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Zum zweiten Mal lud die Marburger Burschenschaft Germania zur internationalen Konferenz „Junges Europa“. Konnte die bekannte Marburger Verbindung im vergangenen Jahr den französischen Universalgelehrten Alain de Benoist gewinnen, folgte dieses Mal der in Italien prominente und viel beachtete Philosoph Dr. Diego Fusaro, Professor am Istituto alti studi strategici e politici (IASSP, Institut für strategische und politische Studien), der Einladung. 

Jung, nonkonform und zukunftsorientiert

Als nonkonformer Denker und Schüler des marxistischen Forschers Constanzo Preve (1943–2013) beschäftigt sich Fusaro vorrangig mit den Denkern des deutschen Idealismus, wobei insbesondere eine breite Marx-Rezeption durch ihn vorgenommen wird. Nicht weiter verwunderlich, dass sich die einzigen beiden bislang auf Deutsch erschienenen Werke Fusaros („Schon wieder Marx – die Rückkehr der Revolution“, Westend Verlag 2018, „Marx von rechts“, Jungeuropa Verlag 2018, eine dritte Übersetzung hat der Jungeuropa Verlag bereits angekündigt) mit diesem auseinandersetzen. Der Titel seines Vortrages lautete: „Antonio Gramsci und die Revolte gegen das Kapital“. Wie auch Benoist vor ihm sprengte er mit seinen Gedanken die klassischen „links-rechts“-Schemata und bewies sich als unabhängiger und nonkonformer Denker. 

Hochkarätige Referenten

Trotz der teils offenen marxistischen Bezüge gab es von der linksextremen Szene Marburgs einen der in Marburg schon üblichen Gegenproteste gegen die Veranstaltung der Germania. Neu sind weder die Akteure, noch der offene Aufruf zur Begehung von Straftaten („Feuer und Flamme dem Germanenhaus“), noch die Tatsache, dass der Oberbürgermeister eine Rede auf der glasklar linksradikalen Demonstration hielt. Dass neben ihm vermummte Extremisten stehen, scheint ihn wieder einmal nicht gestört zu haben. Trotz der Blockadeversuche fanden sich etwa 100 Gäste auf dem Haus der Germania ein, um neben dem Vortrag Fusaros ein umfassendes Programm wahrzunehmen. 

So hielt John Hoewer einen Vortrag zum Thema „die italienische Rechte – zwischen Regierungsbank und Kulturrevolution“. Mit fundiertem Detailwissen stellte er alle Facetten der Entwicklung des politisch rechten Lagers in Italien dar und ermöglichte es so für den interessierten Zuhörer, sich ein umfassendes Bild zu verschaffen. 

Neben den Blicken auf und aus Italien stand noch der bekannte und profilierte Publizist Dr. Dr. Thor von Waldstein auf dem Programm. Er rundete mit seinen „Thesen zum Volk“ in der ihm gewohnten klaren Strukturierung das Programm ab. Angesichts der heutigen Kontroversen und Dekonstruktionen rund um den Volksbegriff konnte er mit einer breiten Herleitung und Annäherung verschiedener Autoren an dieses höchstaktuelle Thema aufwarten und damit jedem Zuhörer für kommende Diskussionen eine Palette an Argumenten mit auf den Weg geben.

Vielfältiges Mosaik

Ausstellende Künstler, Zeitschriftentische mit Ausgaben verschiedener Medienprojekte (auch unser Freilich-Magazin war hier vertreten) und ein Kulturprogramm sorgten für Abwechslung zwischen den Vorträgen, die sich allesamt auf einem hohen akademischen und intellektuellen Niveau bewegten. Erneut hat die Marburger Burschenschaft Germania damit im Herzen einer der wohl linkesten Universitätsstädte Deutschlands eine Großveranstaltung durchgeführt, die weit über die Grenzen Marburgs ausstrahlt. Das innovative Konzept und das hohe Niveau der Veranstaltung lassen hoffen, dass es nicht das letzte Mal gewesen ist.