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Ulrich Novak

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Eine Parole der ’68er-Bewegung in Frankreich lautete: „La politique est dans la rue“. Für die Historikerin Ingrid Gilcher-Holtey unter anderem Beleg dafür, dass die Neue Linke das Politische vom Staat und seinen Institutionen löste und auf eine Politisierung der Gesellschaft­ „von unten“ setzte. Ein Kommentar von FREILICH-Chefredakteur Ulrich Novak.

Das Politische wurde an den Diskurs im öffentlichen Raum geknüpft, was angeblich die gängigen Wahrnehmungsmuster der sozialen Welt auflöste. Die einst Neue Linke, die heute eine Arrivierte ist, weiß, „dass zur Aufrechterhaltung der linken Vorherrschaft­ in Politik und Gesellschaft, von der man selbst profitiert, ganz selbstverständlich die Fortsetzung linker Politik erforderlich ist“ (W. Knörzer).

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Hierzu wird die Politisierung des gesellschaftlichen Lebens, die ursprünglich von unten erfolgen sollte, herzhaft­ betrieben. Während für die gewalttätige Linke die Politik immer noch neben den Opfern des „antifaschistischen Kampfes“ auf der Straße liegt, werden die politischen Hegemoniebemühungen von der Arrivierten Linken allerdings weiter in möglichst alle Bereiche der Gesellscha­ft geführt.

Das wiederum mit Vehemenz, sodass man in Abwandlung der oben genannten Parole und unter dem Eindruck der jüngsten Fußballeuropameisterschaft­ auch sagen kann: „la politique se fait dans les stades de sport.“ Dabei ist es natürlich nichts Neues, dass sich die Politik den Sport für ihre Zwecke als Kommunikationsplattform und Erfüllungsgehilfen auswählte.

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Die besondere körperliche und mentale Leistung, die sich im Spitzensport zeigt, hat von jeher dazu geführt, dass die Mächtigen die Athleten und ihr Tun als Projektionsfläche und Referenz der eigenen Leistungsfähigkeit nutzen wollten. Doch Dopingskandale und komplett vereinnahmte Sportlerbiografien in untergegangenen Diktaturen haben im Nachhinein weniger das Gefühl der Penetranz und Heuchelei vermittelt als etwa die Geschehnisse rund um Manuel Neuers Regenbogenarmbinde und die geplante Beleuchtung der Allianz Arena vor den Toren Münchens beim Spiel Ungarn-Deutschland im Juni.

Während sich der Formel-1-Zirkus inbrünstig mit dem Fetisch des Maskentragens aller Beteiligten lächerlich macht und die politikseitig gepriesene Mobilitätswende knallhart ignoriert, toben sich im Fußballsport moralisierende Transhumanisten bei einem Gesinnungskampf rund um Sexualgewohnheiten und Veranlagungen aus.

Das Kulturgut Sport, das der Verhaltensforscher in einem bei Mensch und Tier angelegten Spieltrieb verursacht sieht, wird von Mainstreammedien, politischen Interessenvertretern der EU und einer scheinbar wild gewordenen LGBT-Lobby missbraucht. Der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier schreibt, dass Sport zur Stabilisierung politischer Herrschaft­ bzw. des Herrschaftssystems führt, „weil (fast) immer Regierende politisch profitieren und selten oppositionelle Artikulation stattfinden kann“.

Während Sportwettkämpfe nach einfachen und öffentlichen Regeln transparent und sofort quantifizierbar ablaufen, sind politische Regeln nicht allgemein bekannt und meistens komplizierter. Der Professor für Politische Kommunikation an der Karl-Franzens- Universität Graz: „Politische Konflikte werden auf vielen und mehrheitlich nicht sichtbaren Ebenen ausgetragen.

Konsequenzen der Politik sind selten in Sekundenschnelle messbar, sondern treten als mittel- bzw. langfristige Folgen mit weitreichender Wirkung auf. Es ist aber das scheinbar unpolitische Wesen des Sports, das der politischen Einflussnahme keine Grenzen setzt.“

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Das grundsätzliche Vertrauen seiner Angehörigen auf den Staat ist unabdingbar für das gerechte und e­ffektive Funktionieren staatlicher Institutionen. Der Staat benötigt für seine unangefochtene Existenz und sein Funktionieren die Überzeugung der Bürger und Unternehmen, dass das, was er tut, richtig ist und als gerecht empfunden wird. Ein Kommentar von FREILICH-Chefredakteur Ulrich Novak.

Ganz allgemein stützt sich das Vertrauen auf den Staat auf das soziale Vertrauen einerseits, womit das Vertrauen der Bürger auf ihre soziale Gemeinschaft gemeint ist, und das politische Vertrauen andererseits, mit dem die Bürger dem Staat und seinen Institutionen begegnen.

Nun hat das weltweit tätige Kommunikationsunternehmen Edelman in seiner alljährlichen Studie „Edelman Trust Barometer“ 2021 gezeigt, dass nach einem Jahr „der Katastrophen und Turbulenzen eine Epidemie von Fehlinformationen und weit verbreitetem Misstrauen gegenüber gesellschaftlichen Institutionen und Führungskräften auf der ganzen Welt herrscht“.

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Die circa 6000 Mitarbeiter starke PR-Agentur, die seit 21 Jahren das „Trust Barometer“ veröffentlicht, diagnostiziert nach der Online-Befragung von 33.000 Befragungsteilnehmern in 28 Ländern einen „Informationsbankrott“, ein aus der Waage geratenes „Vertrauens- Ökosystem“. Die Unternehmensberater wollen festgestellt haben, dass der Zenit der Vertrauenszunahme etwa der Deutschen in Institutionen seit dem Frühjahr 2020 überschritten sei.

Während das Vertrauen der Deutschen auf ihre Regierung von Januar 2020 bis Mai 2020 noch stark angestiegen war, hat sich der rasante Zuwachs bis Januar 2021 umgekehrt. Irgendwas also ist in den  vergangenen Monaten der Pandemiebekämpfung und der ökonomisch-sozialen Entwicklung aus Sicht der gewählten Mächtigen schiefgelaufen.

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Vielleicht waren es die reputationsbeschädigenden Bilder schikanierender und rücksichtslos verhaftender Polizisten nicht nur bei den Demonstrationen sogenannter Querdenker oder die lächerlichen Aufgebote von sehr engagiert scheinenden Exekutivbeamten gegen Ski laufende Familien und andere Harmlose, die einen der vielen Gräben zwischen Politik und Staat auf der einen und dem Volk auf der anderen Seite schufen.

Europaweit ähnliche Entwicklungen zeigen, dass ein Unbehagen der Bürger gegenüber einem Staat wächst, der den Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmensonderfall zum andauernden Normalzustand erheben möchte. Können wir also ho­ en, dass die von Kenneth Minogue als Menetekel gemeinte Wendung von der „demokratischen Sklavenmentalität“ vielleicht doch von der freiheitlich begründeten Tatkraft vieler entwertet wird?

Oder kommt es so, dass sich die Demokratie durch die skandalreiche Verderbtheit ihrer Funktionselite, durch die Feigheit der Ängstlichen, die Destruktion der Denunzianten und die Mimikry der Lifestyle-Linken selbst zerstört?

Der linken Identitätspolitik, der transhumanistisch moralisierten Politik insgesamt und einem sich omnipotent gebenden Wohlfahrtsstaat, der seine Befugnisse bis in die alltägliche Lebensführung seiner Bürger auszudehnen sucht, ist nun und nur mit freiheitlicher Vitalität zu begegnen.

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Der Schriftsteller Thor Kunkel arbeitet als Exilschreiber. Mit FREILICH-Chefredakteur Ulrich Novak spricht er über „rich kids“, praktisches Berufsverbot und AfD. Heute lesen Sie den zweiten Teil unseres Interviews (Teil I finden Sie HIER).

Sie setzen Ihrer Biografie das Zitat von Thomas Mann voran: „Ich bin ein Mensch des Gleichgewichts. Ich lehne mich instinktiv nach links, wenn der Kahn rechts zu kentern droht – und umgekehrt.“ War Ihr AfD-Engagement der Versuch, die politisch linke Schieflage in Deutschland zu korrigieren?

Mit Sicherheit. Die Anfrage der AfD bot mir die Möglichkeit, meinen persönlichen Beitrag zu leisten, um diese Schieflage zu korrigieren; es fehlte so lange in Deutschland an einer echten Opposition.

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Etwas anderes war aber fast noch wichtiger, denn ich bin zwar ein politischer Mensch, aber kein politischer Schrift­steller, schon gar keiner, den es reizen könnte, Plakate zu texten. Ich hatte den Eindruck, dass ich meinem Land – diesem geknechteten, von seiner Obrigkeit verratenen und zu Tode gekränkten Land – etwas zurückgeben konnte.

Immerhin habe ich Deutschland viel zu verdanken – Sprache, kulturelle Prägung und Wesensart. Ich habe mich nie als „Großmeister des Trash“ („Der Standard“) begriffen, sondern als moderner deutscher Klassiker im besten wie im schlechtesten Sinne, auch weil ich von Anfang an einen gesamtkünstlerischen Anspruch verfolgte.

Wie bei Goethe, dessen „Faust“ mich bis heute begeistert, basiert mein Schreiben im Kern auf naturphilosophischen Betrachtungen. Die Natur zu betrachten, ist eigentlich der bessere Religionsunterricht. Doch ich will nicht abschweifen: Mit dem zweistelligen Ergebnis von 2017 wurde eine gute Basis geschaffen, Deutschland wieder auf die Beine zu helfen.

Leider fehlt es aus meiner Sicht noch immer an geeignetem Personal. Wahrscheinlich wird es noch zwei, drei „Häutungen“ brauchen, bis die Partei funktionsfähig ist. Doch schon jetzt darf man sagen, ohne die vielen „kleinen Anfragen“ wäre Merkels unseriöse Art zu regieren der breiten Öffentlichkeit bis heute verheimlicht geblieben. Ich erinnere nur an die Unterzeichnung des Migrationspaktes 2018, dessen Konsequenz erst durch die AfD thematisiert worden ist.

Ich wollte nicht, aber doch: Die sogenannte Corona-Krise. Was hat sich in ihr für Sie gezeigt? Sind wir ein demokratiefernes, Freiheit ablehnendes Volk? Fußen die Staatsgebilde im deutschsprachigen Raum auf einem unerträglichen Untertanengeist willfähriger Denunzianten und Erfüllungsgehilfen?

Der Verlauf der Quarantäne lässt tatsächlich tief blicken – die Weltkanzlerin scheint plötzlich auch eine wissenschaft­liche Koryphäe zu sein. In Talkrunden beziehen sich seriöse Wissenschaft­ler auf „das, was Frau Merkel gesagt hat“. Wir wissen von Kim Jong- Un, dass er ein Universalgenie ist, aber Angela Merkel? Es hat wahrscheinlich wirklich mit diesem vorauseilenden Gehorsam der guten Deutschen zu tun, dass es wieder von  Erfüllungsgehilfen wimmelt, während man die Kritiker als „rechtsextreme Mischpoke“ öffentlich diffamiert. Ich glaube, vor allem zwanghaft­e Persönlichkeiten dürft­en in den Maßregeln die Chance sehen, ihren Mitmenschen eine humanistisch verbrämte Gewalt anzutun.

Sie haben als Werber für die Großen in der Branche gearbeitet: Young & Rubicam, GGK London, Team BBDO, Scholz & Friends, Wunderman Cato Johnson und McCann-Erickson Amsterdam. Sie haben viele Preise gewonnen und wurden in den deutschen Feuilletons mit Ihren Büchern „hochgejazzt“. Wie geht’s weiter? Höhenluft nur noch in den Bergen?

Vor allem auch Höhensonne! Soweit ich das sehe, vollende ich gerade  eine wichtigsten Erzählungen und ein erstes, umfangreiches philosophisches Werk namens „Die Abklärungen“, das sich mit der Kunst des fragmentierten Schreibens (als Resultat unseres im Grunde fragmentierten Lebens) beschäft­igt.

Auf künstlerischer Ebene hat sich eine Freundschaft­ mit dem Regisseur und Musikproduzenten Specter Berlin als höchst produktiv erwiesen. Wir arbeiten gemeinsam an neuen Filmen und einer Graphic Novel. Ein anderer Freund und künstlerischer Mitstreiter ist der bekannte Schweizer Schrift­steller Oskar Freysinger, den ich letztes Jahr kennenlernte und wo es sofort „Klick“ gemacht hat.

Mein nächster Roman, „Superfinster“, der seit dem Skandal um die „Subs“-Verfilmung in der Schublade lag, dür­fte diesen Herbst im Schweizer Brinkhaus- Verlag erscheinen, der auch Freysingers Gedichte und Romane publiziert.

Nochmal zurück zu 2009. In einem Vorgespräch sagten Sie, dass Sie damals in Berlin nach Ihrem „Outing“ in ein Loch fielen. Sie waren quasi allein, dann der Abgang in die Schweiz. Was macht das mit einem, wenn man als Paria, als „Rechter“ wahrgenommen wird?

Es wird zur Belastung. Am Anfang begegnete ich den Animositäten noch mit betonter Normalität. Ich stellte mich ohne Murren den üblichen „Gesinnungschecks“, beteuerte, dass alles nur ein Missverständnis war. Doch irgendwann kommt selbst ein Weltmeister der Verdrängung nicht um die Einsicht herum, dass er inoffizielles Berufsverbot hat.

Nichts geht mehr,  nirgends. Und je länger dieser Zustand anhält, umso mehr begrei­ft man, dass die Deutschen offenbar ihre neuen Juden gefunden haben, eine „Menschengruppe“ also, die sie verfolgen und ungestraft­ in ihren Bürgerrechten beschneiden. Der heute alles durchdringende Sozialneid dür­fte hier die maßgebliche Triebfeder sein.

Die Ausgrenzung Andersdenkender, Andersseiender hat ja in Deutschland unrühmliche Tradition, wie wir häufig genug in der Schule lernen. Wenn man Ihre Geschichte hört oder auch den Umgang mit der AfD in den Medien, im Parlamentsbetrieb usw. verfolgt, bekommt man das Gefühl, wir hätten aus der Geschichte nichts gelernt. Ist das korrekt?

Leider. Vor allem jene Jüngeren, die heute Antifa spielen, haben offenbar nicht das Geringste kapiert.

Ich weiß, Sie sind kein gemeinhin sogenannter politischer Mensch, aber wie erklären Sie sich eigentlich die Umfragewerte der bundesdeutschen Kanzlerin? Die sind seit Januar von 28 auf sagenhafte 40 % gestiegen …

Bei dem massiven Rückenwind durch die Mainstreammedien ist das doch kein Wunder. Merkel durfte sich – über mehrere Monate hinweg – als pragmatische und überparteiliche „Staatsmanagerin“ präsentieren. Diese Performance dürft­e noch 2021 nachhallen, und  es bleibt zu befürchten, dass unsere Weltkanzlerin frei nach dem Motto „Sie kennen mich“ noch einmal antreten wird.

Jetzt sind Sie glücklich in der Schweiz, haben einen totalen Neustart hingelegt, neue Freunde, neue Projekte, ist man in der Schweiz entspannter im Umgang mit solchen Leuten wie Ihnen? Und wenn ja, woran liegt’s?

Vielleicht daran, dass sich die unterschiedlichen politischen Lager in der Schweiz nicht so spinnefeind sind wie in Deutschland. Man geht offener miteinander um. Spricht miteinander. Was meine Arbeit anbelangt, wurde ich nur einmal in zehn Jahren durch eine gewisse Annemarie Mühlemann von „Kulturhotels“ aufgrund von zwei Facebook-Beiträgen beim SRF denunziert. Damit lässt sich leben.

Ich muss nochmal auf Ihr Sachbuch „Das Wörterbuch der Lügenpresse“ zurückkommen. Haben Sie selbst als Werber nicht auch mit Lügen gearbeitet? Werden nicht konstruierte Sujets im Marketing verwendet, die die Leute mit einer unerreichbaren heilen Welt konfrontieren, falsche Bedürfnisse wecken und unglücklich machen?

Werbung ist Täuscherhandwerk, das würde ich nie bestreiten. Es erklärt vielleicht, warum ich auf die dauernde falsche Berichtserstattung überhaupt aufmerksam wurde. Zwischen den Beschönigungen, die sich die reguläre Produktwerbung erlaubt, und dem Vorgaukeln  falscher Tatsachen, wie es zum Geschäft­ der Lügenpresse gehört, gibt es aber einen klitzekleinen Unterschied: Das erste ist Taschendiebstahl, das zweite Völkermord auf Raten.

Dabei dürft­e die ungeheure Tragweite ihres Schwindels den meisten Journalisten, die die Kreolisierung Europas schönreden, nicht bewusst sein. Das Umdenken in der Lebensmitte bekommt kaum jemand hin, vor allem dann nicht, wenn er vom System profitiert.

Ein bekannter Werbefilmer hat mir gegenüber geäußert, und das kann man gut selbst recherchieren, dass Werbung immer bunter, farbiger von der Zusammensetzung der Protagonisten im Bild her wird. Will ganz banal sagen, bilden z. B. heutige Konsumgüterkataloge typische österreichische und deutsche Bevölkerungsschichten ab? Und wenn nicht, was könnte der Hintergrund für diesen kreativen Ansatz sein?

Es ist die Furcht der Konzerne, einen Megatrend zu verpassen, denn der gesamtgesellschaft­liche Umbau Europas zu einem multiethnischen Multikulti-Staat bedeutet enormen Reibach, die sogenannten Quality Profits.

Viele Einwanderer – vor allem Muslime – kaufen gezielt ethnisch. Und da sich inzwischen Millionen hier angesiedelt haben, wittern die Marketingabteilungen der Blue Chips Brands das große Geschä­ft. Ich darf Sie erinnern, wie willfährig Lidl und Nestlé 2017 christliche Symbole von ihren Verpackungen entfernten.

Hier gingen Marktuntersuchungen voraus. Die nordafrikanischen Einwanderer waren die ideale Zielgruppe für die griechischen Eridanous-Produkte, also wurde die Abbildung der berühmten Anastasis-Kirche in Santorini retuschiert. Trotz eines heft­igen Shitstorms zahlte sich die Aktion für Lidl nachweislich aus. Der globale Kapitalismus kennt eben keinerlei Spiritualität. Wenn er Kultur und Religion anerkennt, dann  nur, wenn er daran verdient.

Was meinen Sie als Schriftsteller zu den aktuellen Vorgängen rund um den Kollegen und Lyriker Jörg Bernig? Die DDR-Jazzlegende und der ehemalige „Geheime Informator“ für das Ministerium für Staatssicherheit Günter „Baby“ Sommer hat Bernig erfolgreich als einen „Neurechten“ denunziert. Kommt Ihnen sicher bekannt vor … 

Die Angriffe auf Jörg Bernig, einen der besten Lyriker der jüngeren deutschen Gegenwartsliteratur, sind wirklich das letzte. Und dass sich ausgerechnet ein scheintoter musikalisch Impotenter wie Günter Sommer zum Wortführer dieser Menschenjagd macht, um von der linksliberalen Aufmerksamkeitsökonomie zu profitieren, ist ebenso traurig wie peinlich.

Besonders erschreckend fand ich den Vorwurf, Bernig wolle zu einer identitätssti­ftenden Kultur beitragen. Im Umkehrschluss wäre also eine identitätszersetzende Kultur der richtige Weg. Dass jeder echte Kulturschaffende – angefangen vom Dramatiker des deutschen Barock bis hin zum afroamerikanischen Rapper – aus dem „Eigenen“ schöpft­, dass das „Eigene“ die Wurzel bleibt, aus der die besten Werke erblühen, dürft­e einen ehemaligen Stasi-Informanten wie Sommer aber nicht irritieren: In seiner Welt war Lagerzugehörigkeit schon immer wichtiger als Kunst.

Heinrich Heine schrieb im Pariser Exil seine „Nachtgedanken“ und sein „Wintermärchen“. Was werden wir von Ihnen aus dem Exil erwarten dürfen? Wird es neben den vorhin erwähnten literarischen Projekten auch Einmischungen es PR-Beraters Kunkel in die deutsche Politikszene geben?

Ich werde mich in diesen spannenden Zeiten weiterhin einmischen, selbst wenn ich mich in den nächsten Monaten in meine kleine Literaturwerkstatt zurückziehen muss, um zwei Hauptwerke – jeweils so um die 500 Seiten – zu beenden. Das Leben ist im Unterschied  zur Kunst tatsächlich eine endliche Angelegenheit, da muss ich eben auch anfangen, Prioritäten zu setzen.

Zu guter Letzt und neben Ihren Werken: Geben Sie unseren Lesern freundlicherweise drei Lektüreempfehlungen – die müssen nicht aus unserer Zeit sein.

Donald Barthelme: „Unsägliche Praktiken, unnatürliche Akte“, 1969. Ludwig Hohl: „Die Notizen“, 1981. Oskar Freysinger: „Nachtwehen“, 2020. (Neuerscheinung: Nach einer wahren Begebenheit aus den 1930er-Jahren erzählt Freysinger die bisher unbekannte Geschichte eines „Grenzgängers zwischen den Geschlechtern“, der sich in der Bergabgeschiedenheit in eine Frau verwandelte. Belegt mit Originalfotos on anno dazumal.)

Lieber Herr Kunkel, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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Wer die heutigen Anzugträger in Couleur und korrekter Frisur sieht, mag kaum glauben, dass Burschenscha­fter einstmals ziemlich verwegen und widerborstig waren. Ein Kommentar von FREILICH-Chefredakteur Ulrich Novak.

Die Gründungszeit der Burschenschaft, die Zeit der widerständigen Studenten gegen die napoleonische Besatzung Deutschlands, das Aufbegehren gegen Kleinstaaterei, die Karlsbader Beschlüsse – das alles konnte nur mit gemeinsamen Idealen und umfassendem Einsatzwillen der Burschenschaften stattfinden. Burschenscha­fter waren Rebellen, die im Zuge des europaweiten nationalen Erwachens demokratischen, liberalen und patriotischen Träumen nachhingen, diese zu realisieren suchten und sie gelegentlich in ihrer langen Geschichte auch erfüllt fanden.

Mehr über Burschenschaften lesen Sie in der FREILICH Sonderausgabe „Burschen heraus“.

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Verbannungen, Todesurteile, langjährige Ha­ strafen sollten der burschenscha­ftlichen Bewegung, den Hambacher Festen, dem Frankfurter Wachensturm und allerlei anderen Aktivitäten und umstürzlerischen Plänen entgegenwirken. Die arroganten und machtverliebten Herrschenden, die am Volke vorbei und häufig genug gegen seine Interessen regierten, waren erklärte Feinde der Burschenschafter. Doch Progressbewegung, Weltkriege, Kaiser- und Zwischenkriegszeit, aber auch die Zeit nach 1945 sorgten für ein Abkühlen des „heißen Burschenblutes“. Man arrangierte sich überwiegend mit den politischen Strukturen, man glaubte und glaubt noch immer, die Dinge, die noch die  Gründungsburschen forderten, seien verwirklicht.

Es scheint, dass der revolutionäre Geist der Burschenschafter, die selbstlose Verpflichtung auf Deutschland und seine Interessen, einem bürgerlich-konservativen Arrangement in Angepasstheit gewichen sei. Lediglich die gewalttätigen Ausschreitungen und Angriffe der Linken und die Abscheu der Medien gegen die „rechtsextremen, bösen“ Burschenscha­fter erinnern den einen oder anderen „Buxen“ daran, dass es außerhalb der Filterblase der Bundeshäuser eine Welt gibt, die nicht ganz so harmonisch ist, wie dies der in den Riten des eigenen Bundes geborgene Waffenstudent annehmen möchte.

Die Burschenschaften, die als antifeudale Oppositionsbewegung die bürgerlich-demokratische Revolution vorantrieben, sollten aber erkennen, dass das politische Establishment Deutschlands und Österreichs genau diese Errungenschaften seit Jahrzehnten annullieren möchte. Leider ist wenig Gegenposition, wenig prononciert Freiheitliches aus den Kreisen der Burschenschaften dazu zu vernehmen. Stattdessen Skandälchen um Ewiggestrige, sonstige Dummköpfe und geschmacklose Au­ ritte, die stets das bestätigen, was die Relotius-Jünger und ähnlich Gesinnte von der Deutschen Burschenschaft erwarten.

Es scheint an der Zeit, dass wir Burschenschafter uns wieder einmal auf unsere… (weiter lesen Sie in der FREILICH Sonderausgabe „Burschenschaften“).

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Die Karriereambitionen des bayerischen Ministerpräsidenten im bundesdeutschen Politikzirkus scheinen größer zu sein als sein diplomatisches Talent und seine politisch-inhaltliche Beständigkeit.

Über die Gemeinsamkeiten von weiten Teilen der Österreicher und weiten Teilen dessen, was heutzutage unter „Die Bayern“ subsumiert wird, lässt sich nicht streiten: Die sprachlich kulturelle Schnittmenge und die ethnische Gemengelage auf beiden Seiten des Inns wirken nahezu deckungsgleich. Emotional soll Österreich den Bayern meist näher als Berlin sein, weshalb für einen echten Bayern „Wien seine eigentliche Hauptstadt des Herzens ist, während er den bundesdeutschen Hauptstadt-Hype rund um Berlin mit Argwohn betrachtet.“ Mittlerweile spüren die Bayern erneut den gewaltigen Sog, der von dem wiederhergestellten Machtzentrum im Nordosten Deutschlands ausgeht. Und den spürt offenbar auch Markus Söder, CSU-Vorsitzender und aktuell bayerischer Ministerpräsident, obwohl er kein Bayer ist, sondern Franke. Zwar sind die Franken politisch gesehen Bayern, doch wenn es um die wahre „fränkische Identität“ geht, geht es den Franken nicht um die Frage, „wer und was man ist, sondern vielmehr darum, wer und was man nicht sein will: nämlich Bayern.“ Ganz nach der sprichwörtlichen Charakterisierung “fränkisch ist zänkisch“ hat Markus Söder, dem die eigene Karriere über nahezu alles zu gehen scheint, wiederholt in die Entscheidungsvorgänge rund um die Asylabpressung sogenannter „Flüchtlinge“ auf der griechischen Insel Lesbos eingegriffen.

Söder schaltet in den Gesinnungskriechgang

Offenbar hatten nicht zuletzt die auf seinem lächerlichen Hardliner-Image in der Coronakrise beruhenden Umfragewerte zu einer möglichen Kanzlerkandidatur Söders Selbstbewusstsein befeuert, ihn aber auch sofort und geschmeidig in den Gesinnungskriechgang schalten lassen. Es sei, so Söder, aus seiner Sicht eine persönliche Christenpflicht, in einer solchen Not zu helfen: „Da muss Deutschland einen substanziellen Beitrag bringen. Das ist machbar und umsetzbar – da sehe ich nicht so das große Problem.“ Wenig später dann Söders Kritik an der Regierung seines politischen Freundes „Wunderwuzzi“ Kurz, denn aus 2015 hatte der CSU-Mann immerhin gelernt, dass deutsche Alleingänge in Europa nicht so gut ankommen. Söder zeigte sich also theatralisch enttäuscht von der österreichischen Regierung und forderte, „dass sie ihre starre Grundhaltung […] zugunsten von „etwas mehr Herzlichkeit“ aufgebe.“

Kurz weiß, wie man chamäleonhaft überlebt.

Ferdinand Knauss schreibt dazu treffend: „Diese wachsende Diskrepanz zwischen allgegenwärtigen hehren Worten, die sich auf Tugenden der Selbstlosigkeit und Hingabe berufen, und tatsächlicher Abwesenheit von Bereitschaft zur persönlichen Verantwortung von Politikern für ihr Handeln, ist wohl eines der zentralen Merkmale der gegenwärtigen politischen Kultur“ – und auch die Fähigkeit, chamäleonhaft überleben zu können. Besonders der Politiker Kurz weiß, wie das gerade funktioniert. Angesichts der ab Herbst 2020 drohenden wirtschaftlichen Einbußen aufgrund des Corona-Lockdowns investiert die Regierung in Wien Steuergelder lieber in die „Hilfe vor Ort“ weit weg in Griechenland, anstatt sich weitere reputationsgefährdende Problemfälle ins Land zu holen. Denn so etwas könnte die Stimmung im Lande schnell kippen und die exorbitant hohen Umfragewerte in der Kanzlerfrage sinken lassen: Immerhin 50 Prozent der Österreicher würden Kurz momentan zum Kanzler machen.

Freiheitliche halten an Position zur Einwanderung fest

Einzig die österreichischen Freiheitlichen äußern sich unverändert und unverblümt in Richtung Berlin. Sie halten fest, dass die freiheitliche Position zur Einwanderung nicht nur nicht zur Verhandlung steht. Der oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner sieht vor allem auch den Rechtsstaat gefährdet, „wenn führende Politiker auf die Tränendrüse drücken und mit ‚hilflose Kinder‘-Rhetorik versuchen, illegale Migration zu legitimieren, randalierende und brandschatzende Glücksritter zu verharmlosen und europäische Mechanismen wie Dublin III zu unterlaufen.“ Und er hat Recht behalten. Am Abend des 15. September brach in der Nähe des Flüchtlingszentrums auf der griechischen Insel Samos, in dem 4.600 sogenannte „Flüchtlinge“ statt der angeblich vorgesehenen 650 Menschen leben, das nächste Feuer aus.

Markus Söder hätte eigentlich wissen müssen, bevor er als nach Berlin orientierter Franke die Achse Bayern-Österreich unverfroren und unangemessen belastete, dass die Aufnahme und Verteilung von 12.000 Migranten in Europa keine Lösung, sondern nur eine Verschärfung des Problems bringt. Die offenkundige Erpressbarkeit Deutschlands und die unverschämt und kurzsichtig eingeforderte Erpressbarkeit Österreichs werden lediglich das Geschäft der Schleuserbanden befördern und die Migrationsproblematik weiter verschärfen.


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