem Fachbereich ihres Studiums entspricht. Wenn man bedenkt, dass die Zahl der Akademiker in Österreich in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen ist, die Zahl der Facharbeiter jedoch gesunken, so kommt diese Erkenntnis nicht überraschend. Die Wahl des Studiums ist auch für die Arbeitsplatzsuche nach dem Abschluss entscheidend: Viele Sozialwissenschaften werden überlaufen, wo hingegen vor allem die MINT Fächer gebraucht werden und nach dem Abschluss heiß begehrt sind.

Andere europäische Länder abgeschlagen

Vergleicht man Österreich mit anderen Ländern, so zeigt sich, dass der Wert dort deutlich höher ist. In Litauen, Griechenland oder Malta finden vier von zehn Hochschulabsolventen keine adäquate Arbeit. Selbst fünf Jahre nach Abschluss waren es zwischen einem Drittel und der Hälfte der Akademiker, die nicht in ihrem Fachgebiet arbeiten oder arbeitslos sind. Diejenigen, die in ihrem Fachgebiet arbeiten, verdienen dafür im Schnitt rund 13 Prozent weniger als in ihrem Qualifikationsniveau üblich ist. Neben der Arbeitsmarktsituation ist vor allem der familiäre Hintergrund und das Bildungsniveau der Eltern für die Absolventen entscheidend. Wollen sie eine ihrer Qualifikation entsprechende Arbeit finden, so sind sie oft auf die Unterstützung der Eltern angewiesen. Länder, die davon besonders betroffen sind, sind Deutschland Litauen und Kroatien.

Immer mehr „brotlose Akademiker“

Um den Trend der „brotlosen Akademiker“ gegenzusteuern, wäre es sinnvoll, die MINT Fächer entsprechend zu fördern. Im Gegensatz zu den Sozialwissenschaften, die lediglich Hörsäle für die Lehre benötigen, sind die Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Lehre in den MINT Fächern weitaus umfangreicher. Neben Hörsälen braucht es auch Labore und Übungsplätze sowie teure technische Geräte. Viele dieser Studiengänge sind leider nicht ausreichend mit diesen Kapazitäten ausgestattet, sodass lange Wartezeiten auf freie Plätze in Kursen mehr die Regel als die Ausnahme sind. Um das Studium zu beschleunigen und die fleißigen Studenten zu belohnen, ohne den weniger fleißigen Studenten etwas wegzunehmen, wäre auch die Aufstockung der Leistungsstipendien denkbar.

Bologna-System Teil des Problems

Da seit der Einführung des Bologna-Systems die Akademisierung der Gesellschaft immer weiter vorangeschritten ist, hat sich auch die Arbeitssuche für Akademiker stetig erschwert. Dabei bleibt der Bedarf an Akademikern mehr oder weniger konstant, während die Anzahl steigt. Im Gegenzug verringert sich die Anzahl der Facharbeiter, während der Bedarf steigt. Hier ist es Aufgabe der Politik verstärkt den Facharbeitermangel auf die Agenda zu setzen und für eine entsprechende Attraktivität ihrer Ausbildung zu sorgen.

Lukas Heim studiert Politikwissenschaft und ist Bundesobmann und Mandatsträger des Rings Freiheitlicher Studenten.

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