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Kulturschaffende wollen eine Verfassungsklage einbringen und so klären, ob die jüngste Schließung der Kulturstätten verfassungskonform war.

Die Künstler kritisieren die Schließungen der Kulturstätten und das politische System, das dafür verwantwortlich zeichnet. Wenn zentrale Kulturstätten als bloße „Freizeiteinrichtungen“, und eingebettet zwischen „Paintballanlagen“ und „Stätten zur Ausübung der Prostitution“ klassifiziert werden, führe das zu einer beängstigend fortschreitenden Halb- und Unbildung, so die Kritik.

Trotz der Kooperation mit von Landes- und Bundesregierungen empfohlenen Gesundheitsexperten und erarbeiteter Präventionskonzepte, Hygienemaßnahmen und trotz keinerlei relevanter Infektionsketten im Publikum, seien sämtliche Kultureinrichtungen erneut Anfang November geschlossen worden.

Die Kulturschaffenden sehen Kunst und Kultur als offensichtlich volkswirtschaftlich systemrelevant an. Doch weit grundlegender sei die Summe aller Kulturleistungen, die auf individueller wie kollektiver Ebene Identität stifte. Kunst und Kultur als kritisches Sprachrohr sowie die Möglichkeit der Teilhabe daran seien unentbehrliche Bausteine einer demokratischen Gesellschaft, so die Künstler.

HIER mehr über die geplante Verfassungsklage erfahren. Das Vorhaben können Sie HIER finanziell unterstützen!


Die aktuelle Ausgabe 10 des FREILICH Magazins beschäftigt sich unter dem Titel „Unpopulär rechts“ mit den Problemen des Rechtspopulismus in Europa und Österreich. Die Heftvorschau finden Sie HIER.

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Hier sind sie versammelt zu löblichem Tun: Florian Klenk, Chefredakteur des „Falter“, und der Schriftsteller Doron Rabinovici haben eine Bühne bekommen, die des Akademietheaters zu Wien. Da stehen sie nun und können nicht anders als dem p. t. Publikum Einblick zu geben in die Gedankenwelt der Rechtspopulisten. Das Stück, das gegeben wird, hat die Wirklichkeit geschrieben. Die zwei Mutbürger haben es gesammelt: Recycling von Reden rechter Politiker. Matteo Salvini – siehe S. 10 im FREILICH Magazin – führt im Unterhaltungswert natürlich an, Herbert Kickl glänzt, dazu der klassische Viktor Orbán und polnische Populisten. Das Tribunal der Lesenden besteht aus vier Schauspielerinnen, die abwechselnd zum Besten geben, was das p. t. Publikum schaurig berühren soll.

Politik auf der Bühne: Ein wohliger Schauer läuft über den Bürgerrücken.

Da hebt die erste an: In Europa gebe es 20 Millionen Arbeitslose, eine Migration, die außer Kontrolle geraten sei, und dazu islamistischen Terrorismus. Wer mittelmäßig politisch interessiert ist, erkennt Matteo Salvini in einer Rede an das EU-Parlament 2016. Doch womit beschäftige sich das EU-Parlament? Mit Facebook- und Internetzensur. „Euch sollte ein sehr guter Arzt therapieren“, so der Italiener im Original, „ihr seid doch nicht normal.“ Der Parlamentspräsident unterbricht ihn und mahnt, mit seinen Worten vorsichtiger zu sein. „Ich sage doch nur, dass ihr meiner Meinung nach nicht normal seid, mit vollem Respekt“, so Salvini. „Wenn das europäische Volk gegen islamistischen Terrorismus ist, bedeutet das, dass es islamophob ist. Ist es gegen die Homo-Adoption, ist es homophob. Ist es für die Schließung von Roma-Camps oder für die Beendigung der Flüchtlingsinvasion, bedeutet es, sie sind Rassisten. Nein, das bedeutet, sie haben einen gesunden Menschenverstand und sind freie Menschen“, so liest die Schauspielerin. Dann geht es weiter. Der Titel der Veranstaltung „Alles kann passieren“ kommt vom scharfen Ungarn. Der Zusammenhang des Zitates ist übrigens, dass in der Zukunft alles offen sei.

Im Ernst. Im Wiener Burgtheater werden Rechtspopulisten von vier Damen gelesen.

Eine Stunde später, wir haben noch immer keinen Höhepunkt entdeckt. YouTube springt von der aufgezeichneten Live-Übertragung auf das nächste Video. Florian Klenk erklärt in „Jung & Naiv“ einem deutschen Journalisten Österreich und gibt den Sebastian-Kurz-Imitator. Eigentlich sollte man das abtippen und auf die Bühne des Burgtheaters bringen. Deutlich skurriler, deutlich unterhaltsamer. Man stelle sich vor: Eine Schauspielerin imitiert Florian Klenk, wie er Sebastian Kurz imitiert.

Am Ende applaudiert das Publikum. Klenk kommentiert sein eigenes Bild, rasiert im schwarzen Anzug, auf Facebook mit: „Pate“. Wir finden: eher Joaquin Phoenix als Kaiser in „Gladiator“. Ob die Zuseher wohl einen wohligen Schauer mit nach Hause nehmen? Nicht nur das Theater ist eine bürgerliche Bildungsanstalt. Schon zu Beginn hatte der Schriftsteller darauf hingewiesen, dass es die Aufführung auch als „rotes Büchlein (nicht Mao)“ gebe, das man sich unter den Christbaum legen könne. Ein kleines Stück Angst-Lust für jeden.

Das Buch Zum STÜCK: „Alles kann passieren“, kompiliert von Doron Rabinovici und Florian Klenk, 64 Seiten für stolze € 10.

Die nächste Erstaufführung findet am 31. Jänner im Burgtheater statt.