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„Die Wissenschaft­“ dient den Linken aller Parteien dazu, ihrer Ideologie, ihren gedanklichen Konstrukten mehr Glaubwürdigkeit und Gewicht zu verleihen. So wie die in den Mainstreammedien allgegenwärtigen Experten nur als solche gelten, wenn ihre Aussagen dem aktuellen Zeitgeist entsprechen, wenn sie linke Glaubenssätze wiederkäuen.

Sie dienen nur als Phrasenlieferanten in einer Debattensimulation. Sie produzieren, was die Baerbocks dieser Welt zu ihrer Unterstützung brauchen. Für diese Politiker und ihre Helfershelfer sind die Folgen und Kollateralschäden ihrer Entscheidungen und Expertisen als Gesinnungsethiker zweitrangig. Angela Merkel, Mutti dieser Bullshit-Politik, hat diese Einstellung während der Flüchtlingskrise 2015 auf den Punkt gebracht. Ihren innerparteilichen Kritikern antwortete sie damals: „Ist mir egal, ob ich schuld am Zustrom der Flüchtlinge bin, nun sind sie halt da.“

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Egal welche Schäden und Katastrophen solche Menschen verursachen, selbst wenn sie ein ganzes Land, einen ganzen Kontinent Richtung Abgrund führen. Von ihnen ist kein Verantwortungs- oder Schuldbewusstsein zu erwarten. Das zeigte Merkel auch mit einem anderen Statement bezüglich der von ihr befeuerten Masseneinwanderung. Sie verkündete im September 2015, wenn sie sich für ihre Politik der offenen Grenzen entschuldigen müsse, „dann ist das nicht mein Land“.

Das ist hochgradig gestört, infantil. Die trotzige Angela betrachtet Deutschland als ihr Spielzeug, das sie, wenn es ihr nicht mehr gefällt, wegwirft­. Nicht Merkel oder Baerbock wollen dem Land bzw. dem Volk dienen, das Land wird von ihnen als Spielwiese, Labor oder Feld zur Selbstverwirklichung missbraucht.

Diese Verantwortungslosigkeit ist stets gepaart mit politischen Allmachtsfantasien. Zu ihren Hochzeiten ließ Merkel sich als „Weltkanzlerin“ feiern. Auch Baerbock will nicht weniger als den ganzen Planeten und die Menschheit retten.

Dazu braucht man aus ihrer Sicht weder eine fundierte Ausbildung noch Erfahrung, sondern das Herz am linken Fleck und ein kindliches Gemüt. Auch Greta Thunberg fühlt sich berufen und befähigt, die Menschheit  zu retten. Es gibt sehr viele, die ihr das zutrauen. Warum also nicht gleich Greta Thunberg zur Regierungschefin machen? Was heute noch absurd klingt, könnte schon morgen Realität sein.

Auch die professionelle Schulschwänzerin berufen sich gern auf „die Wissenscha­ft“. Sie imitiert, wie alle Kinder, Verhaltensweisen, die im jeweiligen Referenzrahmen funktionieren. Weshalb Bildung, berufliche Erfahrung, Verantwortungsbewusstsein als Qualifikationskriterien immer weniger eine Rolle spielen. In den westlichen Gesellschaft­en zählen vor allem Haltung, Geschlecht, Herkunft­, Hautfarbe, sexuelle Orientierung und Opfer-Rankings. Selbstverständlich wäre Robert Habeck – auch aus grüner Sicht – der bessere Kandidat gewesen, sein Penis und der neulinke Zeitgeist standen ihm im Weg.

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Die ’68er werden nach und nach von den Baerbocks, Kühnerts und Thunbergs an den Schaltstellen der Macht und des Staates abgelöst. Die infantile, neosozialistische Politik mit ihren Auswüchsen wie Wokeness, Identitätspolitik, Gender-Mainstreaming, Modern Monetary ­Theory etc. findet dadurch immer mehr Transmitter, Verstärker und damit mehr Akzeptanz in breiten Teilen der Bevölkerung.

Diese neuen Politiker, Aktivisten und Meinungsmacher („Inuencer“), wie Carola Rackete, Annalena Baerbock, Luisa Neubauer, Kevin Kühnert, der YouTuber Rezo, Alma Zadic etc. verdrängen gerade die alte linke Garde, die ihnen den Weg bereitet hat. Sie sind die Vertreter einer linken Pippi- Langstrumpf-Politik. Sie trauen sich zu, Pferde zu stemmen, also ohne entsprechenden Hintergrund alles zu, sogar Kanzlerin zu werden, ein 80 Millionen Einwohner zählendes Land nach ihren Vorstellungen umzubauen. Wie ein Architekt, der ein Hochhaus entwirft­, ohne je etwas von Statik, Materialkunde oder Bodenklassen gehört zu haben.

Pippi ist eine literarische Figur, die nicht arbeitet, nicht in die Schule geht, bürgerliche Werte, den Staat und seine Institutionen (Lehrer, Dorfpolizisten etc.) ablehnt und von einem Goldschatz lebt, den ihr Vater, ein Pirat, anderen Menschen geraubt hat. Der perfekte linke Lebensentwurf. Und das Ganze in einem funktionierenden wirtscha­ftlichen, gesellschaft­lichen und ethnisch homogenen Umfeld.

Ein halbwegs stabiles politisches System verträgt viele Pippis, sogar in der Politik, aber eine Gesellschaft­, die mehrheitlich aus Pippis besteht, muss kippen, was in Schweden gerade passiert. Vor allem, wenn es kaum noch Gegenmeinungen und Gegenströmungen gibt, wenn sozusagen die Eltern nicht mehr da sind, um dem kindlichen Treiben Grenzen zu setzen.

Die linke „taz“ rechnet nach der Bundestagswahl mit einer Koalition von Union und Grünen und beschreibt sie als „Pakt zwischen altem und neuem Bürgertum“. Die Union in der bewahrenden, stabilisierenden (Eltern-)Rolle, die Grünen als ungestüme, progressive Kra­. Eine für viele scheinbar ideale Konstellation. Doch die Union ist schon lange nicht mehr das „alte Bürgertum“, die konservative Stimme der Vernunft­, das politische Gegengewicht zu den infantilen Grünen.

Die CDU ist unter Merkel so wie die Mainstreammedien nicht nur weit nach links abgedri­ftet, es hat sich dort ebenfalls eine politische Pippi-Langstrumpf- Mentalität breitgemacht: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Auch in der SPD haben die Eskens und Kühnerts die sozialdemokratischen „Realos“ weitgehend verdrängt.

Es gelten neue Maßstäbe in Politik und Gesellschaft­. Dass die Grünen als „neues Bürgertum“ gelten, zeigt, dass es kein Bürgertum mehr gibt, dass die konservativen und rechten Krä­fte weitgehend verstummt sind. Merkel und ihr Nachfolger Armin Laschet sind Teil des linken Lagers, sie geben nicht mehr die politische Richtung vor, sie laufen linken Trends nach, weshalb Politiker vom Typus einer Baerbock zu den neuen Leit- und Führungsfiguren geworden sind. Die Eltern erziehen die Kinder nicht mehr, sie eifern ihnen nach.

Die letzten nicht linken Stimmen, die es noch wagen, die Grünen zu kritisieren,  erden von den Mainstreammedien und anderen Meinungswächtern als Ewiggestrige, Auslaufmodelle, Hetzer und Nazis diffamiert und vom öffentlichen Diskurs ausgegrenzt.

Die „Süddeutsche“ über Baerbocks hochgestapelten Lebenslauf: „Seit Annalena Baerbock ihre Kandidatur für das Kanzleramt bekannt gegeben hat, zeigt sich jeden Tag, wie verbreitet Frauenhass noch ist – und wie eine ambitionierte Frau das Gefüge des Patriarchats allein dadurch stört, dass sie sich die Spitze zutraut.“

Auch eine Kampagne der deutschen Elektro- und Metallindustrie, die sich gegen die wirtschaftsfeindlichen Pläne der Grünen richtet, wurde von den linken Meinungswächtern in ähnlicher Weise diffamiert und delegitimiert.

Baerbock wurde als Moses dargestellt, der zu den Deutschen herabsteigt und  ihnen die Zehn grünen Gebote überbringt. Diese Ge- oder besser Verbote werden von den Grünen tatsächlich angestrebt, und die Initiative hat ihre Kritik gut argumentiert. Trotzdem wurde nicht auf die Inhalte und Kritikpunkte eingegangen, sondern die Kampagne an sich kritisiert. Man unterstellte der Industrie, Hass und Antisemitismus zu verbreiten. Die klassischen linken Totschlagargumente, um jegliche sachliche Diskussion abzuwürgen.

Vermutlich glaubt Baerbock tatsächlich, dass in einem leistungs- und fortschrittsfeindlichen Hochsteuerland genügend Wertschöpfung generiert werden kann, um das aktuelle Wohlstandsniveau zu halten, dass man mit Windrädern und au­ftauenden Tiefkühlhühnchen eine Industrienation mit ausreichend Energie versorgen kann, dass eine westliche Gesellscha­ft auch nach der Massenzuwanderung von Muslimen eine westliche Gesellschaft­ bleibt.

Befreit vom Zwang, Politik, Standpunkte und Forderungen sachlich begründen und gegen Kritik verteidigen zu können, sind Baerbock und Co. die personifizierten Dunning- Kruger-Effekte, sie überschätzen sich und ihre Fähigkeiten und Potenziale maßlos. Zumindest nach bisher gültigen Maßstäben. Deshalb kann auch jemand mit einem lückenhaften und gefälschten Lebenslauf voller Überzeugung sagen: „Ja, ich traue mir die Kanzlerschaft­ zu.“

Wer sollte widersprechen? Das konservative, rechte Lager ist an den Rand der Gesellschaft­ gedrängt worden. Die AfD gilt als politisch aussätzige Partei, die nur noch als rechtes Schreckgespenst ge- und missbraucht wird. In allen richtungsweisenden politischen Fragen herrscht überparteiliche Einigkeit: Islamisierung ist Bereicherung, Umverteilung Gerechtigkeit, Impfzwang Solidarität, Atomkra­ft böse, Zuwanderung notwendig etc.

Diese Gebote sind in Stein gemeißelt. Sie sind die Richtschnur des  politischen Handelns, alles andere ist Bullshit. Insofern ist Annalena Baerbock die ideale und logische  Nachfolgerin  on Angela Merkel. Das weiß auch Merkel.

Selbst wenn Armin Laschet, die Light-Variante dieser Politik, Kanzler werden sollte, wird sich dadurch wenig ändern. Unsere Gesellschaft­ mit ihrem weit nach links verschobenen politischen Koordinatensystem produziert fast nur noch Baerbocks, die immer mehr wichtige Stellen in Staat und Gesellscha­ übernehmen.

Das Problem, das linke Bullshit-Politiker und eine linke Bullshit-Gesellschaft­ haben: Ihre Widewitt- Politik funktioniert nur, solange sie von einem rational denkenden und handelnden Teil der Gesellschaft, sozusagen den Eltern, finanziert versorgt und begrenzt werden.

Kinder brauchen ein stabiles Elternhaus, in einer Villa Kunterbunt können sie nicht lange überleben. Infantile Politiker brauchen einen starken Staat und eine Gesellschaftsschicht, für die Werte wie Leistung, Verantwortung, Loyalität etc. zentral sind.

Der amerikanische Schriftsteller Robert A. Heinlein hat in einem Essay darauf hingewiesen, dass unsere Zivilisation gar nicht funktionieren würde, wäre die überwältigende Mehrheit „einfacher Menschen“ nicht von einem tiefen Anstands- und Pflichtgefühl und einer intrinsischen Berufsethik geleitet. Diese Menschen sind aber mittlerweile in der Minderheit und müssen nach Ansicht der Baerbocks umerzogen werden.

Wenn es aber keine Eltern mehr gibt, die den Baerbocks Grenzen setzen und ein geschütztes Umfeld bieten, wenn der deutsche Mittelstand in die Krise rutscht, die Industrie abwandert, Investoren sich erfolgversprechendere Regionen suchen, der Braindrain sich fortsetzt und die Sozialsysteme unter der Last der einströmenden Migranten zusammenbrechen, wird es düster.

Wenn Baerbock und die Grünen versprechen, ihre grüne Politik scha‑ e Hunderttausende neuer Arbeitsplätze, Migranten aus dem Islamgürtel sicherten das Rentensystem, die Industrie werde von der Energiewende profitieren, Supermärkte und Tiefkühlhühnchen könnten Atomkraftwerke ersetzen, dann ist das Bullshit, hat mit Politik im eigentlichen Sinne, mit Staatsführung nichts zu tun.

Deutschland braucht angesichts der Verschiebung der globalen Macht- und Krä­fteverhältnisse, der massiven Konkurrenz aus Fernost intelligente Führungspersönlichkeiten mit Weitblick und  strategischen Fähigkeiten. Stattdessen flüchtet sich ein Volk in eine infantile Scheinwelt, bewohnt von Politikern, die zwar mit Sachpolitik überfordert sind, aber die Welt retten wollen, die die Probleme, die Deutschland derzeit hat, potenzieren.

Ohne Eltern und ohne Geld wird im Land mit seinen Millionen von Pippis und fordernden Gästen das Chaos ausbrechen. Das wird aber noch etwas dauern. Bis September geht es sich sicher aus.

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Genialer Biologe, Begründer der Ethologie, Nobelpreisträger und konservativer Kulturkritiker: Konrad Lorenz war vieles. Ein Blick auf die radikalökologische Seite des Wiener Ausnahmewissenschaft­lers. Heute lesen Sie Teil II unserer Reportage (Teil I finden Sie HIER).

Der kommerzielle Wert avanciert gemäß Lorenz zum zentralen Fokuspunkt unserer Gesellschaften und treibt eine folgenschwere Verwechslung der Mittel mit dem Zweck voran. Geld – ursprünglich ein Mittel – gerate so zum absoluten Wert, und die daraus entspringende Geldgier und Hast treibe die „Dehumanisierung“ der Menschen unentwegt voran.

Dieser Artikel ist in FREILICH 9 erschienen. Alle Ausgaben finden Sie HIER.

Zu dieser „kommerziellen intraspezifischen Selektion auf ein ständig sich verschnellerndes Arbeitstempo“ gesellt sich zudem ein zweiter Kreislaufprozess, der die von Lorenz wahrgenommene Katastrophe noch einmal verstärkt: die  Luxusbildung, die als Folge des Teufelskreises einer rückgekoppelten Produktions- und Bedürfnissteigerung entsteht. Es existiert mittlerweile eine ganze Industrie – die im Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft­ zum systemtragenden ökonomischen Sektor westlicher Nationen evolviert –, welche sich nur damit beschäftigt, „Bedürfnisse“ beim Menschen zu wecken und nachgelagert zu stillen, die er ohne ihre „Einflüsterung“ nicht verspüren würde.

Die ökologischen Auswirkungen dieses Wettlaufes mit sich selbst sind offensichtlich; er bildet eine wesentliche  Triebfeder des von Lorenz beklagten Raubbaus an der Natur, wodurch wir uns letztendlich zu Tode produzieren. Daher hob er stetig hervor: „Keine gescheite Ökonomie ohne gescheite Ökologie.“

Zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung der „Acht Todsünden“ legte Lorenz mit dem „Abbau des  Menschlichen“ den Finger erneut tief in die gesellschafftlichen Wunden der Industrienationen des Westens. Thematisch schließt das Buch direkt an die „Acht Todsünden“ an, behandelt die in seinem Quasi-Vorgänger aufgeführten Faktoren der „Dehumanisierung“ jedoch ausführlicher. Insbesondere die Darlegung evolutionärer Prozesse in der Biologie und ihrer Implikationen für die „moderne“ Menschheit analysiert Lorenz akribischer.

Wie bereits in den „Acht Todsünden“ ist sein Blick auf die menschlichen Kulturentwicklungen daher ein evolutionärer. Sein feinfühliges Gespür für sich ankündigende Großentwicklungen, die schon in ihren Ansätzen beobachtbar sind, hat dabei nicht nachgelassen. Bevor der Umwelthistoriker und Universalgelehrte Rolf Peter Sieferle 1994 im „Epochenwechsel“ zum Schlag gegen den Universalismus und seine Monokulturalisierung der Welt ausholt, beschreibt Lorenz den global gewordenen Kulturmonolithen: „Heute […] gibt eine einzige ‚Kultur‘ den Ton an: Alle hochzivilisierten Völker der Erde kämpfen mit denselben Waffen, bedienen sich derselben Technologien und – was wohl das Entscheidende ist – handeln auf demselben Weltmarkt und versuchen mit denselben Mitteln, einander zu übervorteilen.“

Er erachtet dies vor allem im Kontext der bereits angeführten intraspezifischen Selektion für problematisch, da so keine Konkurrenz zwischen verschiedenen Kulturen entstehe. Auf lange Sicht führe dies wiederum zu Verfallserscheinungen der dominierenden Monokultur, die unter positiven Rückkopplungen leide (siehe Geldgier und Hast). Angelehnt an den Soziologen Hans Freyer ist für Lorenz schöpferisches Geschehen in den Kulturen nur dann möglich, wenn am „Spiel von allem mit allem“ viele Mitspieler beteiligt sind.

Außerdem räumt er neben den ausgiebigeren Überlegungen zu Selektions- und Zerfallsprozessen von Kulturen der Kritik am kapitalistischen Wachstumsparadigma im „Abbau des Menschlichen“ mehr Platz als noch in den „Todsünden“ ein.

Wieder anhand biologischer Analogien arbeitend, steht er dem exponentiellen Wachstum der Unternehmen und der Wirtschaft­ äußerst skeptisch gegenüber, insofern diese im Gegensatz zu Pflanzen keinen anorganischen  Einhegungsfaktoren wie beispielsweise dem Winddruck unterworfen seien: „Ein menschliches Unternehmen […] ist potentiell unsterblich; seinem Wachstum ist nicht nur keine Grenze gesetzt, es ist sogar um so weniger störungsanfällig, je größer es geworden ist.“ Selbst die Bezugnahme auf den in konservativen Kreisen verpönten Urvater des Sozialismus schreckt ihn nicht: „Karl Marx hat völlig richtig vorausgesagt, daß infolge der größeren Lebenszähigkeit der großen Unternehmen ihr  eiterwachsen allmählich alle kleineren an die Wand drücken und in den Bankrott treiben wird. […] Schon heute beherrschen die Riesenunternehmen, die ‚Multis‘, einen sehr großen Teil der wirtschaftlichen Welt.

Die Lobby von Großkapitalisten zwingt die Menschen, sich der Tyrannis von ‚Experten‘ zu beugen, die durch Spezialisierung auf bestimmte Arbeitsgebiete beschränkt sind und sich ihrerseits gehorsam den Befehlen der Geldexperten fügen.“ Lorenz’ Kritik an der wachstumsgläubigen Ökonomie ist scharf, jedoch sollte man dies nicht als Beleg dafür nehmen, dass er „die Technik“ vollumfänglich ablehnte oder für eine sozialistische Wirtschaftsordnung plädierte.

Er strebte keine wesentliche Umverteilung der Besitzverhältnisse an und war sich der Vorzüge der technischen Entwicklung im Vergleich zum präindustriellen Zeitalter durchaus bewusst: „So wenig ich auf die wassergekühlten Zahnbohrer verzichten möchte, möchte ich als Weltverbesserer, als der ich mich bekenne, auf das Medium verzichten, mit dem ich am erfolgreichsten an das Publikum herantrete“, äußerte er sich im gemeinsam mit Franz Kreuzer verfassten „Leben ist Lernen“ (1981).

Was man bei Lorenz vielmehr findet, ist die Präferenz für das Kleinteilige, Regionale, das für den Menschen Übersichtliche. Seine Kulturkritik an der modernen Zivilisation ist von der Überzeugung durchzogen, dass Vermassung und Zentralisierung – anders ausgedrückt: der Wandel der Gesellschaften ins Systemische – den Menschen vereinzelt und entwurzelt in einer geistigen Wüste zurücklassen.

Deswegen war es der nächste logische Schritt, dass er in der fortschreitenden Arbeitsteilung unserer Gesellschaften ein zusätzliches Übel erblickte, das uns weiter von unseren natürlichen Wurzeln abschneide. In dem durch die Ausdifferenzierung der gesellschaftlichen Organisation erzeugten Zwang zur Spezialisierung identifizierte er den Auslöser für die „Sinn-Entleerung“ der Welt, da derjenige, der „die Übersicht über die Welt als Ganzes verliert“, das Schöne und Interessante an ihr nicht mehr zu erkennen vermag.

Demzufolge befördere die Arbeitsteilung das Phänomen, dass dem modernen Menschen die Sicht auf seine Umwelt bzw. auf seine eigene Ökologie verstellt sei. Des Weiteren raube es ihm das Gefühl der Sinnhaftigkeit seiner Arbeit und unterstütze die Unmündigkeit des Einzelnen, der ohne die überkomplexe Moderne nicht mehr lebensfähig sei – kaum jemand ist noch dazu in der Lage, Gegenstände des täglichen Gebrauches selbst herzustellen.

Bei allem Pessimismus, der im „Abbau des Menschlichen“ bei Lorenz seine Spitze erreichte, versuchte der Wiener Ethologe, optimistisch in die Zukunft­ zu blicken. Wirklich überzeugend wollte ihm das trotz alledem nicht gelingen, und wer möchte es ihm auch angesichts der Entwicklungen verübeln, die sich über die letzten rund 40 Jahre seit Erscheinen des „Abbaus des Menschlichen“ vollzogen haben? Eine Verbesserung der Situation ist nicht eingetreten, eher haben sich die von Lorenz angeprangerten Todsünden zum Schlimmeren entwickelt.

Dessen ungeachtet trägt sein ökologisches Engagement bis  heute aus. Zwar hat sich an der generellen Vernutzung der ökologischen Bestände durch die  mittlerweile globalisierte Industriestruktur wenig geändert, jedoch leistete Konrad Lorenz einen signifikanten Beitrag dazu, dass das Bewusstsein für die negativen Folgen der Naturverheerung breite Bevölkerungsschichten erreichte. Zu einer Zeit, als die Natur als unerschöpflicher Selbstbedienungsladen galt, mahnte er unermüdlich vor den sich abzeichnenden Zerstörungen und teils irreparablen ökologischen Langzeitwirkungen.

Wer sich ein Bild von Lorenz’ ökologischem Vermächtnis machen möchte, der sollte eine Wanderung durch den Nationalpark Donau-Auen südlich von Wien unternehmen. Es ist fraglich, ob diese weitgehend intakte Auenlandschaft­ ohne sein Zutun in dieser Form noch existieren würde.

Indessen seien hier seine warnenden Worte am Anfang des „Abbaus des Menschlichen“ wiederholt – sie haben nichts von ihrer Gültigkeit verloren: Der Menschheit „droht […] ein langsamer Tod durch die Vergiftung und sonstige Vernichtung der Umwelt, in der und von der sie lebt. Selbst wenn sie ihrem blinden und unglaublich dummen Tun rechtzeitig Einhalt gebieten sollte, droht ihr ein allmählicher Abbau aller jener Eigenschaften und Leistungen, die ihr Menschentum ausmachen. Viele Denker haben dies gesehen, und viele Bücher enthalten die Erkenntnis, daß Umweltvernichtung und ‚Dekadenz‘ der Kultur Hand in Hand gehen.“

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Aktuell sorgt die Great Barrington Deklaration für Aufregung. Der Grund: Statt Lockdowns empfehlen zahlreiche namhafte Wissenschaftler einen verstärkten Schutz für Risikogruppen. Der Großteil der Menschen hingegen solle ein normales Leben führen, um dem Ziel der Herdenimmunität näher zu kommen.

In diesem Zusammenhang warnen die Wissenschaftler auch vor Gesundheitsschäden und einer Verschlechterung der psychischen Verfassung, die im Zuge der Corona-Maßnahmen auftreten und in den kommenden Jahren zu einer erhöhten Übersterblichkeit führen würden. Die Wissenschaftler weisen in ihrer Deklaration auch auf die irreparablen Schäden hin, wenn die aktuellen Maßnahmen beibehalten werden. Wie zu erwarten, ruft die Deklaration heftige Kritik hervor.

Wir bringen die Deklaration im Wortlaut:

Als Epidemiologen für Infektionskrankheiten und Wissenschaftler im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens haben wir ernste Bedenken hinsichtlich der schädlichen Auswirkungen der vorherrschenden COVID-19-Maßnahmen auf die physische und psychische Gesundheit und empfehlen einen Ansatz, den wir gezielten Schutz (Focused Protection) nennen.  

Wir kommen politisch sowohl von links als auch von rechts und aus der ganzen Welt und haben unsere berufliche Laufbahn dem Schutz der Menschen gewidmet. Die derzeitige Lockdown-Politik hat kurz- und langfristig verheerende Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit. Zu den Ergebnissen, um nur einige zu nennen, gehören niedrigere Impfraten bei Kindern, schlechtere Verläufe bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weniger Krebsvorsorgeuntersuchungen und eine Verschlechterung der psychischen Verfassung – was in den kommenden Jahren zu einer erhöhten Übersterblichkeit führen wird. Die Arbeiterklasse und die jüngeren Mitglieder der Gesellschaft werden dabei am schlimmsten betroffen sein. Schüler von der Schule fernzuhalten, ist eine schwerwiegende Ungerechtigkeit.  

Die Beibehaltung dieser Maßnahmen bis ein Impfstoff zur Verfügung steht, wird irreparablen Schaden verursachen, wobei die Unterprivilegierten unverhältnismäßig stark betroffen sind. 

Glücklicherweise wachsen unsere Erkenntnisse über das Virus. Wir wissen, dass die Gefahr durch COVID-19 zu sterben bei alten und gebrechlichen Menschen mehr als tausendmal höher ist als bei jungen Menschen. Tatsächlich ist COVID-19 für Kinder weniger gefährlich als viele andere Leiden, einschließlich der Influenza.  

In dem Maße, wie sich die Immunität in der Bevölkerung aufbaut, sinkt das Infektionsrisiko für alle – auch für die gefährdeten Personengruppen. Wir wissen, dass alle Populationen schließlich eine Herdenimmunität erreichen – d.h. den Punkt, an dem die Rate der Neuinfektionen stabil ist. Dies kann durch einen Impfstoff unterstützt werden, ist aber nicht davon abhängig. Unser Ziel sollte daher sein, die Mortalität und den sozialen Schaden zu minimieren, bis wir eine Herdenimmunität erreichen.  

Der einfühlsamste Ansatz, bei dem Risiko und Nutzen des Erreichens einer Herdenimmunität gegeneinander abgewogen werden, besteht darin, denjenigen, die ein minimales Sterberisiko haben, ein normales Leben zu ermöglichen, damit sie durch natürliche Infektion eine Immunität gegen das Virus aufbauen können, während diejenigen, die am stärksten gefährdet sind, besser geschützt werden. Wir nennen dies gezielten Schutz (Focused Protection).  

Die Verabschiedung von Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Personengruppen sollte das zentrale Ziel der Reaktionen des öffentlichen Gesundheitswesens auf COVID-19 sein. Zum Beispiel sollten Pflegeheime Personal mit erworbener Immunität einsetzen und häufige PCR-Tests bei anderen Mitarbeitern und allen Besuchern durchführen. Der Personalwechsel sollte minimiert werden. Menschen im Ruhestand, die zu Hause wohnen, sollten sich Lebensmittel und andere wichtige Dinge nach Hause liefern lassen. Wenn möglich, sollten sie Familienmitglieder eher draußen als drinnen treffen. Eine umfassende und detaillierte Reihe an Maßnahmen, darunter auch Maßnahmen für Mehrgenerationenhaushalte, kann umgesetzt werden und liegt im Rahmen der Möglichkeiten und Fähigkeiten des öffentlichen Gesundheitswesens.

Diejenigen, die nicht schutzbedürftig sind, sollten sofort wieder ein normales Leben führen dürfen. Einfache Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und der Aufenthalt zu Hause im Krankheitsfall sollten von allen praktiziert werden, um den Schwellenwert für die Herdenimmunität zu senken. Schulen und Universitäten sollten für den Präsenzunterricht geöffnet sein. Außerschulische Aktivitäten, wie z. B. Sport, sollten wieder aufgenommen werden. Junge Erwachsene mit geringem Risiko sollten normal und nicht von zu Hause aus arbeiten. Restaurants und andere Geschäfte sollten öffnen können. Kunst, Musik, Sport und andere kulturelle Aktivitäten sollten wieder aufgenommen werden. Menschen, die stärker gefährdet sind, können teilnehmen, wenn sie dies wünschen, während die Gesellschaft als Ganzes den Schutz genießt, der den Schwachen durch diejenigen gewährt wird, die Herdenimmunität aufgebaut haben. 

Zur Internetseite der Great Barrington Deklaration inkl. Unterzeichnungsmöglichkeit geht es HIER.


Die aktuelle Ausgabe 10 des FREILICH Magazins beschäftigt sich unter dem Titel „Unpopulär rechts“ mit den Problemen des Rechtspopulismus in Europa und Österreich. Die Heftvorschau finden Sie HIER.

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Dem so getauften „Blob“ sind seine 720 vermuteten Geschlechter ziemlich egal. Der echte Schleimpilz, der zur Untergruppe der Einzeller-Familie Amoebozoa gezählt wird, führt im Pariser Zoo im Park Bois de Vincennes als echte Attraktion ein geruhsames Leben und pocht nicht auf Sprachkorrekturen, Quoten oder gar Lehrstühle. Bei seiner hohen dreistelligen Geschlechterpräsenz treten Fortpflanzungsfragen, Probleme mit Trans-Identitäten und Emanzipationssehnsüchte in den Hintergrund.

Physarum polycephalum entzieht sich selbst der Kategorisierung Tier-Pflanze und in einer interaktiven Präsentation des Pariser Zoos ist zu sehen, wie sich der „Blob“ mittels fingerartiger Ausstülpungen unglaublich langsam vorwärts bewegt. Ein wirklich wohltuend anzuschauender Entschleunigungsvorgang auch im Umgang mit der eigenen Geschlechteridentität, wenn einem die mediale Hektik und Hysterie nicht nur der LGBTQ -Gemeinde beim Thema „Gendern/Gendering“ zugemutet wird.

Als kürzlich die sich sonst stets weltanschaulich korrekt gebende Harry-Potter-Autorin Joanne Rowling zum wiederholten Male ins Fettnäpfchen trat, in dem sie sich darüber aufregte, dass in einem Artikel aus Gründen der Inklusion Frauen “Menschen, die menstruieren” genannt wurden, wurde der Autorin flugs ein Transgender-Problem unterstellt. Die dauerbeleidigte und laufend empörte „queere Community“ hatte Rowling schon ab 2013 im Visier. Rowling hatte unter dem Pseudonym Robert Galbraith eine Krimiserie mit dem Protagonisten Detektiv Cormoran Strike veröffentlicht, wobei ein bekannter Psychiater, der sich in den 50er-Jahren auf Konversionstherapien für Homosexuelle spezialisiert hatte, offenbar den gleichen Namen trug. Dann – ganz, ganz furchtbar – 2017 das erste schlimme und unfreiwillige Outing: Rowling hatte auf Twitter einen transfeindlichen Tweet gelikt. 2018 legte die Erfolgsautorin nach und bewertete einen Tweet, in dem Transfrauen als “Männer in Kleidern” beschrieben wurden, positiv.

Wer jetzt glaubt, dass dieser Unfug, dieser Sturm im Wasserglas alles gewesen sei, was zum Thema „Gendern“ passieren könnte, sollte das neue Buch von Birgit Kelle in die Hand nehmen. Die vierfache Mutter, Erfolgsautorin und weibliche Feministin, wie sie sich selbst beschreibt, hat nach ihrem Bestseller „GenderGaga“ noch einmal kräftig und wunderbar unterhaltsam, aber auch informativ auf die Pauke gehauen.

Kelle im Vorwort des im Finanzbuch Verlag erschienen neuen Buches: „Jahr für Jahr werden die Daumenschrauben hinsichtlich politisch korrekter Sprache, Verhaltensnormen und Meinungen enger gezogen. War der Online-#Aufschrei noch ein Aufwärmspielchen des hysterischen Netzfeminismus, werden bei #MeToo weltweit längst etablierte männliche Karrieren im Namen des Kampfes gegen Sexismus handstreichartig ruiniert. Wen interessiert schon die Wahrheit, wenn der Grad von Diskriminierungserfahrung heute in der Maßeinheit des persönlichen Beleidigtseins gemessen wird? Wen interessiert in dieser angeblichen „Emanzipation“ noch die ganz normale Frau, wenn eine große sexuelle Vielfalt weltweit um Aufmerksamkeit und Budgets buhlt? Und was ist überhaupt noch eine Frau, wenn jeder sich Frau nennen darf, der es unbedingt will und Geschlecht heute selbst definiert werden kann? Nichts bedroht die Errungenschaften der Emanzipation gerade mehr als das propagierte Märchen, Weiblichkeit sei nur eine dekonstruierbare, soziale Angewohnheit, die sich jeder aneignen könne, der selbst eine Frau wäre.“

Wenn der „Blob“ lesen könnte, hätte er jedenfalls im Park Bois de Vincennes mit seinen fingerartigen Ausstülpungen nach der Lektüre geklatscht. Unglaublich langsam zwar, aber immerhin. Wir, die wir lesen können, waren jedenfalls begeistert und empfehlen Birgit Kelles neue Fundamentalkritik an der Pervertierung unseres sozialen Lebens dringend weiter.

Kennen Sie Gender? fragte Birgit Kelle vor fünf Jahren in ihrem Bestseller GENDERGAGA. Heute ist klar: Die Realität hat die Satire längst überholt. Wer heute denkt, er sei normal, steht schon morgen als transphob, homophob, antifeministisch oder natürlich als „rechts“ am Pranger. Gefühl sticht jetzt Fakten, Frau sticht Mann, homo sticht hetero, schwarz sticht weiß, trans sticht alles. Dafür ruinieren wir Karrieren und Kindheiten, zensieren Sprache, Wissenschaft, Debatte und freies Denken. Statt Probleme zu lösen, schafft die neue Gender- und Identitätspolitik täglich neue Opfer. Wenige Jahre und Millionen Euro später ist klar: Es geht um nicht weniger als um alles.

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