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Trayvon Martin

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Wir erleben soeben die vielleicht erste „Revolution“ in der Menschheitsgeschichte, in der das gesamte Establishment und alle relevanten Institutionen aufseiten der angeblich so machtlosen und diskriminierten „Revolutionäre“ stehen. Ein Artikel von Nils Wegner.

Nach liberaler Lesart sollen „Trollfabriken“ und „russische/chinesische Bots“ mit ihren koordinierten Massenbeiträgen in sozialen Netzwerken die öffentliche Meinung in den westlichen Demokratien für rechtspopulistische Machtergreifungen sturmreif schießen. Nun, ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür: Am frühen Morgen (hiesiger Zeit) des 3. Juni verbreiteten binnen weniger Stunden hunderte Angehörige des politmedialen Komplexes in den USA inklusive deutschsprachiger Korrespondenten ein Foto der Journalistin Martha Raddatz von „ABC News“.

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Darauf zu sehen waren drei Dutzend Angehörige von US-Militärpolizei und -Nationalgarde in voller Kampfmontur – gleichwohl ohne Waffen – auf den Stufen des Lincoln Memorial in der amerikanischen Hauptstadt. Die fast wortgleiche Kommentierung der Vertreter unserer weltbürgerlich-engagierten Medienelite: „Trump hat die Vereinigten Staaten in eine Militärdiktatur verwandelt!“

Auf dem vor Veröffentlichung sorgfältig bearbeiteten Foto wohlweislich nicht zu sehen: Das Denkmal für den Präsidenten der Sklavenbefreiung war bereits in der Nacht zuvor schwer vandaliert worden – und der uniformierten und vermummten Wachabteilung stand bereits wieder ein wütender Mob gegenüber, der sich  erneut Zugriff auf die stoffliche Verewigung eines verhassten „alten weißen Mannes“ verschaffen wollte.

Derartige mal mehr, mal weniger gekonnte Meinungslenkung und Massenhypnose findet seit dem 25. Mai dieses Jahres ohne Unterlass statt. An jenem Tag kam der 46-jährige Schwarze George Floyd bei seiner Festnahme durch Beamte der Polizei von Minneapolis ums Leben. Ein – heutzutage unvermeidliches – Handyvideo des Vorfalls verbreitete sich viral über das Internet und sorgte innerhalb von zwei Wochen für eine voll entfaltete Protest- und Krawallwelle unter dem Banner von „Black Lives Matter“ (BLM) in der gesamten westlichen Welt, von Wien bis London und von Berlin bis Tel Aviv. Erhebt sich hier einmal mehr der Volkszorn einer überall außerhalb Afrikas zwar nicht mehr geknechteten, doch mindestens von „strukturellem Rassismus“ unterdrückten schwarzen Opferbevölkerung, wie die westlichen Medien in all ihren Sprachen unisono beschwören?

Einer Opferbevölkerung, der ein bemerkenswert passiver nationalpopulistischer Präsident nicht anders als mit einem Fotoshooting vor der brandversehrten Washingtoner St.-John’s-Episkopalkirche (wovon sich die Kirchenoberen eilfertig distanzierten), Militärhubschraubern, Tränengasgranaten und vor allem vielen leeren Versprechungen, für Recht und Ordnung zu sorgen, beizukommen versteht? Oder steckt mehr dahinter, als auf den ersten Blick sichtbar wird?

Allgegenwärtige Diskriminierung?

Dem gängigen, seit Ende Mai in zahllose Kameras und Mikrofone – laut ORF sogar in Wien – gesprochenen Glaubenssatz zufolge soll George Floyd stellvertretend stehen dafür, „was es heißt, in (Land xy) schwarz zu sein“. Doch ist das mehr als nur billiges Panach thos, in dem Barack Obama nachklingt, der über den 2012 erschossenen 17-jährigen Trayvon Martin (siehe unten) gesagt hatte, dieser hätte auch sein Sohn sein können? Nach allem, was bis heute über Floyd bekannt geworden ist, wir­ eine solche Vereinnahmung alles andere als ein gutes Licht auf die schwarze Bevölkerung: Denn bei dem anfänglich als sanft­er Riese dargestellten Verstorbenen handelte es sich in Wahrheit um einen drogenberauschten Gewohnheitsverbrecher, dessen Strafregister u. a. bewaffneten Raub umfasste.

Zu den Merkwürdigkeiten des Falles zählt außerdem, dass die vier unmittelbar beteiligten „rassistischen“ Polizisten – allesamt nach dem Vorfall entlassen und wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt in Ha­ – geradezu ein Abbild der multiethnischen US-Gesellschaft­ darstellen: zwei Weiße, ein Schwarzer und ein Asiate. Derek Chauvin, der Polizist, der auf Floyd kniete, war überdies mit einer Asiatin verheiratet, die unter dem Druck des öffentlichen Aufruhrs die Scheidung einreichte. Von den sich in wesentlichen Punkten widersprechenden Ergebnissen der beiden Autopsien an der Leiche George Floyds soll hier nicht gehandelt werden; diese lassen sich problemlos im Internet nachlesen.

Fest steht, dass hier in einem Todesfall und seinen Nachwirkungen die vielfältigen Narrative einer spätestens seit der Präsidentschaft­swahl 2016 endgültig von identitätspolitischen Frontstellungen zerfurchten Gesellschaft­ zusammenlaufen, die pars pro toto für die multikulturelle  westliche Welt steht und nun vor unseren Augen in Rauch aufgeht; all das unter dem Deckmantel des breit aufgestellten Kampfes gegen rassische Diskriminierung. Unzweifelhaft­ die sprichwörtlich leichteste Übung, sind doch zumindest seit der 1960er-Bürgerrechtsbewegung die ethnischen Minderheiten in den USA als abstrakte Größen tatsächlich sakrosankt, auch wenn und gerade weil sie zu jedem Wahlkampf aufs Neue als politische Verschiebemasse herhalten müssen.

So auch jetzt: Während Donald Trumps ständiges Pochen auf seine Verdienste im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit unter Schwarzen bereits zum viel belächelten Klischee geworden ist, hat sein greiser Herausforderer Joe Biden die eigene Präsidentschaft­skampagne mit der Warnung vor Rassismus eröffnet und die heutigen vordergründigen BLM-Anliegen damit bereits im Frühjahr 2019 zu einer obersten Maxime des Wahlkampfes gemacht. Zur behaupteten allseitigen Diskriminierung gegen Schwarze und einer durch „White Supremacy“ erzwungenen Zweirassenklassengesellschaft­ mag das nicht recht passen.

Besonders bemerkenswert ist vor diesem „unterdrückerischen“ Hintergrund doch die Untätigkeit aller offiziellen Stellen gegenüber der aktuellen Gewalt, bis hin zur Aufgabe eines ganzen  Stadtbezirkes in Seattle, Washington durch Polizei und Behörden und der anschließenden Ausrufung einer recht kurzlebigen „Capitol Hill Autonomous Zone“ (CHAZ), danach „Capitol Hill Organized Protest“ (CHOP) durch den schwarzen Rapper Raz Simone und seine Anhänger.

Man mag darüber lachen: Rassischer Separatismus ist nun nicht mehr nur eine Phrase, sondern hat einen medial gefeierten Präzedenzfall. Und wir erleben – in Europa zumindest vor unseren Bildschirmen – vielleicht die erste „Revolution“ in der Menschheitsgeschichte, in der das gesamte Establishment und alle relevanten Institutionen aufseiten der angeblich so machtlosen und diskriminierten „Revolutionäre“ stehen.

Natürlich würde sich kein Polit- oder Medienfunktionär je so weit aus dem Fenster lehnen, offen zu Straßenschlachten und Plünderungen aufzurufen – doch Schlagzeilen wie „27 verletzte Polizisten bei weitgehend friedlichen Protesten gegen Rassismus in London“ („BBC News“, 6. Juni); offenkundige Befehle an die Ordnungshüter, sich Demonstranten und Plünderern gegenüber selbst bei offener Gewaltanwendung zurückzuhalten, während Privatpersonen jedweden Hintergrunds, die unter Androhung von Waffengewalt ihr Gut und Blut zu schützen suchten, harsch verfolgt und teilweise sogleich für „Hassverbrechen“ in Untersuchungshaft­ verbracht wurden; die weltweit verbreiteten Fake News, wonach die Plünderungen in erster Linie von Weißen verübt worden oder die BLM-Demonstranten von eingesickerten Neonazis (!) zu Gewalttaten angestift­et worden seien; sowie das dröhnende Schweigen des Establishments auf die Frage, wie viel denn das Leben von Polizisten bzw. Weißen wert sei, werden von den Rädelsführern der Ausschreitun- gen sehr deutlich verstanden.

Und während schon am 30. Mai die Washingtoner Polizei Barrikaden unmittelbar vor der Zufahrt zum Weißen Haus räumte, versandte man ebendort Pressemitteilungen zum „Nationalen Wander-“ und „Nationalen Ozeanmonat“.

Hinzu kommt die Unterstützung wirklich aller Systeminstitutionen, die mindestens als Resonanzböden für die radikalen Forderungen der „Unterdrückten“ dienen. Sogar das US-Außenministerium propagierte über die Botschaft­en im Ausland „Black Lives Matter“, u. a. in Südkorea – dort allerdings verschwand das große BLM-Plakat an der Außenfassade zusammen mit der darüber angebrachten „LGBTQ“- Flagge am 15. Juni schnell wieder, nachdem intern auf die problematische Außenwirkung der behördlichen Werbung für Nichtregierungsorganisationen und Minderheitenbündnisse hingewiesen worden war.

Den Wink natürlich sofort dankbar aufgegriffen haben allerdings „Kultur“schaffende wie die Macher der Independent-Fernsehserie „Cracka“ („Cracker“, im ursprünglichen Wortsinn soviel wie „arme Sau“, ist im amerikanischen Englisch die auf Weiße gemünzte Entsprechung von „Nigger“ für Schwarze). Die von der Gier nach Blut und Vergewaltigung lebende Show, die damit wirbt, „alles infrage [zu] stellen, was Sie zu wissen glaubten“, kehrt in Wahrheit die Geschichte einfach um, indem sie die Schwarzen zu den Sklavenhaltern der Weißen macht. Seit Neuestem übrigens unter der Werbezeile: „Ihr habt uns den Atem genommen – nehmen wir euren!“ Nachgerade alttestamentarische Rachegelüste also sind die wahre Quintessenz des Aufschreis gegen den „strukturellen Rassismus“, den es angeblich nur in „weißen“ Ländern gibt.

„BLM“ als Unruhenreserve

Bereits der Ursprung der so wirkmächtigen und rund um den Globus bekannten Einflussorganisation „Black Lives Matter“ beruht auf Lügen, die unserer digital- medialen Empörungsweltgesellschaft­ seinerzeit lieb und teuer waren: Am 26. Februar 2012 erschoss der 28-jährige Nachbarscha­ftswächter George Zimmerman in Sanford, Florida den 17-jährigen Schwarzen Trayvon Martin, nachdem dieser ihn niedergerungen und  auf ihn eingeschlagen hatte.

Während die zuständigen Behörden unmittelbar nach dem Todesfall aufgrund der Beweislage keinerlei Anlass sahen, an Zimmermans Notwehr-Schilderung zu zweifeln, mussten sie zwei Monate später wegen des überwältigenden gesellscha­ftlichen Drucks schwarzer Protestgruppen (und entsprechender Anordnungen von oben) Anklage wegen Totschlags erheben; der Angeklagte, dessen eigener teils afrikanischer und peruanischer Familienhintergrund in den Medien gezielt verschwiegen wurde, galt bis Prozessende im Juli 2013 und gilt teils heute noch als rassistischer Klischeeweißer, der einen unschuldigen schwarzen Teenager mit glänzenden Zukunftsaussichten grundlos über den Haufen geschossen habe.

Zimmerman wurde freigesprochen – und  während es zu vereinzelten Handgreiflichkeiten gegenüber Weißen und Latinos unter dem Slogan „This is is for Trayvon!“ kam, fanden in empörten Internetdiskussionen einige Aktivisten mit diversen Minderheitenhintergründen zusammen, die sich für die Bewerbung ihrer Protestaktionen auf den prägnanten Hashtag „#blacklivesmatter“ einigten. Bis zum ersten öffentlichen Au­ftritt einer unter diesem Namen firmierenden Organisation sollte es jedoch noch ein weiteres Jahr dauern: Am 9. August 2014 stahl der 18-jährige Schwarze Michael Brown in Ferguson, Missouri eine Schachtel Zigaretten aus einem Supermarkt und wurde einem Angestellten gegenüber, der sich ihm in den Weg stellte, handgreiflich.

Dem herbeigerufenen 28-jährigen weißen Streifenpolizisten Darren Wilson versuchte Brown die Dienstwaffe zu entreißen und wurde darauf in von ihm erschossen. Bereits am Tag danach begann eine Serie von gewaltsamen Protesten, Plünderungen, Schießereien und Brandstiftungen, die sich fast bis Jahresende hinziehen sollte und sogar zum Einsatz der Nationalgarde führte.

Als eine Grand Jury am 24. November 2014 entschied, dass kein hinreichender Tatverdacht zur Anklageerhebung gegen Darren Wilson vorliege, führte dies zu einer massiven Verschärfung der Unruhen, inklusive gezielter Angriffe auf Weiße aus Rassenhass (in einem besonders grausamen Fall wurde in St. Louis ein Urlauber aus Bosnien vor den Augen seiner Verlobten von schwarzen Jugendlichen mit Hämmern erschlagen). BLM war währenddessen damit beschäftigt, sich landesweit und international bekannt zu machen – unter der Parole „Hands up, don’t shoot!“, wonach Michael Brown unmittelbar vor dem Todesschuss gegenüber dem Polizisten die Hände gehoben und um sein Leben gefleht habe, was das US-Justizministerium nach einer Untersuchung im März 2015 zur Erfindung erklärte.  

So wurden der neuen großen Kampagne gegen angeblich rassistisch begründete Polizeigewalt Form und Ziel gegeben, und seither befeuert jeder Todesfall eines Schwarzen im Polizeigewahrsam den Rassenkonflikt und den Kampf gegen die Institutionen der „Unterdrücker“ weiter. In Ferguson wurden Polizisten gezielt niedergeschossen; bereits kurz nach der Verkündung der Juryentscheidung hatte ein schwarzer Attentäter in New York aus Rache zwei Polizisten (einen Latino und einen Asiaten) ermordet. Aus dem gleichen Grund eröffnete am 7. Juli 2016 ein schwarzer Afghanistanveteran das Feuer auf Polizisten, die eine BLM-Demo absichern sollten, und hinterließ fünf Tote und neun Verwundete – der bis heute schwerste Angriff auf US-Sicherheitsorgane seit dem 11. September 2001.

Nächste Woche geht es weiter mit Teil II.

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